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Zschabers Börsenblick
Die japanische Antwort auf den Handelskrieg. Quelle: REUTERS

Die japanische Antwort auf den Handelskrieg

Die Nebenwirkungen des Handelskonflikts treffen Japan. Doch der jüngste Pakt mit der EU könnte ein probates Gegenmittel sein. Eines, das auch Nikkei-Anlegern schmecken könnte.

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Dass das aktuelle Handelskriegsduell, das sich in erster Linie die USA und China liefern, keinen Gewinner kennt, dürfte mittlerweile außer Donald Trump jedem bewusst sein. Dass aber die drohende Spirale aus immer weiter steigenden Zöllen und Gegenzöllen, mit denen sich die beiden Streithähne gerade gegenseitig belegen, schon jetzt einiges in der Peripherie nach unten zieht, hat eventuell nicht jeder auf dem Schirm.

Merkliche Einbußen

Zumindest deutet sich bei Chinas Nachbarn Japan an manchen Stellen an, dass man dort den Konflikt nicht länger ignorieren kann. Für das Land der aufgehenden Sonne verdunkeln sich bei der Aussicht auf steigende Zölle ebenfalls die ökonomischen Perspektiven. Verwunderlich ist das allerdings nicht, man darf ja nicht vergessen: Für stattliche 64 Prozent des Importüberschusses gegenüber den Vereinigten Staaten ist der Autosektor Japans verantwortlich – wenn die US-Zölle in diesem Bereich um bis zu 25 Prozent erhöht werden würden, wäre das für das Wachstum des japanischen Bruttoinlandsprodukts eine Einbuße von 0,9 Prozent.

Für die Stimmung der Unternehmenslenker und damit für das gesamte Wirtschaftsklima des Landes ist allein schon der Gedanke daran verheerend: Geplante Investitionen und Expansionspläne fallen bereits jetzt deutlich geringer aus, als sie das noch vor wenigen Wochen taten.

Es gibt im Zusammenhang mit dem globalen Handelskonflikt aber immerhin einen positiven Aspekt festzuhalten: Mit dem wichtigsten asiatischen Nachbarn rückt man zusammen, so nehmen die Handelsaktivitäten zwischen Japan und China zu. Und auch mit Europa verbrüdert sich Tokio zusehends; der protektionistische Kurs, den US-Präsident Trump unbeirrt hält, beflügelt förmlich die Handelsströme zwischen den beiden Wirtschaftsregionen in Fernost und dem Alten Kontinent. Mit dem vor gut drei Wochen geschlossenen Abkommen zum freien Handel haben die beiden Parteien dies nochmal vor einer Weltöffentlichkeit unterstrichen. Dass diese „JEFTA“ genannte Übereinkunft von einigen Experten als besser als TTIP gefeiert wird, ist da nur eine Randnotiz, die aber immerhin Grund zum Schmunzeln gibt. Auch wenn das Schmunzeln in den USA sicherlich eher ein gequältes Lächeln ist.

Unabhängig der JEFTA-Fantasie, die sich an der Börse widerspiegeln kann, lassen sich einige andere Lichtblicke für Japans Aktienmarkt erkennen. Zwar erwarten Experten für das zweite Quartal bei japanischen Unternehmen lediglich eine durchschnittliche Gewinnsteigerung von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Positive Überraschungen sind aber durchaus möglich: Zum einen hat die Bank of Japan auf ihrer jüngsten Sitzung eine anhaltende expansive Geldpolitik signalisiert; die zuletzt zu beobachtende Abwertung des Yen zum Dollar könnte also anhalten, wovon auch der Nikkei profitieren könnte. Zum anderen sind japanische Aktien gerade auch wegen ihrer günstigen Bewertung interessant – gemessen am erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis handeln sie weiter deutlich unter dem Zehnjahresdurchschnitt.

Für Anleger, die auch aus Gründen der  Diversifikation ihr Depot nicht ausschließlich mit westlichen Werten wie Dow-Jones-, EuroStoxx- und DAX-Titeln bestücken wollen, gilt bei der Auswahl japanischer Werte dasselbe wie für deutsche: Sie sollten auf Qualität Wert legen – und zwar in Form von Industrie- und Konsumwerten.  Im Nikkei, dem Leitindex der Tokioter Börse, finden sich viele solcher Papiere – mit einem ETF auf den Nikkei sind Anleger daher bestens aufgestellt.

Das Handelsabkommen der EU mit Japan

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