WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Zschabers Börsenblick
Niedrige Zinsen: Gute Gründe für dividendenstarke Aktien Quelle: imago images

Dividenden-Aktien schützen vor fest zementierten Zinsen

Gute Gründe für dividendenstarke Aktien gibt es eigentlich immer. Im Jahr 2019 aber möglicherweise besonders viele.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Psychologie ist bekanntlich ein entscheidender Faktor an der Börse. Wenn Furcht und Angst Überhand nehmen, tut das den Kursen in aller Regel nicht gut. Und so ist auch die aktuelle Zurückhaltung an den Aktienmärkten nachvollziehbar. Mit korrigierten Konjunkturprognosen und Sorgen vor einem Brexit sowie weiteren Handelskonflikten bekommen die Pessimisten schließlich zurzeit genügend Argumente. Frage ist bei aller berechtigten Skepsis aber diese: Bieten sich bei der Geldanlage wirklich Alternativen zum Aktienmarkt?

Für Anleger ein Muss

Eine Antwort darauf gibt nicht zuletzt die aktuelle Zinspolitik der weltweiten Notenbanken. Die anhaltend niedrigen Zinsen – jüngste Entscheidungen und Äußerungen von Fed und EZB verheißen ein weniger restriktives Verhalten beider Institute als noch vor wenigen Wochen erwartet – machen Investments gerade in klassisch-konservativ Vermögensklassen vor dem Hintergrund der Inflation zum Nullsummenspiel; unter Berücksichtigung der Geldentwertung bleibt keine nennenswerte Rendite mehr übrig. Und damit beantwortet sich auch obige Frage: Nein, am Aktienmarkt führt gerade für einen langfristig denkenden Investor kein Weg vorbei.

Nun haben Dax und Co. aber jüngst, im Jahr 2018, mal wieder die Kehrseite der Medaille, sprich fallende Kurse gezeigt. Wer länger am Markt ist, weiß zwar nicht nur dank Kostolany, sondern auch vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen, dass die Börse keine Einbahnstraße ist; er versteht solche Korrekturen einzuordnen. Die jüngere Generation aber, welche die Börse vielleicht gerade einmal die letzten zehn Jahre verfolgt hat, musste ja zwangsläufig das Gefühl bekommen, es ginge immer aufwärts und Verlustjahre wären so häufig wie eine totale Sonnenfinsternis.

Ausschüttung statt (nur) Performance

Hier hilft vielleicht gerade in diesen Tagen eine Rückbesinnung darauf, was eine Aktie ursprünglich bedeutete: Der Investor beteiligt sich mit dem Erwerb eines solchen Anteilscheins an einem Unternehmen und erhält als Rendite regelmäßige Ausschüttungen, die sogenannte Dividende.

Das war der Grundgedanke der Beteiligung in Form von Aktien. Die Jagd nach der Wertentwicklung, neudeutsch Performance, die heute viele Anleger als Motivation für Aktieninvestments haben, kam erst wesentlich später dazu. Doch das soll nicht heißen, dass Dividendentitel heute out sind. Im Gegenteil, sie könnten gerade in diesem Jahr auf besonders hohes Interesse stoßen.

Dafür sorgt zum einen, dass in der aktuellen Dividendensaison die Ausschüttungen mitunter besonders üppig sind, haben die Unternehmen doch im vergangenen Jahr ordentliche Gewinne eingefahren. Allein die 30 Unternehmen des DAX schütten Schätzungen zufolge rund 40 Milliarden Euro aus. Jüngst hat der etwa im wichtigsten deutschen Index gelistete Gesundheitskonzern Fresenius nach starken Zahlen für das vierte Quartal angekündigt, seiner Hauptversammlung für das vergangene Jahr eine Dividende von 0,80 Euro je Anteilsschein nach 0,75 Euro im Vorjahr vorzuschlagen; Analysten waren zuvor von einer Ausschüttung von nur 0,77 Euro pro Aktie ausgegangen. Und das ist kein Einzelfall im Jahr 2019.

Schutz vor eigener Emotion

Zum anderen sorgt ein grundsätzlicher Vorteil von Dividendenaktien für erhöhte Attraktivität: Dividenden können ein Kurspuffer sein in Zeiten, in denen die Notierungen etwas schwächeln. Sie sind in einem volatilen Markt die einzige Konstante, mit welcher der Anleger kalkulieren kann. Von der Psychologie, die die Kurse bewegt, selbst wenn es dem Unternehmen unverändert gut geht, ist die Dividende nicht betroffen. Und letztendlich kann sie auch ein Schutz vor der eigenen Emotion sein: Bei einer Dividendenrendite von beispielsweise vier Prozent überlegt sich der Anleger zweimal, ob er das jeweilige Papier nur wegen kleinerer Schwankungen wirklich verkauft. Das bewahrt ihn vor überschnellem Handeln – und impulsiven Verkäufen, die er womöglich später bereuen würde.

Kontinuität ist mitentscheidend

Früher, in Zeiten rapide steigender Kurse wie etwa in der Börsen-Boomphase um die Jahrtausendwende, wurden Anleger, die ihren Fokus auf die Dividende legten, oftmals als altbacken belächelt. Doch wer seitdem allein mit langfristigen Dividendeninvestments und der regelmäßigen Reinvestition der jeweiligen Ausschüttungen über die Jahre ein kleines Vermögen angehäuft hat, hat das Lächeln jetzt selber im Gesicht. Und kann bestätigen, dass der Zinses-Zins-Effekt, den viele nur aus der Schule kennen, im realen Leben eine beachtliche Wirkung haben kann.

Wer sich davon selbst überzeugen will, sollte künftig bei der Aktienauswahl auch auf die Ausschüttung achten. Unternehmen, die nicht nur überdurchschnittlich hohe Dividenden zahlen, sondern dies auch über viele Jahre tun, sollten dabei im Fokus stehen. Wem eine Auswahl zu aufwändig ist, kann aber durchaus auch in einen ETF auf den DivDax (Performance-Index) investieren, der die 15 Aktien des Dax mit den höchsten Dividendenrenditen umfasst.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%