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Zschabers Börsenblick
Voraussichtlich erzielt der deutsche Aktienmarkt in diesem Jahr eine positive Rendite. Unser Kolumnist Markus Zschaber ordnet diesen Umstand ein. Quelle: dpa

Eine Überraschung, die eigentlich keine ist

Aller Voraussicht nach erzielt der deutsche Aktienmarkt auch in diesem Jahr eine Rendite im positiven Bereich – und hält damit erneut ein Plädoyer für sich selbst. Das breite Engagement in Aktien zahlt sich aus.

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Es fällt in diesen Tagen schwer nüchtern, sachlich und unbeeindruckt von äußeren Einflüssen eine Bilanz des vergangenen Börsenjahres zu ziehen – zu tief hängt das Damoklesschwert der Omikron-Variante des Corona-Virus über unserem Alltag und über den Kapitalmärkten. Dabei könnte eine solche Bilanz durchaus als Stimmungsaufheller fungieren.

Stand jetzt hat der Dax nämlich im Jahr 2021 ein Plus von mehr als zehn Prozent erzielt. Das ist mehr als im Vorjahr, als der Index nach einem historisch turbulenten Jahresverlauf mit einem Gewinn von rund 3,5 Prozent aus dem Jahr ging. Zwar hinken diese beiden von Corona geprägten Jahre damit deutlich der Performance von 2019 hinterher – im bislang letzten Corona-freien Jahr hatte sogar eine Rendite von mehr als 25 Prozent zu Buche gestanden. Doch auch die beiden jüngsten vermeintlichen Krisenjahre unterstreichen die Attraktivität, die der Aktienmarkt selbst in solch an und für sich trüben Jahren aufweisen kann. (Von Adidas bis Zalando: Hier gibt es Alle 40 Dax-Werte im Check.)

Gerade das Jahr Nummer zwei der Corona-Pandemie hat dabei vor allem eines gezeigt: Die Börse gewöhnt sich schnell an gewisse Begebenheiten. Oder im Börsenjargon formuliert: Corona ist in großen Teilen bereits eingepreist. So blieben 2021 die ganz großen Schwankungen aus. Zwar ist es Ende November noch einmal deutlich nach unten gegangen mit den Kursen – die ersten Alarmrufe wegen besagter Omikron-Variante verunsicherten die Märkte –, doch diese Korrektur um etwa sieben Prozent war nichts verglichen mit dem zwischenzeitlichen Crash, den das Virus im Frühjahr 2020 ausgelöst hatte, als es den deutschen Leitindex innerhalb von vier Wochen um fast 40 Prozent nach unten riss.

Wie das Vorgängerjahr zeigte auch 2021, wie sinnvoll ein breites Engagement in Aktien sein kann. Noch mehr offenbarten die vergangenen zwölf Monate aber auch, wie erfolgversprechend gezielte und ausgewählte Einzelinvestments sein können, gerade vor dem Hintergrund, dass es in jeder Krise Gewinner gibt. Naheliegend ist die gute Wertentwicklung des Mainzer Unternehmens Biontech, das mit seinem gemeinsam mit dem US-Riesen Pfizer vertriebenen Corona-Impfstoff für eine wirksame Waffe im Kampf gegen die Pandemie gesorgt hat. Zudem sind die Technologie-Aktien zu nennen; die größten und wichtigsten Titel des Sektors – Amazon, Apple, Facebook, Google, Microsoft und Netflix – haben im Jahr 2021 allesamt neue Rekordstände erklommen, die meisten davon eine Börsenbewertung von einer Billion Dollar überschritten. Diese Giganten der Branche gehören allein zu den Profiteuren der Krise, da der damit verbundene Boom des Homeoffice zu mehr Hard- und Software-Verkäufen führt und vor dem Hintergrund von Lockdowns und Kontaktbeschränkungen die weltweiten Online-Aktivitäten zunehmen. Hier zeigt sich im Übrigen, wie eine Krise eine Entwicklung beschleunigen – sozusagen als Booster fungieren kann.

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    Dann gibt es aber auch Gewinner, deren Erfolg eher wenig mit der Pandemie zu tun hat. So dürfte Covid 19 nur sehr bedingt dafür verantwortlich sein, dass etwa die Tesla-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten erneut zugelegt und in diesem Zuge vor knapp zwei Monaten ein neues Hoch markiert hat. Auch wenn es für sie zuletzt wieder leicht bergab ging und auch wenn sich an dieser Aktie und ihrer Bewertung die Geister zu Recht scheiden – Fakt ist, dass sich auch Tesla mittlerweile im Bereich der 1- Billion-Dollar-Unternehmen bewegt und dass E-Mobilität eines der Themen ist, die die Börsianer interessieren. Apropos gezielte Investments: Vor dem Hintergrund der boomenden E-Mobilität sollte man vielleicht auch wieder einen Blick auf etablierte Autobauer werfen, denn die haben hier Nachholpotenzial – und mit ihnen ihre Aktien.

    Seit nunmehr fast zwei Jahren hat das Corona-Virus die Welt im Griff. Und während dieser Zeit haben sich nicht nur einzelne Branchen, sondern sogar komplette Märkte nicht nur gut gehalten, viele haben sogar zugelegt (an dieser Stelle sei übrigens angemerkt, dass der US-Index Dow Jones in diesem Jahr noch stärker zulegen wird als der Dax). In Zeiten, in denen Niedrigzinsen der neue Standard zu sein scheint – selbst wenn sich hier langsame Änderungstendenzen zeigen –, und angesichts einer für westliche Verhältnisse extremen Inflation Bargeld und Einlagen auf klassischen Sparkonten rapide an Wert verlieren, halten die Aktienmärkte mit ihrer Performance ein Plädoyer in eigener Sache. Das soll natürlich nicht den Blick verstellen auf Jahre wie 2018, als es etwa im Dax um rund 18 Prozent nach unten ging – eine Gemengelage aus Brexit und Ängsten vor einem Ende der lockeren Geldpolitik hatte den Markt seinerzeit stark korrigieren lassen und gezeigt, dass die Börse eben keine Einbahnstraße gen Norden ist. Doch auf lange Sicht steigen Aktien auf breiter Front. In manchen Jahren nur eben ein bisschen überraschender als in anderen.

    Mehr zum Thema: Das Anlagejahr 2022 könnte für eine echte Zäsur stehen: Notenbanken weltweit dürften ihre bisher ultralockere Geldpolitik straffen. Mit passendem Depotmix bleiben Anleger dabei entspannt.

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