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Zschabers Börsenblick
Weihnachtsbeleuchtung auf der Plaza de Colon in Madrid: Spaniens Wirtschaft liegt durch die Corona-Pandemie am Boden. Nun hofft das Land auf einen Impfstoff, damit sich die Wirtschaft - insbesondere der Tourismus - wieder erholt. Quelle: imago images

Impfstoff? Olé!

Die Aussicht auf den baldigen Markteintritt eines Impfstoffs lässt viele hoffen – vor allem auch die Wirtschaft eines europäischen Corona-Sorgenkindes. Für Anleger bietet sich großes Nachholpotenzial.

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„Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen.“ Diese Zeilen tun derzeit gleich mehrfach weh. Zum einen erinnert es die Anhänger des Musicals „My Fair Lady“, aus dem sie stammen, schmerzhaft daran, dass Theaterbesuche wegen der Corona-Beschränkungen aktuell nicht möglich sind. Zum anderen klingt es wie pure Ironie – denn wenn etwas gerade überhaupt nicht blüht, dann ist es Spaniens Wirtschaft.

Im Gegenteil: Es bereitet förmlich körperliche Pein mitanzusehen, wie das Land, das über die Grenzen Europas hinaus für seine Strände ebenso bekannt und geschätzt ist wie für seine Viva-Espana-Kultur, zum größten Sorgenkind der Euro-Zone geworden ist. So leidet Spanien unter den Folgen der Corona-Pandemie so stark wie kaum ein anderes Land auf dem alten Kontinent. Der Internationale Währungsfonds IWF erwartet für das Gesamtjahr 2020 einen BIP-Rückgang um 12,8 Prozent, während die Arbeitslosenquote von 14,1 auf 16,8 Prozent steigen könnte. Ursachen, weshalb Spanien besonders hart von Covid-19 getroffen wird, gibt es mehrere. Da ist etwa ein Ärztemangel auf der einen, die enorm hohe Abhängigkeit vom Tourismus auf der anderen Seite.


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Die jüngsten Bilder aus den üblicherweise pulsierenden Metropolen Madrid und Barcelona, in denen das Leben im Zuge von rigorosen Lockdowns in diesen Wochen wie schon im Frühjahr nahezu komplett zum Erliegen gekommen ist, haben das Image von Spanien als dem großen europäischen Corona-Verlierer auch in der breiten Öffentlichkeit verfestigt. Wer zurzeit über mögliche Highflyer an der Börse nachdenkt, kommt daher womöglich nicht zwingend zuallererst auf Spanien, zumal sich im Leitindex IBEX 35 auch das Leid der spanischen Industrie widerspiegelt: Der am höchsten gewichtete Wert im IBEX ist die namhafte Banco Santander, die im Zuge der Corona-Pandemie – wie seinerzeit schon in der Finanzkrise – ordentlich in Schieflage geraten ist. Der „drittschwerste“ IBEX-Wert ist Inditex, der Mutterkonzern der auch in Deutschland populären Modehauskette Zara – und die Bekleidungsindustrie ist bekanntlich eine der Branchen, die unter Ausgangsbeschränkungen am meisten leiden.

Enormes Nachholpotenzial

Vor diesem Hintergrund gilt aber wiederum auch ein Mechanismus, der gerade für Börsianer interessant sein sollte. So würde wohl kaum ein EU-Staat so stark von einem Corona-Impfstoff profitieren wie das südeuropäische Land, nirgendwo in Europa dürfte das Nachholpotenzial größer sein. Dieses Potenzial könnte von besagtem Impfstoff gehoben werden, denn dieser würde wohl auch die Tourismusbranche wieder zurück ins Leben rufen, die immerhin rund zwölf Prozent zum spanischen BIP beisteuert. Wenn ein Impfstoff im kommenden Jahr großflächig an den Mann und die Frau kommt und damit einhergehend wieder eine ansatzweise Normalität in punkto Urlaubsaktivitäten und Konsum eintritt, sollte auch der IBEX 35 deutlich profitieren.

Wie groß die Hoffnungen der Börsianer auf eine solche Erholung Spaniens sind, zeigt die jüngste Kursentwicklung des IBEX. Zwar hinkt er auf Jahressicht dem EuroStoxx 50 deutlich hinterher, doch im Fahrwasser der jüngsten erfreulichen Impfstoff-Nachrichten hat er in den vergangenen vier Wochen das Gros der europäischen Indizes mit einem Plus von rund 15 Prozent bereits klar hinter sich gelassen. Einen ETF auf den IBEX könnten Anleger zudem durchaus als „Corona-Play“ einsetzen, quasi als Alternative zu den Aktien der Biotech- und Pharma-Firmen, die derzeit die Nase im Impfstoffrennen vorne zu haben scheinen, deren Notierungen sich aber schon sehr positiv entwickelt haben – teilweise zu positiv, als dass ein konservativ orientierter Anleger auf diesen Zug in Form eines Engagements jetzt noch aufspringen sollte.

Anders als diese Papiere hat ein ETF-Investment in den spanischen Markt erhebliches Nachholpotenzial: Anleger wären damit dann dabei, wenn Spaniens wirtschaftliche Blüten wieder blühen – und wenn „es grünt so grün“ auch wieder für die längerfristigen Vorzeichen an der Börse in Madrid gilt.

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

Mehr zum Thema: Der Dax soll von 30 auf 40 Werte wachsen. Das wären die neuen Stars am deutschen Aktienmarkt.

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