Zschabers Börsenblick
„Inflation? Welche Inflation?“ möchte man angesichts der aktuellen Teuerungsrate in Japan fragen. Quelle: imago images

Japan – wie aus einer anderen Welt

Die für aktuelle westliche Verhältnisse niedrige Preisteuerung in Japan macht das Land der aufgehenden Sonne für Börsianer interessant. Was perspektivisch besonders spannend ist: die Nähe zu China.

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In den Nachrichten ist es – zumindest aus westeuropäischer Sicht – zuletzt vergleichsweise ruhig um Japan gewesen. Zwar gab es auch hierzulande Schlagzeilen, etwa zum tödlichen Anschlag auf den früheren Premierminister Shinzo Abe und den Umständen seines Staatsbegräbnisses.

Doch zwischen den Meldungen über den russischen Krieg in der Ukraine und denen über die Rolle, die China im geopolitischen Kontext spielt und womöglich noch spielen wird, ging Japan zeitweise verloren. In diesem Zuge schien auch der japanische Aktienmarkt etwas aus dem Fokus geraten zu sein.

Dabei bietet sich gerade jetzt ein genaueres Hinsehen an. Auch und vor allem, weil Japan bei einem Thema, das derzeit die westliche Welt in ihrem Bann hält, ein gänzlich anderes Bild zeichnet: bei der Inflation.



„Inflation? Welche Inflation?“ möchte man angesichts der aktuellen Teuerungsrate in Japan fragen. Gerade einmal 2,8 Prozent betrug die Teuerungsrate im August. Zwar ist das für japanische Verhältnisse nicht niedrig – im Gegenteil, die Inflation bewegt sich damit sogar auf dem höchsten Stand seit 31 Jahren –, doch für den großen Teil des Rests der Welt wäre dies fast schon ein Wunschszenario: Ein Inflationsniveau von zwei Prozent wird von vielen Zentralbanken als gesund angesehen und als Ziel ihrer Aktivitäten ausgeben.

Apropos Zentralbank: Die Bank of Japan (BoJ) fährt weiterhin einen expansiven Kurs, den Zinssatz von -0,1 Prozent hat sie erst Ende vorletzter Woche bestätigt, auch mit der lockeren Geldpolitik der BoJ bildet Japan im internationalen Vergleich eine große Ausnahme: Die US-Notenbank Fed hat in jüngster Zeit gleich dreimal die Zinsen angehoben – zuletzt auf 3,00 bis 3,25 Prozent –, die Europäische Zentralbank (EZB) setzte die erste Zinsanhebung seit zehn Jahren um.

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von Philipp Frohn, Julia Groth

Es bleibt abzuwarten, wie lange die BoJ diesen – von vielen Seiten kritisierten – Kurs fortsetzen wird, zumal die schwächelnde Landeswährung Yen eine Abkehr von der lockeren Geldpolitik immer wahrscheinlicher macht. Fakt ist aber: Dem Aktienmarkt Japans hat das bisherige Vorgehen nicht geschadet: Der Nikkei hat zwar seit Jahresbeginn auch an Wert verloren, sich dabei aber deutlich besser geschlagen als Dax, Dow oder EuroStoxx.

Nun ist Japan keine Insel der Glückseligkeit, die sich von der Entwicklung der derzeit kriselnden Weltwirtschaft abkoppeln könnte. So sind Investments in Japan nicht frei von Risiken – dortige Unternehmen weisen mitunter hohe Schulden auf und bieten zudem nur ein schwaches Wachstum. Doch die Finanzierungsbedingungen für sie bleiben unter den gegebenen Umständen weiterhin vergleichsweise günstig. Für Krisenszenarien, wie sie sich derzeit abzeichnen, mit Sicherheit nicht die schlechteste Voraussetzung.

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Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der vor dem Hintergrund der eingangs erwähnten Rolle von China zu sehen ist und der für gute Perspektiven sorgt: Viele europäische Unternehmen wollen sich aus China zurückziehen – und für alternative Produktionsstandorte in der Region kommt neben Indien und Taiwan vor allem der Nachbar Japan infrage, der als traditionelle und über Jahrzehnte etablierte Industrienation große Vorteile gegenüber boomenden Staaten wie den Philippinen und Indonesien hat. Von dieser Wiederentdeckung Japans könnte auch der Nikkei profitieren. Das Land der aufgehenden Sonne würde damit seinem Namen am Aktienmarkt jedenfalls alle Ehre machen.

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

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