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Zschabers Börsenblick
Schweizer Luxusuhren in Hongkongs Shoppingmeile Quelle: imago images

Luxus-Aktien: Bling-Bling ist der Fels in der Brandung

Luxusaktien präsentieren sich derzeit vergleichsweise krisenresistent. Und das trotz einiger vermeintlicher Risiken.

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In aller Regel bringt man junge vermummte Leute und Straßenschlachten nicht mit Luxusuhren in Verbindung. Für Börsianer gibt es dieser Tage aber dennoch einen Zusammenhang. So sind die Demonstranten, die in den vergangenen Wochen auf den Straßen Hongkongs gegen das Vorgehen der Regierung in Peking protestiert haben, indirekt dafür verantwortlich, dass die Aktienkurse von Luxusgüterherstellern zumindest kurzzeitig leicht unter Druck geraten sind. Die Begründung: Zum einen ist Hongkong trotz überschaubarer Fläche ein bedeutender, weil großer Markt für Luxusgüter und Unruhen dort vertreiben die Shopper aus den Einkaufszentren und Läden. Zum anderen hätte eine mögliche Ausweitung des Konflikts mit China auch Implikationen für das Konsumklima im Reich der Mitte, so die Befürchtungen manch eines Börsianers. Und China gilt immerhin als weltweit wichtigster Markt für Luxusgüter.

Luxus trotzt Krisen und Sorgen

Mittlerweile stehen in Hongkong allerdings wieder einige Zeichen auf Beruhigung der Lage; Regierungschefin Carrie Lam hat jüngst angekündigt, den Rückzug eines Gesetzesentwurfs zu prüfen, der Auslieferungen verdächtigter Personen an China vorgesehen hätte. Das hat den Aktienkursen von Luxusherstellern wie etwa Richemont und LVMH gut getan, sie haben sich nach vorübergehender Schwäche wieder berappelt.

Kein Wunder, denn trotz der Turbulenzen in Hongkong zeigt sich eines: Der weltweite Luxusmarkt ist relativ stabil. Obwohl die Ausschreitungen in der ehemaligen britischen Kronkolonie negative Auswirkungen auf den dortigen Absatz haben – die Juli-Umsätze gingen etwa deutlich hinunter, für August ist man ebenfalls sehr skeptisch –, haben sich die weltweiten Erlöse in diesem Bereich zuletzt auf solidem Niveau bewegt. Der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie etwa hat für Juli bei den Exporten einen minimalen Rückgang von 0,1 Prozent verzeichnet – das aber wohlgemerkt um Preiseffekte bereinigt; nominal ergab sich sogar ein Plus von 4,3 Prozent. Bemerkenswert ist das vor allem vor dem Hintergrund, dass mit Handelskrieg und Brexit nicht gerade kleine Wolken die Sonne am globalen Konjunkturhimmel bedecken.

Dass Trinken, Rauchen und Zocken nie aus der Mode kommt und daher Alkohol, Tabak und Glücksspiel auch immer Konjunktur haben, ist mehr als nur ein Bonmot. Aber seitdem sich It-Girls wie Paris Hilton schon in den 2000er-Jahren offensiv und werbewirksam mit teuren Taschen, Schuhen und Accessoires präsentieren, ist Luxus quasi der nächste Trend, der so etwas wie eine immerwährende Sonderkonjunktur hat. Hermès, Tiffany und Burberry – allesamt börsennotiert wie Richemont – sind daher keine Marken mehr, die nur bei betuchten älteren Damen und Herren beliebt wären. Und die Lust der Jugend auf Edelmarken ist nicht auf die westliche Welt beschränkt. Im Gegenteil: In anderen Kulturen, gerade in östlichen, wird noch öfter gezeigt, was man hat – und entsprechend konsumiert. Da trifft es sich, dass viele dieser Regionen sich derzeit auf dem aufsteigenden Ast befinden, was sich wie in China in einer wachsenden und an Kaufkraft immer weiter zunehmenden Mittel- und Oberschicht ausdrückt.

Ein Investment mit Glanz

Erst vor wenigen Wochen hat das Marktforschungsunternehmen Bain dem Luxus-Sektor im Rahmen einer Studie ein weltweites jährliches Wachstum zwischen drei und fünf Prozent bis zum Jahr 2025 bescheinigt. Im laufenden Jahr soll in China der Absatz von Premiummarken um bis zu 20 Prozent wachsen. Mit einem ETF auf den S&P Global Luxury, der die namhaftesten Vertreter des Sektors abdeckt, kann der Anleger von der Entwicklung dieses Marktes profitieren – und die jüngste, durch Hongkong verursachte Delle der Notierungen ausnutzen.

Trendforscher wollen im Übrigen schon den nächsten potenziellen Luxusboom ausgemacht haben: Reisen an spektakuläre Orte – und ihre Dokumentation über die sozialen Netzwerke – werden demnach die neuen Statussymbole, so ihre Überzeugung. Wir werden sehen. Von einem Paradigmenwechsel wird man aber wohl nicht sprechen müssen. Schließlich ist nicht ausgeschlossen, dass auf dem Selfie vom Weltraumspaziergang auch die teure Uhr am Handgelenkt prangt. Es gibt ja bekanntlich auch welche mit Mondphasen.

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