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Zschabers Börsenblick
Es gibt für Anleger auch gute Alternativen zum Leitindex DAX Quelle: imago images

Mit dem EuroStoxx 50 gegen den Anlegerstrom

Bei heimischen Investoren steht der deutsche Leitindex Dax nach wie vor hoch im Kurs. Aber warum als Anleger nicht mal über den Tellerrand hinausschauen?

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An der Börse hat es in diesem Jahr schon des Öfteren gerappelt. Bei der ersten Unruhe Anfang des Jahres trieb unter anderem die von einer steigenden Inflation produzierte Angst vor einer unerwartet deutlichen Leitzinsanhebung der US-Notenbank Fed die Anleger um. Die jüngsten Turbulenzen gehen auf das Konto von US-Präsident Donald Trump, der Strafzölle unter anderem gegen europäische Unternehmen ins Spiel brachte und damit das Schreckensszenario des Handelskriegs in die Köpfe der Börsianer zeichnete. Die Wahl in Italien, der Brexit, die Scharmützel rund um den Nordkoreakonflikt und die gestiegenen geopolitischen Risiken im Nahen Osten sorgten und sorgen für zusätzliche Verunsicherung.

Die Entwicklungen an den Kapitalmärkten nun von der Seitenlinie zu beobachten, ist aber keine sinnvolle Alternative. Nur wird sich derjenige, der jetzt über einen Einstieg nachdenkt, fragen, wo er noch investieren soll. Die Antwort: vielleicht mal woanders als sonst – und nicht immer nur auf den Dax schauen.

Besser als der Dax

Was wäre als Alternative etwa mit einem Bekenntnis zu Europa? In Form eines Engagements in Aktien vom vermeintlich alten Kontinent? Frankreichs Präsident Emanuel Macron hat die europäische Idee auf politischer Ebene ja längst wieder salonfähig gemacht, an der Börse ist von dieser Begeisterung für Europa bislang allerdings wenig zu spüren. So scheint der europäische Aktienindex EuroStoxx 50 im Bewusstsein der deutschen Anleger, die scheinbar immer nur den Dax im Visier haben, kaum eine Rolle zu spielen. Dass der Dax Anlegern über Jahre bemerkenswerte Renditen bescherte, während die Performance des EuroStoxx 50 zu wünschen übrig ließ, ist zwar nicht zu leugnen. Doch nun könnte sich durchaus aus mehreren Gründen lohnen, das europäische Aktienmarktbarometer auf dem Schirm zu haben. Nicht nur weil er sich in den vergangenen Wochen ein wenig besser entwickelte als der Dax.

Weniger Arbeitslose, mehr Wachstum

Da ist vor allem der Umstand, dass es unter ökonomischen Gesichtspunkten schon seit einiger Zeit bergauf geht mit Europa. So weisen die Unternehmensgewinne des Jahres 2017 ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich auf. Die Stimmung in der Wirtschaft ist entsprechend gut, auch und gerade im Industriesektor; der entsprechende Einkaufsmanagerindex für den Euroraum deutet mit 58,5 Punkten auf ein robustes Wachstum. Zudem liegt die Arbeitslosenquote in der Eurozone bei 8,6 Prozent, der niedrigste Stand seit Ende 2008. 

Dass die Wachstumsrate der europäischen Wirtschaft rund 2,3 Prozent beträgt, hat mehrere Treiber: So haben die anhaltend niedrigen Zinsen die Kreditbedingungen wesentlich verbessert. Der starke Konsum der Haushalte ist eine weitere Säule des Aufschwungs, die sich aus den steigenden Realeinkommen ergibt. Und die positive Lage am Arbeitsmarkt, auch basierend auf der starken Auftragslage der Industrie, rundet dieses Gesamtbild ab. Hinzu kommt, dass Länder wie Spanien oder Italien ökonomisch gesehen erst spät Fahrt aufgenommen haben. Auch in Frankreich, das bis 2017 ebenfalls als wirtschaftliches Sorgenkind galt, überzeugt heute das Gros der Konjunkturdaten und sorgt dafür, dass europäische Unternehmen neben dem Auslandsgeschäft auch auf dem heimischen Binnenmarkt ein gutes Umfeld vorfinden. 

Lockere Geldpolitik

Doch nicht nur die konjunkturellen Entwicklungen könnten dem EuroStoxx 50 Rückenwind verleihen, auch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sorgt für Fantasie. Schließlich dürften sich die europäischen Währungshüter auch aufgrund der lahmenden Inflation mit ihrer ersten Zinserhöhung noch ein wenig Zeit lassen. Eine kräftige Aufwertung des Euro, der trotz der jüngsten Aufwertung im Vergleich zum Dollar ein nach wie vor historisch niedriges Niveau aufweist, erscheint daher unwahrscheinlich.

Auch den Diversifikationsgedanken sollten Anleger im Hinterkopf behalten, umfasst der EuroStoxx 50 doch immerhin 20 Unternehmen mehr als der heimische Leitindex Dax. Kurzum: Ein Investment in den EuroStoxx 50 ist ein Bekenntnis zu Europa – und zu erfolgreichen Unternehmen des Kontinents. Wer gezielt Chancen bei Aktien mit kleinerer Marktkapitalisierung wahrnehmen möchte, kann darüber hinaus auch den noch marktbreiten Index Stoxx 600 berücksichtigen. Und die europäische Idee auch mit seinem Portfolio leben.

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