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Zschabers Börsenblick
Für die großen Sportmarken wie Nike (hier am Fuß von Cristiano Ronaldo) sind die Fußball-Europameisterschaft Euro 2020 und die Olympischen Spiele in Tokio riesige Werbebühnen, die helfen, den Umsatz zu steigern. Quelle: dpa

Sportlich, sportlich – auch an der Börse

Nach einem Jahr ohne Sportgroßveranstaltungen trumpft 2021 mit gleich zwei Mega-Events auf: mit der Euromeisterschaft im Fußball und mit Olympia. Zwei Feste der Superlative – vielleicht auch für Börsianer?

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Die derzeit laufende Fußball-Europameisterschaft unterscheidet sich in vielen Punkten von früheren Veranstaltungen. Nicht zuletzt irritiert, dass sie Euro 2020 heißt, obwohl sie offenkundig 2021 stattfindet. Besonders ist aber diesmal vor allem, dass bis kurz vor Beginn des Turniers die Vorfreude im ansonsten fußballverrückten Deutschland – und nicht nur dort – erstaunlich gering war. Corona hat offenbar sogar seine Auswirkungen auf den Fußball.

Die erste Fußball-Lethargie hat sich allerdings mittlerweile gelegt. Zwar waren die Auftritte der deutschen Mannschaft bislang eher durchwachsen. Doch das allgemeine Interesse am Turnier hat in den vergangenen zwei Wochen enorm zugelegt. Das lässt sich an der Berichterstattung in den Medien, an der Resonanz in den sozialen Netzwerken und auch an den Gesprächen im Bekanntenkreis feststellen.

Freuen dürften sich darüber in erster Linie die Sponsoren und Ausrüster. Gerade für Letztere ist so eine EM die ganz große Bühne, zeigen doch die Kicker auf dem Rasen einem Weltpublikum, was sie in Trikots von Nike oder mit Schuhen von Puma alles mit einem Ball von Adidas anstellen können. Freuen dürfte sich die Branche aber über noch etwas anderes: Nach einem Jahr 2020, in dem es Corona-bedingt keine Sportgroßveranstaltung gab, gibt es in diesem Jahr gleich zwei davon, schließlich finden ja auch noch die Olympischen Spiele in Tokio statt.

Bei beiden Events sind die beiden größten Ausrüster, Nike und Adidas, prominent vertreten. Beim Fußball-Turnier etwa stattet Nike neun Nationalteams mit Trikots aus, Adidas immerhin acht. Dieser Vorsprung von Nike wird an der Börse noch deutlicher: Während Adidas mit einer Marktkapitalisierung von 57 Milliarden Euro bewertet wird, sind es bei Nike stattliche 211 Milliarden US-Dollar. Überhaupt zeigt der Branchenprimus derzeit am eindrucksvollsten, wie sehr die Corona-Erholung die Sportartikelbranche befeuert: Zum einen lagen die Erlöse von Nike im jüngsten Quartal mit rund 12,3 Milliarden Dollar nahezu doppelt so hoch wie im Vorjahr. Zum anderen schlug das Unternehmen damit die Erwartungen der Analysten recht deutlich. Besonders bemerkenswert: Der Nike-Aktienkurs ist bereits wieder weit über dem Niveau vor der Coronakrise.

Davon ist Adidas noch ein Stück entfernt, bis zum Hoch vom Januar 2020 fehlen der Notierung der Herzogenauracher derzeit rund fünf Prozent. Dass es bei der Aktie nicht so rund läuft wie bei Erzfeind Nike, liegt unter anderem an der lange Zeit unsicheren Entwicklung beim ewigen Adidas-Sorgenkind, der US-Tochter Reebok. In diesem Jahr soll Reebok veräußert werden und es gibt offenbar einige Bieter – das könnte der Aktien Luft verschaffen.

Fokus auf die Schwergewichte

Es gibt aber in diesem Markt nicht nur Nike und Adidas. Auch der deutsche Adidas-Rivale Puma – Börsenwert rund 15 Milliarden Euro – ist bei der Fußball-Euro und bei Olympia vertreten. Und der Puma-Aktienkurs hat wie der von Nike schon längst wieder das Vorkrisenniveau übertroffen, liegt sogar derzeit gut 20 Prozent höher als zu Beginn der Corona-bedingten Turbulenzen.

Grund dafür könnte auch der neue, alte Fokus sein: Puma war einige Jahre Spielball von Luxusgüterherstellern, die das Lifestyle-Potenzial von Puma erkannt haben wollten. Der französische Konzern Kering, der 2018 noch Mehrheitseigentümer war, hat in den letzten Jahren peu à peu seinen Anteil reduziert auf bis zuletzt nur noch knapp fünf Prozent. Der Notierung von Puma hat das offenbar gut getan.

Dass die Sportartikelbranche aber kein Selbstläufer ist, zeigt das Beispiel Under Armour. Das erst Mitte der Neunziger Jahre gegründete Unternehmen aus Baltimore bringt zwar immerhin schon neun Milliarden Dollar auf die Börsenwaage, nachdem es sich in den vergangenen Jahren in einigen Bereichen wie Football und Fitness etabliert hatte und auch als Shooting Star mit goldener Zukunft gehandelt wurde. Nachdem aber die Unterstützung von Donald Trump durch den Firmengründer für Unruhe sorgte und sich die Expansionspläne des Unternehmens als zu ambitioniert erwiesen, bekam Under Armour mehr negative als positive Schlagzeilen. In Deutschland etwa wurde zuletzt bekannt, dass die Kooperation zwischen Under Armour und dem Kult-Club FC St. Pauli scheiterte. Entsprechend ruhig ist es um Under Armour auch an der Börse geworden.

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So sind und bleiben es auch die Großen, die nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch am Aktienmarkt im Rampenlicht stehen: Langfristig orientierte Anleger sollten Nike und Adidas als Papiere im Sportbereich auf dem Schirm haben. Bekommt Adidas durch einen Verkauf endlich das Reebok-Thema in den Griff, dürfte die Aktie gegenüber Nike Nachholpotenzial haben. Puma ist allein aufgrund seiner geringeren Größe etwas für Börsianer mit einer größeren Risikoneigung. Um Under Armour sollten Anleger zum jetzigen Zeitpunkt wohl eher einen Bogen machen.
(Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.)

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