Zschabers Börsenblick: Südkorea: Technologischer Hotspot in Asien
Ok, zugegeben, die Musik ist gewöhnungsbedürftig und nicht so meine Sache, aber: BTS ist erfolgreich, weltweit. Die Boygroup tourt regelmäßig auch durch Europa und ist – das musste ich dann doch nachlesen – wohl die derzeit erfolgreichste Musikformation der südkoreanischen Popmusik, dem sogenannten K-Pop. Popomusik aus Südkorea? Ja, warum nicht.
Das Land, das uns quasi diametral am anderen Ende des eurasischen Kontinents gegenüberliegt, hat sich in den zurückliegenden Jahren zu einer Musik- und Film-Hochburg entwickelt. Mit Parasite etwa konnte Südkorea bei den Filmfestspielen in Cannes im Jahr 2019 die Goldene Palme als „Bester Film“ und im Jahr darauf bei der Oscarverleihung gleich vier Trophäen gewinnen. Schon spricht man in Anlehnung an Hollywood, Bollywood (Hindi-Filme aus Indien) und Nollywood (das nigerianische Kino) von Südkorea als Hallyuwood. Hanliu, das ist koreanisch und heißt „Welle“, die koreanische Welle, die die Welt erobert, im übertragenen Sinne.
Ordentliche Wachstumsraten
Südkoreas Wirtschaft hat sich in den zurückliegenden Jahren zu einem Industriestandort in Fernost entwickelt und gehört heute zu den erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von knapp 1,8 Billionen Dollar könnte Südkorea 2023 Platz zwölf in der Liste der weltweit größten Volkswirtschaften belegen. Zum Vergleich: Deutschland dürfte mit knapp 4,3 Billionen Dollar auf Platz vier kommen. Südkorea ist also alles andere als „klein“, auch wenn es von der Fläche her nur weniger als ein Drittel der bundesdeutschen Fläche misst.
Und was das Wachstum angeht, kann Südkorea ebenfalls überzeugen. Mit einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 1,5 Prozent im laufenden und 2,3 Prozent im kommenden Jahr wächst Südkorea schneller als viele andere Industrienationen. Und: Südkoreas Staatsschuldenquote ist extrem niedrig. Mit einer Verschuldung von 55 Prozent des Bruttoinlandsprodukts würde Südkorea locker die Kriterien von Maastricht zur Aufnahme in die Europäische Union erfüllen, nur liegt das Land eben in Asien, und nicht in Europa.
Milliardenbeträge vom Staat
Südkorea zählt mit der Volksrepublik China, Taiwan und Japan zu den wichtigsten Herstellern von Halbleitern in Fernost. Rund 15 Prozent der weltweiten Halbleiterproduktion findet in Südkorea statt. Mit Investitionen will die Regierung in Seoul den Anteil weiter steigern. In der Stadt Yongin etwa, die südlich von Seoul liegt, könnte in den kommenden Jahren der weltweit größte Produktionsstandort für Halbleiter entstehen – ein Megacluster, wie es unter Experten heißt, eine Ballung von Fabriken. So plant Samsung Electronics für die kommenden Jahre eine Investitionssumme von über 200 Milliarden Euro für den Ausbau der Produktion in Yongin. Fünf neue Fabriken sollen entstehen.
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Flankiert wird das Vorhaben vom südkoreanischen Staat, der mit steuerlichen Hilfen und staatlicher Unterstützung die Ansiedlung fördern will. Südkoreas Präsident Yoon Suk-yeo verglich in diesem Zusammenhang die weltweite Halbleiterindustrie als „wirtschaftliches Schlachtfeld“, auf der nur die Staaten Erfolg hätten, die bereit sind, massiv zu investieren. Südkorea will dies tun und plant des Weiteren Ausgaben für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz in Höhe von 18 Milliarden Euro. Mit diesen Investitionen will sich Südkorea vor allem gegenüber Taiwan und China positionieren, die ebenfalls hohe Summe in den Ausbau ihrer Wirtschaft stecken. Südkorea, so der Plan der Regierung in Seoul, soll zu einem Hotspot der Hochtechnologie in Asien, aber auch weltweit werden.
KOSPI mit erfreulicher Performance
Bei all dem wundert es, dass Südkorea von einigen Indexanbietern wie MSCI noch immer als „Schwellenland“ geführt wird. Die Verantwortlichen in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul bemühen sich seit einiger Zeit um eine „Aufstufung“ in die Gruppe der Industrienationen, wogegen mittelfristig eigentlich auch nichts sprechen sollte. Der Indexanbieter FTSE hat dies bereits vorgemacht und führt Südkorea offiziell als Industrienation.
Ziehen die anderen Indexanbieter nach, dürfte davon auch der südkoreanische Aktienmarkt profitieren. Der läuft übrigens seit einiger Zeit sehr ordentlich. Der KOSPI, der Leitindex der Börse in Seoul, hat in den zurückliegenden zwölf Monaten um rund 15 Prozent zugelegt. Interessierte Anleger können dabei auf eine ganze Reihe an ETFs zurückgreifen, die den südkoreanischen Aktienmarkt abbilden, etwa der iShares MSCI Korea ETF (ISIN IE00B5W4TY14). Der ETF spiegelt die Wertentwicklung des MSCI Korea 20/35 Index wieder. Er bietet Zugang zu großen und mittelgroßen Unternehmen aus Südkorea. Das Gewicht des größten Unternehmens im Index ist dabei auf 35 Prozent begrenzt, das Gewicht aller weiteren Unternehmen auf 20 Prozent. Der ETF wird allerdings in US-Dollar geführt, es besteht somit ein Wechselkursrisiko für deutsche Anleger.
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