Zschabers Börsenblick
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Tourismus-Investments: Eine beschwerliche Reise – auch für Anleger

Tourismusunternehmen haben es in den vergangenen beiden Jahren schwer gehabt, zu sehr war die Branche durch Corona gebeutelt. Mittlerweile mehren sich die Silberstreifen am Horizont, die mehr sind als eine Fata Morgana.

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Es ist müßig und auch nur bedingt zielführend ausmachen zu wollen, welche Branche bislang am stärksten unter Corona gelitten hat. Fakt dürfte jedenfalls sein, dass zu den größten Verlierern der vergangenen zwei Jahre die Tourismusindustrie gehört. Allein die Beschränkungen, die in einzelnen Ländern unterschiedlich ausfielen, sorgte für Unsicherheit bei der Planung der potenziellen Reisenden – und viele beschlossen auch vor diesem Hintergrund, für den Urlaub den Balkon oder die nähere Umgebung vorzuziehen. Für Reiseveranstalter und alle daran angeschlossenen Anbieter waren die Folgen verheerend, ein Beispiel aus der Kreuzfahrtbranche macht das deutlich: Im Jahr 2019 hatte die Zahl der weltweit auf Kreuzfahrtschiffen beförderten Personen laut Cruise Market Watch noch bei rund 27,5 Millionen gelegen, im Jahr darauf ging diese Zahl um fast drei Viertel zurück, auf 7,1 Millionen.

Nun ist es zwar an der Börse keine Selbstverständlichkeit, dass große Verlierer eines Tages automatisch wieder zu den großen Gewinnern gehören. Strukturelle Probleme oder politische Eingriffe etwa im Bereich der Regulatorik haben schon des Öfteren dazu geführt, dass manch ein Industriezweig in der Versenkung verschwand und nicht mehr den Weg herausfand – was sich dann auch auf die Aktienkurse der entsprechenden Anbieter auswirkte.

Bei der Tourismusbranche ist dies allerdings anders. Und gerade aus diesem Grunde können sich Anleger dieses Segment auch unter dem langfristigen Aspekt einmal genauer ansehen. So ist die Nachfrage nach Urlaub und Reisen mittlerweile wieder enorm hoch, nach knapp 30 Monaten der Entbehrungen womöglich auch verständlich. Und selbst wenn mahnende Stimmen nicht aufhören von einem Comeback der Brisanz von Covid-19 im Herbst zu warnen, scheint langsam das einzutreten, was manch ein Experte schon vor Monaten prognostiziert hat: Wir werden lernen müssen, mit dem Virus zu leben. So haben nicht wenige damit schon bei der Urlaubsplanung für dieses Jahr begonnen. Vor dem Hintergrund, dass in immer mehr Ländern umfangreiche Beschränkungen wegfallen, steigt die Reiselust kräftig, dies zeigen etwa die Buchungszahlen des Kreuzfahrtunternehmens Carnival oder des Online-Reiseanbieters Booking für die kommenden Wochen und Monate – und das trotz teilweise enormer Aufschläge auf die Preise der Prä-Corona-Zeit. Kreuzfahrtanbieter etwa melden für das laufende Jahr Buchungen auf einem Niveau, das wieder höher liegt als vor Corona.

An der Börse tun sich Tourismus-Aktien aber – auf den ersten Blick erstaunlicherweise – weiterhin schwer. Zwar haben einzelne Papiere des Sektors gegenüber ihren Tiefs wieder mitunter im dreistelligen Prozentbereich zugelegt. Doch auf der breiten Front sieht es anders aus, so hat sich etwa der STOXX 600 Travel & Leisure Index auf Jahressicht schlechter entwickelt als der STOXX 600.

Weshalb der Tourismus-Sektor dem Gesamtmarkt noch hinterherhinkt, hängt je nach Segment an unterschiedlichen Faktoren. Dass die ganz große Euphorie fern ist, liegt natürlich daran, dass Corona nicht die einzige Sorge der Menschen ist; angesichts der Ungewissheit über den Ausgang des Kriegs in der Ukraine ist nicht jedem nach Reisen zumute, zudem hat der auch mit dieser geopolitischen Eskalation zusammenhängende Galopp der Inflation eine bremsende Wirkung. Dann sind da noch die teilweise enormen Schuldenberge, die sich etwa bei den Reedereien im Zuge der Corona-Flaute aufgetürmt haben – und die jetzt Investitionen in neue Schiffe und eine damit einhergehende schnelle Erholung verhindern.

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Andere Segmente der Tourismusbranche werden wiederum schneller auf die Beine kommen, da wären etwa die Hotelbetreiber. Wer also über einen langen Atem verfügt – und diesen sollte ein Anleger beim Vermögensaufbau ohnehin immer mitbringen –, der könnte über ein breites Engagement in der Tourismusbranche nachdenken. Dieses wird sich nämlich dann lohnen, wenn die Welt tatsächlich gelernt hat, mit der Pandemie umzugehen. Eine Investition über einen ETF auf den STOXX 600 Travel & Leisure kann dann womöglich der Beginn einer wunderbaren Reise sein – auch für das Depot.

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

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