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Zschabers Börsenblick
Statistisch gesehen gehören November und Dezember zu den besseren Monaten des Börsenhalbjahres - kommt eine Jahresendrally? Quelle: imago

Warum Sie gerade jetzt Aktien kaufen sollten

In den vergangenen Wochen sah es nach allem Anderen als einem versöhnlichen Ausklang des Börsenjahres 2018 aus. Einen Endspurt der Kurse sollten Börsianer aber trotzdem nicht ausschließen.

Es ist wieder so weit. So wie die Anleger in jedem Frühling gespannt darauf schauen, ob die Kurse gemäß dem Börsianersprichwort „Sell in May“ auch wirklich fallen, stellen sie sich auch regelmäßig im Spätherbst die Frage, ob die Notierungen im Zuge der vielzitieren Jahresendrally anziehen. Das ist im November 2018 nicht anders als in den Jahren und Jahrzehnten davor. 

Tatsächlich lässt sich das Phänomen steigender Kurse in den jeweils letzten Monaten des Jahres nicht selten feststellen, statistisch gesehen gehören November und Dezember zu den besseren Monaten des Börsenhalbjahres. Ob es nun am sogenannten „Window-Dressing“, wonach der Manager manch eines Fonds noch kurz vor Jahresende sein Portfolio mit den auf Jahressicht besten Performern aufhübscht, oder an anderen Faktoren liegen mag – Fakt ist: Eine Garantie für eine Jahresendrally gibt es in keinem Jahr. Auch das ist 2018 nicht anders. 

Allerdings ist ein Endspurt der Notierungen in den letzten Wochen dieses Jahres auch nicht völlig ausgeschlossen, selbst wenn es noch vor wenigen Tagen so aussah, als würden die immer weiter fallen. Nun sind die Risiken, die derzeit herrschen, zwar tatsächlich nicht zu unterschätzen. Vor allem die schiere Summe und das breite Spektrum der möglichen Belastungsfaktoren flößen vielen Marktteilnehmern Respekt ein. Da ist etwa die Hängepartie im Streit der EU mit Italien um dessen Haushalt. Zudem wirkt Europa geradezu gelähmt von den schleppenden Brexit-Verhandlungen mit der Regierung in London. Und über allem hängt noch das Damoklesschwert des nach wie vor bestehenden Handelsstreits zwischen den USA und China.

Doch – und das entbehrt nicht einer gewissen Ironie – ausgerechnet der streitbare US-Präsident Donald Trump könnte mitverantwortlich dafür sein, dass die Jahresendrally noch eintritt. Denn die Auswirkungen unter anderem seiner Steuerpolitik sorgen immer noch für Rückenwind im Hier und Jetzt. Das ist das Entscheidende. So haben alle eben umrissenen Risiken von Italien bis zum Handelskrieg zwar erhebliches Belastungspotenzial, aber würden sich eben erst zu einem späteren Zeitpunkt negativ auswirken. Darüber hinaus ist bei keinem dieser potenziellen Brandherde sicher, wann und ob er überhaupt vollends entfacht.

Im aktuellen Wirtschaftszyklus sehen wir dagegen überwiegend positive Signale: Vor dem Hintergrund des hohen, von guten Unternehmensergebnissen geprägten Wachstums im Zusammenspiel mit den nach wie vor vergleichsweise niedrigen Zinsen lässt sich zumindest in den Vereinigten Staaten mit Fug und Recht von einem Boom sprechen. Und auch in anderen Volkswirtschaften sorgt unter anderem ein überzeugender Konsum für eine robuste Konjunktur. 

Status schlägt Stimmung

Überhaupt kommt man schnell zu dem Schluss, dass die aktuelle Lage deutlich besser ist als die Stimmung der Anleger. Das wird zum einen dadurch bewiesen, dass die per se schlechten Erwartungen der Analysten zuletzt regelmäßig übertroffen wurden. Und selbst wenn einige globale Daten nahelegen, dass sich die Weltkonjunktur auf oder schon hinter ihrem Scheitelpunkt befindet, deuten doch die gesamtwirtschaftlichen Faktoren darauf hin, dass sich die Weltkonjunktur auf robustem Niveau bewegt. Darüber hinaus ist schwer zu ignorieren, dass die geldpolitischen Multiplikatoren des vergangenen Jahrzehnts rund um den Globus eine Liquiditätsschwemme produziert haben, die den weltweiten Kreditzyklus noch für längere Zeit bestimmen kann. Allein schon deswegen und angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase ist immer noch viel Geld im Markt, und das will irgendwo investiert sein. Vor dem Hintergrund zuletzt zurückgegangener Bewertungen und niedriger KGVs liegt der Aktienmarkt als Anlageziel relativ nahe. 

Wie eingangs gesagt: Eine Garantie für die Jahresendrally 2018 gibt es nicht. Nichtsdestotrotz ist festzuhalten, dass die Riege der Dax- und MDax-Unternehmen in diesem Jahr trotz hervorragender globaler Geschäftsmodelle praktisch unberechtigterweise unter die Räder gekommen ist. Sei es der Maschinen- und Anlagebauer Dürr, der Intralogistiker Jungheinrich, der Chemiekonzern Brenntag oder aber der Geschmacksstoffhersteller Symrise – all diese Unternehmen weisen eine enorme Substanz auf. Und gerade deshalb müssen die kommenden Wochen nicht zwangsläufig zum Eldorado für Schwarzseher werden. Wer langfristig rechnet und etwas Risikobereitschaft mitbringt, sollte jetzt darüber nachdenken, die kommenden Wochen via ETF auf den Dax oder den MDax zu setzen. Denn Chancen, die Weltmarktführer praktisch zum „Fair value“ zu erhalten, sind sehr selten – aber derzeit vorhanden.

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