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Zschabers Börsenblick
Die Börse am Tag nach der Bundestagswahl 2017 Quelle: dpa

Was die Bundestagswahl 2021 für Anleger bedeutet

Politische Entscheidungen haben oftmals Auswirkungen auf den Kapitalmarkt. Wie sollten sich Anleger vor dem Hintergrund der bevorstehenden Wahl positionieren?

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Viel wird dieser Tage darüber spekuliert, wer heute in drei Wochen in Katerstimmung sein wird: entweder weil er am Vortag die Bundestagswahl für sich entschieden und entsprechend gefeiert hat – oder weil er krachend verloren und sich mit einem Glas Wein zu viel darüber hinweggetröstet hat. Auch an der Börse ist der Wahlausgang naturgemäß ein Thema. Und wie immer bei Börsianern meist schon vorab: Was, wenn Kandidat A von Partei X ans Ruder kommt? Was, wenn Kandidatin B von Partei Y das Rennen macht? Ist das eine oder das andere eher Treibstoff für die Börse? Oder zwingt es den Aktienmarkt in die Knie?

Verschiedene Aspekte machen die Wahl diesmal so spannend wie selten eine zuvor. Aber ist das allein ein Grund zu glauben, der Wahlausgang hätte überdurchschnittliche Auswirkungen auf die Börse? Reflexartig ist man versucht den Finger erheben und brav die Börsenweisheit aufsagen, wonach politische Börsen kurze Beine hätten. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Grundsätzlich ist Politik natürlich nicht der alles entscheidende Faktor für die Kapitalmärkte. Das hat sich nicht zuletzt in den USA gezeigt: Während der vier Jahre Präsidentschaft von Donald Trump, also von Januar 2017 bis Januar 2021, ging es für den breit gefassten S&P 500 um rund 68 Prozent nach oben. Das ist zwar insofern kein Wunder, als Trump wohl als der US-Präsident in die Geschichte eingehen wird, der am unverhohlensten damit umgegangen ist, wie wichtig ihm bei seinen Entscheidungen die Entwicklung am Aktienmarkt ist. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass ausgerechnet in der ersten Amtszeit seines Vorgängers Barrack Obama der Index noch weiter nach oben kletterte, nämlich um 75 Prozent – und das obwohl der Demokrat Obama von der Wall Street anfangs eher kritisch gesehen wurde.

Nun darf natürlich nicht verschwiegen werden, dass in Trumps Ära der Ausbruch der Corona-Pandemie fiel – und man kann Trump sicherlich für einiges verantwortlich machen, aber wohl nicht für Covid 19. Gerade dieses Beispiel zeigt allerdings auch, wie begrenzt im Fall sogenannter Schwarzer Schwäne der Einfluss auf die Börsenentwicklung ist. (Und ganz nebenbei zeigt es auch, dass Protektionismus nicht vor aggressiven Viren schützt.)

Auf der anderen Seite können politische Personalien aber durchaus Einfluss nehmen auf Börsennotierungen. In Deutschland denke man da beispielsweise an den März 1999 zurück: Als seinerzeit die Runde macht, dass Oskar Lafontaine, damals noch SPD-Mann, von seinem Amt als Bundesfinanzminister zurücktritt, schießt der Dax quasi aus dem Stand um rund sieben Prozent in die Höhe. Allerdings darf diese Anekdote auch getrost den Singularitäten der deutschen Börsengeschichte zugeordnet werden.

Doch selbst wenn politische Börsen tatsächlich eine überschaubare Halbwertzeit haben, wenn jede Bemerkung des Fed-Chefs weltweit mehr Aufmerksamkeit findet als die Wahl des deutschen Bundestages und wenn sich das wahre politische Vermächtnis eines Amtsträgers oder einer Amtsträgerin ohnehin meist erst nach seiner oder ihrer Amtszeit zeigt – eines scheint klar: Politische Trends wie der hin zu mehr Klimaschutz werden nicht aufzuhalten sein. Eben weil sie auch gesellschaftliche Trends sind. Selbst wenn den Grünen in Deutschland eine Regierungsbeteiligung verwehrt bleiben sollte – was sich vor dem Hintergrund aktueller Umfragen derzeit seriös weder garantieren noch ausschließen lässt –, wird das Thema Klimawandel auch angesichts des Drucks der Gesellschaft oben auf der Agenda bleiben.

Das wird sich in der Wirtschaft niederschlagen und daher auch im Kapitalmarkt. Ein Engagement in Umwelttechnologien beispielsweise über einen ETF dürfte für Anleger eine gute Wahl bleiben. Oder Investitionen in Zukunftstrends wie Autonomes Fahren oder Künstliche Intelligenz. Und angesichts der Tatsache, dass doch einiges für eine bislang nicht dagewesene Konstellation spricht, können optimistische Anleger sogar auf weitere neue Impulse hoffen.



Klar ist unabhängig vom Ausgang der Bundestagswahl, dass Aktien auch in Zukunft eines der wichtigsten Instrumente zum privaten Vermögensaufbau bleiben sollten – und derjenige, der sich schon länger mit dem Thema befasst, weiß, dass die lange Sicht zählt – und nicht das, was an einem einzelnen Tag im September 2021 geschieht.

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

Mehr zum Thema: Insider kritisieren ökologische und ethische Geldanlage als Mogelpackung. Das liegt an schwammigen Regeln und am Mangel an passenden Investments. Warum etliche Klimafonds als nachhaltig aufgeblasen gelten müssen.

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