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Zschabers BörsenblickWas für ein Engagement in Industriemetalle spricht

Kupfer, Nickel und Co haben in den letzten Monaten für Aufmerksamkeit an der Börse gesorgt. Manch ein Experte rechnet mit einem Ende der Rally. Warum langfristig orientierte Anleger dennoch einen Blick riskieren können.Markus Zschaber 24.01.2022 - 12:58 Uhr

Nickel war gemeinsam mit Kupfer ein Faktor an der Börse.

Foto: REUTERS

So sehr man auch Börsianern eine gewisse Datenversessenheit nachsagt, so sehr fällt ihr Hang zur Kreation blumiger Bezeichnungen auf. Da sprechen Connaisseurs beispielsweise von Gold gerne als Metall der Könige oder von Silber als seinen kleinen Bruder. Für Kupfer hat die Kreativität allerdings nicht mehr gereicht, spannende Synonyme sind nicht überliefert. Das mag daran liegen, dass Kupfer anders als Gold und Silber kein Edel-, sondern ein Industriemetall ist. Würde man bei familiären Beziehungen bleiben wollen, müsste man es also am ehesten als den Malocher-Cousin bezeichnen – oder als billigen Vetter: Während man gemessen an den jeweiligen aktuellen Marktpreisen für ein Kilogramm Gold ein Auto der gehobenen Mittelklasse erwerben kann, bekommt man für ein Kilo Kupfer noch nicht einmal ein gutes Buch.

Was Kupfer aber vor allem für Wirtschaftsexperten so wertvoll macht, ist gerade seine Aussagekraft als Industriemetall. Zwar finden auch Gold und Silber in der Produktion zahlreicher Güter Verwendung. Doch auf den Kupferpreis wirkt nicht wie bei Gold und Silber der mitunter schon fast religiöse Glaube von Edelmetallfanatikern ein. Kurzum: Kupfer taugt besser als Indikator für den Zustand der Wirtschaft – und teilweise auch für deren nähere Zukunft.

Was Kupfer gerade auch für Börsianer speziell in den vergangenen zwei Jahren interessant gemacht hat, ist seine Kursentwicklung. In diesem Zeitraum verdoppelte das Metall seinen Wert, zudem erreichte es im Zuge dessen im vergangenen Sommer sogar ein neues Rekordhoch. Die zeitweise besonders dynamische Entwicklung zeugte von dem Nachholtempo, das die Wirtschaft nach dem ersten Corona-Schock an den Tag legte. Die Nachfrageseite sorgte also bereits dafür, dass die Entwicklung des Metallpreises ins Positive tendierte – und hinzu kam dann noch die Angebotsseite. So war Covid-19 ursächlich für eine künstliche Verknappung; pandemiebedingte Maßnahmen in Ländern, in denen Metalle wie Kupfer gefördert werden, sorgten für eine Drosselung der Produktion und somit für ein geringeres Angebot. Ähnliches wie für Kupfer gilt auch für das Gros der anderen Industriemetalle, wie die Performance des LME-Industriemetall-Index offenbart. Dieser markierte im Oktober ein bisheriges Allzeithoch. Zuletzt verzeichneten vor allem Aluminium und Nickel kräftige Kurszuwächse.

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Einige Experten erwarten nach der starken Performance der beiden vergangenen Jahre jetzt jedoch erst einmal eine Beruhigung in diesem Sektor. Ob die Kurse nun aber tatsächlich zur Schwäche neigen werden, ist keineswegs gewiss – wird die Preisfindung doch gerade bei Industriemetallen von zahlreichen Parametern bestimmt wird. Wie sich die Preise künftig entwickeln werden, ist vor allem in der aktuell weiterhin recht unsicheren Lage schwer zu prognostizieren, zumal Industriemetalle ohnehin vergleichsweise hohen Schwankungen unterliegen. Fakt ist: Die Lagerbestände einiger Industriemetalle weisen an der LME einen niedrigen Lagerbestand auf. Und: Dass derzeit der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine an Brisanz zunimmt – Russland ist einer der weltweit größten Produzenten etwa von Nickel –, dürfte nicht für eine Reduzierung der Nervosität sorgen.

(Lesen Sie hier, warum ausgerechnet verpönte Branchen wie Atomkraft, Öl, Waffen oder Tabak Anlegern enorme Kurschancen – sofern sie die richtigen unmoralischen Superaktien kaufen.)

Generell ist im Segment der Industriemetalle gerade für Außenstehende das aktuelle Verhältnis zwischen Angebotslage auf der einen und Nachfragesituation auf der anderen Seite nicht immer auf den ersten Blick zu erfassen. Grundsätzlich wirken sich der Faktor Inflation und die Beendigung der lockeren Geldpolitik der Fed eher negativ auf die Nachfrage und entsprechend auf die Notierungen aus. Allerdings sorgt ebenfalls die Inflation, im Speziellen das allgemein hohe Niveau der Energiekosten, dafür, dass die Produktion manch eines Industriemetalls doch reduziert wird – und sich dieses Metall entsprechend verteuert.

An und für sich gibt es gleich einige mehr oder minder aktuelle gute Argumente für Industriemetallinvestments. Eines davon hat – wie sollte es derzeit auch anders sein – mit der Corona-Lage zu tun: Sollte sich die Situation wie inzwischen von einigen Experten erwartet in den kommenden Monaten tatsächlich entspannen, dürfte die hohe wirtschaftliche Dynamik beibehalten werden und damit einhergehend die Nachfrage nach Metallen weiter zulegen – selbst wenn schon einiges von dieser Erwartung in den Preisen enthalten ist, spricht das gegen eine umfassende Korrektur.

Für ein Investment, das einen langen zeitlichen Horizont hat und das bereits über die Bewältigung der Coronakrise hinausdenkt, gibt es ebenfalls plausible Gründe. Zum einen sind in jüngster Vergangenheit rund um den Globus gigantische Infrastrukturprogramme aufgelegt wurden, deren Umsetzung über Jahre hinweg viele Rohstoffe wie Industriemetalle benötigen wird. Zum anderen resultiert aus dem ebenfalls eher langfristigen Kampf gegen den Klimawandel eine möglicherweise entscheidende Sonderkonjunktur: Die Nachhaltigkeitsziele vieler Nationen können als Katalysator der Entwicklung wirken – Kupfer und weitere Industriemetalle werden bei wesentlichen Bauteilen eingesetzt, die in der Elektromobilität zum Einsatz kommen, etwa E-Autos oder Ladestationen.

Da einzelne Industriemetalle gerade für jemanden, der nicht tagtäglich mit der Industrieproduktion und dem Einsatz dieser Metalle zu tun hat, schwierig zu bewerten sind, sind Einzelinvestments in diesem Bereich nicht zwingend zu empfehlen. Dafür bietet sich all denen, die das große Potenzial eines für die Wirtschaft so essenziellen Segments an der Börse ausnutzen wollen, ein ETF auf einen breit gestreuten Industriemetalle-Index an. Die Edelmetalle überlässt man dann eben den Connaisseurs.

Mehr zum Thema: Hohe Zinsen sind schlecht für den Goldpreis – so zumindest die landläufige Meinung. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber, dass es auch ganz anders kommen kann. Warum Anleger Gold nicht abschreiben sollten.

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