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Zschabers Börsenblick

Zwei Zylinder mehr für den US-Börsenmotor

Über Präsident Trumps bisherige Vorstellung auf dem politischen Parkett mag man streiten. Die Performance an der Börse ist zumindest bemerkenswert – und muss noch lange kein Ende haben.

Katalysatoren für die Aktienmärkte in den USA: US-Präsident Donald Trump und der künftige US-Notenbankchef Jerome Powell. Quelle: AP

Ein Jahr ist mittlerweile seit der Ernennung von Donald Trump zum US-Präsidenten vergangen. „Ernüchternd“ ist noch die charmanteste Beurteilung, die ihm seine Kritiker ins Zwischenzeugnis seiner bisherigen Amtszeit schreiben würden. Von seinen Wahlversprechen, sowohl den ernstzunehmenden als auch den kruden, habe der Republikaner bislang nicht viele umgesetzt. Dennoch erfreut sich seit Monaten nicht nur der Twitter-Account Trumps großen Interesses, auch nach US-Aktien ist die Nachfrage groß: Die Indizes Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq marschieren im Gleichschritt von Hoch zu Hoch.

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Was den Börsenbarometern an der Wall Street weiterhin Rückenwind verschafft, neben der aktuellen Notenbankpolitik und der generellen guten Konjunkturlage, lässt sich tatsächlich auch auf Trump zurückführen. Allerdings sind für die gute Laune der Börsianer ironischerweise bislang weniger die Dinge verantwortlich, die der Präsident gern umgesetzt hätte, als vielmehr das, was Trump eben nicht unternommen hat: etwa Regulierungsmaßnahmen ergreifen oder das umstrittene Fracking einschränken. Was uns das lehrt? Die Erkenntnis, dass an der Börse die Zukunft gehandelt wird, ist eben nicht nur darauf zu reduzieren, was eintreten kann, sondern auch um das zu erweitern, was nicht eintreten kann. Unternehmen und Anleger sehen halt: Wenn an Trump bei all seiner politischen Unberechenbarkeit eines sicher ist, dann sein Festhalten an der „America-First“-Direktive – und Börsianer lieben bekanntlich Sicherheit. Das macht den Höhenflug der US-Aktien auch so stabil.

Streitobjekt Steuerreform

Nun ist es auch nicht so, dass Trump politisch gänzlich untätig wäre. Eines seiner zentralen Wahlversprechen, die Steuerreform, nimmt immerhin langsam, aber sicher Konturen an. Dass dort Handlungsbedarf besteht, liegt auf der Hand, weist das Steuersystem in den USA doch einige Schwächen auf. So sind etwa die dortigen Steuern für Unternehmen im internationalen Vergleich enorm hoch. Zudem ist die derzeitige Steuererklärung komplex, für Privatleute stellt ihre Bewältigung schlichtweg eine Zumutung dar. Trump will mit seiner Reform in diesen Punkten Abhilfe schaffen, er strebt dazu unter anderem eine Reduzierung der Zahl der verschiedenen Steuersätze an.

Ein Selbstläufer wird das allerdings nicht, der Gegenwind ist gewaltig. Die aus den Reformen resultierende Erweiterung des Haushaltsdefizits um 1,5 Billionen Dollar sei zu hoch, so der Tenor der Kritiker. Unterstützung findet Trump zudem selbst bei solchen nicht, die von Steuersenkungen profitieren würden: Eine öffentlichkeitswirksame Initiative von Reichen hat sich jüngst dagegen ausgesprochen – die Senkungen würden die Ungleichheit im Land erhöhen.

Unwägbarkeiten gibt es also zur Genüge. Dennoch: Sollte die Steuerreform tatsächlich in Kraft treten, könnte sie die ohnehin schon robusten US-Indizes zusätzlich beflügeln.

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