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Zu wenig Liquidität US-Börse fürchtet steigende Zinsen

Die Börsen erwarten steigende Zinsen in den USA. Das drückt auf Aktien und treibt den Dollar. Die schrumpfenden Devisenreserven einiger Zentralbanken könnten die globale Konjunktur abwürgen.

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US-Börsen haben Angst vor Zinserhöhung Quelle: dpa Picture-Alliance

Der Patient Niedrigzins, wie ihn die US-Zentralbank Fed kürzlich nannte, ist kurz davor, das Krankenhaus zu verlassen: Auf ihrer letzten Sitzung am 17. und 18. März deutete Fed-Chefin Janet Yellen erneut ein Ende des Niedrigzinses an. Bei der Sitzung am 16. und 17. Juni könnte dann der Ziel-Zinssatz für Tagesgeld von dem seit den Krisentagen im Dezember 2008 unveränderten Niveau bei nahezu null erstmals wieder nach oben geschraubt werden.

Diese Schlussfolgerung zogen die Märkte nach der Veröffentlichung des letzten US-Arbeitsmarktberichts. US-Aktien verloren an Wert, gleichzeitig kletterten die Renditen für US-Staatsanleihen auf ein Jahreshoch, und der Dollar notierte auf einem in den letzten elf Jahren nie gesehenen Niveau – und all das hatte allein die Aussicht auf einen geringfügigen Anstieg der US-Leitzinsen bewirkt.

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Allerdings würde die US-Zentralbank mit diesem Kurs gegen den Strom im Ausland schwimmen, wo Zinssenkungen und geldpolitische Lockerungen dominieren. Die Europäische Zentralbank will bekanntlich monatlich für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen der Euro-Zone kaufen – selbst wenn sie damit negativen Zinsen Vorschub leistet. Zu den letzten Wechselkursen des Euro entspricht dies einer Summe von 65 Milliarden Dollar. Aber das ist ein beweglicher Wert – angesichts der starken Abwertung des Euro auf mittlerweile unter 1,08 Dollar. Der Euro ist offenbar auf dem besten Weg zur Dollar-Parität.

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Die Unternehmen freuen sich

In anderen Teilen der Welt, in denen man nach wie vor Zinssätze oberhalb von null findet, hat kürzlich die People’s Bank of China als letzte von rund 20 Zentralbanken für das laufende Jahr Zinssenkungen angekündigt. Die Ankündigung erfolgte, nachdem die Regierung in Peking das Wachstumsziel auf „rund sieben Prozent“ zurückgeschraubt hatte; das niedrigste Ziel seit zwei Jahrzehnten.

Der Wert von Staatsanleihen mit Renditen unter null beläuft sich weltweit inzwischen auf rund zwei Billionen Dollar. Die Anleger schaufeln daher Geld in Unternehmensanleihen, die, wenn nicht viel, so doch irgendeine Rendite bringen. Die Unternehmen freuen sich, sie emittierten binnen einer Woche Wertpapiere für über 50 Milliarden Dollar. Allein der Pharmakonzern Actavis legte Anleihen im Wert von 21 Milliarden Dollar auf. Das Geld soll in die Übernahme von Botox-Hersteller Allergan fließen. Somit scheint zumindest ein Teil der von den Zentralbanken lockergemachten Liquidität über die Märkte für Unternehmensanleihen in Aktien zu fließen.

Liquiditätsverknappung

Der US-Arbeitsmarktbericht für Februar überraschte positiv mit 60.000 mehr neuen Jobs als erwartet. Die Arbeitslosenquote rutschte von 5,7 Prozent auf 5,5 Prozent im Februar. Das genügte, um die Märkte zu überzeugen, die Fed werde ihren Zinsschritt im Juni nun durchziehen.

Die Terminmärkte erwarten eine Zinsanhebung auf 0,25 bis 0,5 Prozent mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit. Einen Tag vor den Arbeitslosenzahlen lag der Wert noch bei 48 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts bis September liegt bei 82 Prozent, die Wahrscheinlichkeit einer heftigen Anhebung um 0,5 Prozentpunkte bei 22 Prozent.

Aber während die Märkte nur auf die Fed und die Europäische Zentralbank blickten, übersahen sie laut Albert Edwards, dem pessimistischen Strategen der Société Générale, eine Form der Liquiditätsverknappung, die laut Edwards „die globale Konjunktur abwürgt“: die schrumpfenden Devisenreserven der Zentralbanken. Edwards zufolge ist die Anhäufung von Devisenreserven eine übliche Form von lockerer Geldpolitik. Eine Zentralbank erwirbt Vermögenswerte und schafft so letztlich Geld – egal, ob sie inländische Staatsanleihen oder ausländische Devisen kauft.

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Anzeichen für einen Rückgang der Liquidität

Zentralbanken, speziell die chinesische, haben so massiv interveniert, um eine Aufwertung ihrer eigenen Währungen zu bremsen, die ihrer Wettbewerbskraft im Export geschadet hätte. Diese Politik führt zu höherer Liquidität im Inland und kann somit Kreditblasen schaffen.

In China ist der an einem Währungskorb gemessene Wechselkurs des Renminbi trotz eines leichten Rückgangs gegenüber dem Dollar gestiegen, denn der Renminbi hat gegenüber dem Euro und dem Yen zugelegt. Nun, da der Dollar ohnehin stark steigt, muss die chinesische Zentralbank, nicht mehr US-Papiere gegen frisch gedruckte eigene Währung kaufen. Sie dürfte die Anhäufung von US-Papieren stoppen – die chinesischen Devisenreserven sind zuletzt kräftig gesunken. Andere Zentralbanken könnten, sobald ihre Währungen massiv unter Druck kommen, sogar zu Nettoverkäufern von Dollar-Vermögenswerten werden. All dies sind Anzeichen für einen zunehmenden Rückgang der Liquidität, dem Hauptfaktor für den Anstieg der Märkte. Kein gutes Zeichen für die Börsen.

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