Zweifelhafte Kurspflege Lieber Dividenden als Aktienrückkäufe

Aktionäre wollen an den Gewinnen der Unternehmen angemessen beteiligt werden. Konzerne, die dafür eigene Aktien aufkaufen, manipulieren aber vor allem ihren Kurs nach oben. Anlegern hilft das selten.

Börse in Frankfurt am Main Quelle: dpa

Grundsätzlich mag ich es nicht, wenn Unternehmen ihre eigenen Aktien zurückkaufen. Rückkäufe sind ein Auswuchs der ungesunden Geldschwemme. Konzerne wissen nicht, wohin mit dem Geld, Investitionen fallen ihnen keine ein – kann passieren. Statt Geld mit Zukäufen zu verballern oder, wie die Banken, als Boni an Führungskräfte zu verteilen, soll es den Aktionären zugute kommen. Auch das ist in Ordnung. Aber warum überweisen die Konzerne den Aktionären das Geld nicht einfach zurück, ganz klassisch, als Dividende?

Immer Ärger mit Icahn
Von der Pike auf InvestorCarl Icahn ist einer der gefürchtetsten Aktionäre der Welt. Ihm eilt der Ruf des Unternehmensplünderers voraus, im angelsächsischen als „Corporate Raider“ bezeichnet. Der heute 78-Jährige wurde 1936 im New Yorker Stadtteil Queens geboren und studierte Philosophie und Medizin. Nach Abbruch des Medizin-Studiums und seinen anschließenden Lehrjahren bei einem Börsenhändler gründete er im Alter von 32 Jahren seine eigene Investmentfirma. Zunächst konzentrierte er sich auf Arbitrage- und Optionshandel, erst später verlegte er sich auf Aktien. Quelle: REUTERS
Einer der Reichsten weltweitHeute ist Icahn Vorsitzender der Icahn Enterprises, einer Holding mit den Geschäftsbereichen Vermögensverwaltung, Immobilien, Metallförderung und Konsumgüter. Seine bekanntesten Beteiligungen hält Icahn an den Unternehmen Apple, Yahoo, Time Warner, Ebay und Dell. Im Ranking der reichsten Menschen weltweit, das der Wirtschaftsdienst Bloomberg veröffentlicht, belegt er Rang 32. Sein Privatvermögen wird auf 20 Milliarden Dollar geschätzt, sein Hedgefonds verwaltet 30 Milliarden Dollar. Oliver Stone soll Icahn als Vorbild für die Filmfigur Gordon Gekko in „Wall Street“ gedient haben. Quelle: dapd
Schrecken der ManagerIcahn ist für seine vehemente Einmischung in die Belange der Unternehmen bekannt, in die er investiert hat. Gern kauft er zig Millionen der Aktien, um seinen Einfluss auf das Management zu erhöhen. Mit seinen öffentlichen Äußerungen und regelrechten Kampagnen setzt er immer wieder selbst riesige Konzerne unter Druck. Auch dem lange Zeit teuersten Unternehmen der Welt ging das so. Quelle: dpa
Apple – Ausschüttung erzwungenBeim Technologieriesen Apple gelang es Icahn mit seinem hohen Aktienanteil, das Management monatelang unter Druck zu setzen. Öffentlich forderte er immer wieder, Apple solle nicht auf weit mehr als 100 Milliarden Dollar sitzen, sondern das Geld den Aktionären zugute kommen lassen. Er machte solange Stimmung, bis Apple-Chef Tim Cook schließlich klein beigab und eins der Grundprinzipien seines Vorgängers Steve Jobs aufgab. Er begann mit den Ausschüttungen an die Aktionäre und legte ein Aktienrückkaufprogramm auf. Dafür macht Apple aus seinen immensen Barreserven stolze 100 Milliarden Dollar locker. Jüngst stockte er seine Anteile an Apple weiter auf und ist nach jüngstem Stand mit insgesamt 4,4 Milliarden Dollar in das Unternehmen investiert. Quelle: dpa
Yahoo und Microsoft mit PrämieIm Jahr 2008 zeigte Icahn Interesse an Yahoo. Da die Yahoo-Aktie immer weiter fiel, befürwortete er das Übernahmeangebot von Microsoft mit einem fast 72-prozentigen Aufschlag auf den damaligen Kurs. Die Übernahme platzte, weil das Yahoo-Management einen noch höheren Preis durchsetzen wollte. Nach dem Scheitern der Übernahme wollte Icahn Yahoo-Gründer und -Chef Jerry Yang loswerden. Er schrieb an den Aufsichtsrat, er werde mit seinen Stimmanteilen auf der Hauptversammlung den Aufsichtsrat komplett neu besetzen. Eine Liste mit zehn neuen Kandidaten für den Aufsichtsrat schickte er gleich mit. So hoffte er, die Verhandlungen mit Microsoft neu beleben zu können. Sein Plan ging aber nicht auf. Quelle: dpa
Dell-Rückkauf behindert, aber nicht verhindertMit Computerhersteller Dell führte Icahn nach eigenen Worten einen regelrechten Krieg. Er versuchte, den Rückkauf des Unternehmens durch Gründer Michael Dell und einen Finanzinvestor zu verhindern. Der Kaufpreis erschien ihm zu gering. Stattdessen forderte er eine Sonderdividende. Er schrieb an alle Aktionäre und zog sogar vor Gericht. Nachdem er vor Gericht abgewiesen wurde, gab er seinen Widerstand gegen den Rückkauf auf, machte aber dennoch weiter Stimmung gegen die Entscheidung in der Öffentlichkeit. Wegen seines Widerstands wurde die Abstimmung der Aktionäre über den Rückkauf mehrfach verschoben. Im Oktober 2013 gelang die Abstimmung schließlich zugunsten von Michael Dell. Quelle: dapd
Ebay ohne PayPalZum Jahresbeginn knöpfte sich der nimmermüde Investor Ebay vor. Sein Ziel: PayPal vom Mutterkonzern Ebay abspalten. Der Online-Bezahldienst ist der größte Gewinnbringer des Auktionsplattform-Betreibers. Durch den Verkauf von PayPal wollte Icahn den Wert seines Aktienanteils von zwei Prozent an dem Milliardenkonzern nochmals deutlich steigern, weil beide Unternehmensteile getrennt wertvoller seien. Außerdem sei der Verwaltungsrat nicht unabhängig genug. Das Ebay-Management hielt den PayPal-Verkauf jedoch für keine gute Idee. Erst im April zog Icahn seine Forderung zurück – nach er einen unabhängigen Kandidaten in den Verwaltungsrat durchsetzen konnte und der Ebay-Kurs deutlich gestiegen war. Quelle: REUTERS

Stattdessen kaufen sie eigene Aktien und stampfen sie ein. Der auf jede Aktie entfallende anteilige Gewinn steigt (verdient das Unternehmen eine Million Euro und hat es zehn Millionen Aktien, beträgt der Gewinn je Aktie 10 Cent; bei acht Millionen Aktien sind es 12,5 Cent). Das macht sich gut. Vor allem aber treibt die Nachfrage den Kurs, bösartig formuliert: Der Vorstand manipuliert seinen Kurs nach oben. Besonders US-Manager lieben das – erst recht, wenn ihr Verdienst an den Kurs gekoppelt ist. Aus ihrer Sicht haben Aktienrückkäufe zudem den Vorteil, dass sie ohne Gesichtsverlust beendet werden können.

Auswüchse beim Horten von Cash

Solange das Programm läuft, ist das für Aktionäre erfreulich. Oft geben Unternehmen an, zu welchem Kurs sie kaufen. Dass die Aktie unter diesen fällt, ist unwahrscheinlich. Kritisch wird es, wenn das Geld aufgebraucht ist und der manipulierte Kurs wieder absackt. Billiges Geld und der Drang zum Steuernsparen führen zu weiteren Auswüchsen. US-Konzerne leihen sich für ein Prozent Geld, obwohl sie selbst in Geld schwimmen. An ihr im Ausland gebunkertes Geld wollen sie nicht ran, denn wenn sie es in den USA einsetzen, müsste es versteuert werden. Also kaufen sie eigene Aktien mit geliehenem Geld zurück und treiben so den Kurs. Apple, die netto 153 Milliarden Dollar Cash auf der Bank haben, machen das so, seit Investor Carl Icahn dies verlangt.

Deutsche Unternehmen schrecken vor diesem Spiel eher zurück. Nach einer aktuellen Studie des Vermögensverwalters Flossbach von Storch (FvS Research) haben sich zwar 66 der 80 Dax- und MDax-Konzerne Rückkäufe genehmigen lassen. Von der Möglichkeit machen sie aber kaum Gebrauch. Seit 2005 wurden 85 Prozent des von deutschen Unternehmen ausgeschütteten Kapitals (333 Milliarden Euro) als Dividende verteilt, nur 15 Prozent kamen indirekt, in Form von Aktienrückkäufen, bei Aktionären an. Das ist auch besser so, denn beim Timing ihrer Rückkäufe bewiesen Unternehmen wenig Geschick: Nur bei 24 Prozent der zurückgekauften Aktien stiegen nach Rückkäufen die Kurse, bei 76 Prozent fiel der Kurs. Warum das so ist? Wenn Konzerne viel Geld übrig haben, so wie jetzt, sind auch die Kurse oben, die Unternehmen kaufen also ihre Aktien zu teuer ein.

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Schaut man nicht auf das zurückgekaufte Volumen, sondern auf die Unternehmen, sind die Zahlen besser: Bei 15 von 35 Unternehmen stiegen die Kurse nach dem Rückkauf. Erfolgreich waren die Familienunternehmen Gerry Weber und Krones, die zum Börsentief 2009 Rückkaufprogramme starteten. Falls die wieder loslegen, können Anleger mitziehen. Vorsicht ist angesagt, wenn Unternehmen auf dem Kurs-Top zurückkaufen – und bei Großkonzernen: Daimler kaufte 2007/08 massiv Aktien zurück. In der Finanzkrise fehlte das Kapital dann. Daimler musste neue Aktien ausgeben, und das zu viel niedrigeren Kursen.

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