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Zweite Börsenliga Warum Anleger den MDax nicht unterschätzen sollten

Während der Dax von Rekord zu Rekord springt, findet die Rally in der zweiten Börsenliga im Hintergrund statt. Der MDax gilt als "unterschätzte Erfolgsstory". Welche der Papiere einen Blick wert sind.

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Alles zum starken Mid-Cap Akteinindex Quelle: dpa Picture-Alliance

Stellen Sie sich vor, es ist Börsenrekord, und keiner merkt's. So ähnlich geht es dem MDax, der zweiten deutschen Börsenliga. Während die Nachrichtenticker fast täglich voll sind mit immer neuen Dax-Rekorden, klettert der kleine Bruder im Hintergrund von einem Erfolg zum nächsten. Ende Februar übersprang der Index erstmals die 20.000-Punkte-Marke, mittlerweile rangiert der sogenannte Mid-Cap-Dax bereits bei fast 20.700 Punkten.

Allein seit Jahresbeginn hat der Index gut 19 Prozent zugelegt, also leicht mehr als der große Bruder Dax. Verglichen über einen längeren Zeitraum ist der Unterschied zwischen beiden Indizes noch frappierender. Im Laufe der vergangenen drei Jahre weist der MDax ein Plus von rund 95 Prozent aus, beim Dax sind es "nur" etwas mehr als 70 Prozent.

Top 5 Dividendenzahler: MDAX

Eine "langfristig oft unterschätzte Erfolgsstory" sei der MDax, sind sich die Analysten der französischen Großbank BNP Paribas sicher. Anleger machen also möglicherweise einen großen Fehler, wenn sie ihre Aufmerksamkeit immer nur auf die Konzerne in der ersten Reihe richten. Gerade die mittelgroßen deutschen Unternehmen - im MDax notieren die 50 umsatz- und gewinnstärksten Konzerne, die den 30 Dax-Konzernen folgen - überzeugen oft mit solider und flexibler Ausrichtung. Obwohl die Liquidität der einzelnen Werte naturgemäß geringer ist als im Dax, lockt auch der MDax ausländische Investoren.

"German Mittelstand"

Angelockt werden die vom soliden Unternehmertum made in Germany - der im Ausland gefragte "german Mittelstand" ist im MDax viel stärker vertreten als im Dax. Dominant sind vor allem der Maschinenbau und Immobilienunternehmen. Hinzu kommen noch ein paar Weltkonzerne wie Airbus, die dem Index zusätzlichen Schwung verleihen können.

Alles zusammen klingt das nach einem soliden, stabilen Hort für das Geld der Anleger mit hohem Renditepotenzial. Einziges Problem: die Erfolgswelle des MDax ist keine Eintagsfliege, entsprechend üppig sind die Bewertungen der meisten Papiere. Richtige Schnäppchen werden Anleger kaum noch finden. Draußen bleiben müssen sie aber trotzdem nicht, denn mittelfristig bleiben die Aussichten gut. Kurzfristig mögliche Kurskorrekturen wären also ein guter Zeitpunkt zum Einstieg.

Diese Länder investieren in den deutschen Mittelstand
Die Aktionärsstruktur des MDax am 30.09.2013 Quelle: Cometis AG, Ipreo Ltd., Studie "Wem gehört der börsennotierte Mittelstand? Update 2015"
 Aktionärsstruktur des MDax
Aktionärsstruktur des SDax
So veränderte sich die Aktionärsstruktur des SDax im Vergleich zum 30.09.2013: Nordamerika: +2%; UK & Irland: +1 %; Deutschland: 0%; Westeuropa: 0%; Asien: 0%; Rest der Welt: 0%; Skandinavien: -3%
Die Aktionärsstruktur des TecDAX am 30.09.2013
So veränderte sich die Aktionärsstruktur des TecDax im Vergleich zum 30.09.2013: Nordamerika: +5%; Asien: +1 %; UK&Irland: 0%; Skandinavien: 0%; Westeuropa: -1%; Rest der Welt: -1%; Deutschland: -4%

Die Problemfälle sind im Dax

Das Pfund des MDax: problematische Branchen, die über sinkende Gewinne klagen, weil sie von den Regulierern kräftig auf den Kopf gestellt werden, sind im Index kaum vertreten. Bremsklötze wie Banken und Energieversorger finden sich nicht.

Einzige Bank ist der Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal. Das Institut fuhr im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn ein und lässt seine Aktionäre am Erfolg teilhaben. Je Aktie kassieren die eine Dividende von 1,20 Euro. Beim aktuellen Kurs entspricht das einer Dividendenrendite von drei Prozent. Davon können Dax-Bankanleger nur träumen. Bei der Commerzbank warten sie weiter auf die erste Ausschüttung nach der Finanzkrise - der Überschuss der Frankfurter floss nicht auf die Konten der Anteilseigner, sondern in die Gewinnrücklage des Instituts.

Dividende statt Zins - geht das auch im MDax?

Zuletzt galten Dividenden für viele Anleger als wichtiges Kriterium für den Kauf einer Aktie. Das billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) überflutet den Anleihemarkt, die Renditen sind winzig. Für viele Anleger ist die Dividende der neue Zins, Dividendenaristokraten - also Konzerne, die regelmäßig ausschütten - gelten als Sicherheitsgarant im Depot.

Deutsche Dividendenaristokraten für 2015

Grundsätzlich hatte der MDax bei den Ausschüttungen noch etwas Nachholbedarf gegenüber dem Dax. Allerdings stiegen zuletzt auch in den Nebenwerteindizes die Ausschüttungsquoten. Das zeigt auch der Blick auf das Verhältnis zwischen Kursindex und Performanceindex. Erstere werden ohne die Dividendenzahlungen berechnet. Beim MDax liegt das Verhältnis bei rund 12.450 zu 20.700 Punkten, beim Dax sind es 6050 zu 11.800 Zählern.

In der letzten Dividendenstudie der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) und dem Deutschen Institut für Portfolio-Strategie der FOM Hochschule war der MDax sogar Klassenbester, was die verlässlichen Zahler angeht. Im Schnitt schütteten die 50 Konzerne 2014 fast die Hälfte ihrer erwirtschafteten Gewinne aus. Im Dax lag die Quote dagegen unter 40 Prozent. "Allerdings sind unter anderem die Immobilienaktien die Treiber der hohen Dividendenrenditen im MDax", sagt Joachim Schallmayer, Analyst bei der Dekabank. Diese Konzerne schütteten traditionell viel aus, dass dürfe bei einem Vergleich nicht vergessen werden.

Immobilienindex

Denn Immobilienkonzerne gibt es einige in der zweiten Börsenreihe, teilweise wird der MDax auch als Immobilienindex gezeichnet. Neben der Deutschen Annington sind auch die Deutsche Wohnen und die auf Shoppingcenter fokussierte Deutsche Euroshop im MDax gelistet. Hinzu kommen die LEG und TAG Immobilien. Bis vor kurzem notierten auch die Papiere der Gagfah im MDax. Durch die Fusion mit der Deutschen Annington rutschten die Aktien des Autozulieferers Bertrandt nach.

Die 30 Besten des deutschen Mittelstands
Produktion bei Ensinger Quelle: Presse
Sennheiser Produktion Quelle: Presse
Screenshot der Adva-Internetseite Quelle: Screenshot
Schiffsschraube Quelle: PR
Das Pfeiffer Vacuum Firmengebäude Quelle: Pfeiffer Vacuum Pressebild
Frank Blase, der Geschäftsführer von igus. Quelle: Presse
Armaturen in der Fertigung von Hansgrohe Quelle: REUTERS

In Kürze dürften weitere Neubesetzungen im Index anstehen. Als möglicher Aufstiegskandidat wird der Internethändler Zalando genannt. Nur rund ein halbes Jahr nach dem Börsendebüt könnten die Berliner aufsteigen. Offenbar spekulieren Anleger bereits darauf, die Aktienverkäufe einiger Eigentümer heizten die Diskussion an. Die nächste Index-Neuzusammensetzung steht am 20. März an. Analysten rechnen mit der Änderung allerdings erst etwas später. "Ab April sind die Chancen für einen Aufstieg recht gut", sagt Index-Expertin Sophia Wurm von der Commerzbank.

Nicht billig

Das Problem der MDax-Anleger sind die teilweise schon recht hohen Bewertungen der Papiere. Einige Aktien, wie beispielsweise die von Rheinmetall, Wacker Chemie oder Maschinenbauer Kuka, kosten längst mehr als das 30-fache des Gewinns (Kurs-Gewinn-Verhältnis, KGV). Absolut betrachtet scheint das viel, ein optimaler Einstiegszeitpunkt sieht anders aus. „Der Mid-Cap-Sektor ist historisch gesehen ambitioniert bewertet, viele Titel sind heiß gelaufen“, sagt Marktbeobachter Daniel Saurenz von Feingold Research. Allerdings ist das möglicherweise nur ein Aspekt.

"Relativ betrachtet sind die Bewertungen im MDax in Ordnung", erklärt Deka-Analyst Schallmayer. Dank der expansiven Geldpolitik der EZB fließe eben viel Liquidität in die Märkte, das wirke sich auf den MDax genauso aus wie auf die anderen Indizes. Letztlich sind die höheren Bewertungen an den Aktienmärkten eben Folge der Notenbankpolitik, welche Aktien zunehmend alternativloser macht.

Wo's gerade interessant ist

Wenn's teuer wird, ist die entscheidende Frage, ob die hohen Bewertungen begründet sind, also ob entsprechende Erträge dahinterstecken.

"Die höheren Kurse und Bewertungen sind fundamental durchaus gerechtfertigt", sagt Schallmayer. Die Gewinnrevisionen seien im MDax stärker gestiegen als im Dax, Analysten rechneten mit Gewinnsteigerungen. Allein seit der Krise 2009 hätten die MDax-Unternehmen ihre Gewinne verdreifacht. "Das unterstreicht die Kursentwicklung", erklärt Schallmayer. Von einer Blase könne also nicht die Rede sein.

Top-Investoren in MDax, TecDax, SDax

Tatsächlich sind die Aussichten für den "german Mittelstand" im MDax durchaus gut. Wichtigster Treiber dürfte neben dem niedrigen Ölpreis der schwache Euro sein. Denn es sind vor allem die exportstarken Mittelständler, die im MDax vertreten sind. Viele von ihnen, wie Lackieranlagen-Spezialist Dürr oder Roboterbauer Kuka, bedienen wichtige Nischen und profitieren stark von der schwachen Gemeinschaftswährung.

Am einfachsten investieren Anleger mit speziellen Indexfonds (ETFs) in den MDax, diese bilden den Index nach und entwickeln sich entsprechend. Wer es etwas riskanter mag, kann auf einzelne Werte setzen.

Die Aktien des Flugzeugbauers stehen auf der Bestenliste des laufenden Jahres mit einem Plus von fast 50 Prozent mit Abstand an der Spitze. Die Aktie ist derzeit das Erfolgspapier im Index. Auch wenn der Riesenflieger A380 für den europäischen Flugzeughersteller nicht nur positive Nachrichten brachte, sprechen die Auftragsbücher des Konzerns insgesamt eine deutliche Sprache. Zuletzt konnte der Boing-Rivale den Umsatz um fünf Prozent auf 60,7 Milliarden Euro steigern, unter dem Strich wurden 2014 2,3 Milliarden Euro verdient, rund 53 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch für die Zukunft sieht die Airbus-Welt gut aus, zum Jahreswechsel hatte der Konzern Aufträge im Wert von 857 Milliarden Euro in seinen Büchern, deutlich mehr als im Vorjahr.

Die Aktionäre wurden zuletzt am Erfolg beteiligt, mit 1,20 Euro je Aktie schüttete Airbus rund 60 Prozent mehr aus als im Vorjahr. Kein Wunder, dass die Mehrzahl der Analysten zum Kauf der Aktie rät, zumal das Papier mit einem KGV von gut 18 derzeit einen vertretbaren Preis hat.

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Viel gesprochen wird derzeit über die Papiere von Osram. Der Münchener Leuchtmittelhersteller denkt offenbar darüber nach, sich von seiner Glühbirnensparte zu trennen. Stattdessen könnte stärker in Spezialbereiche wie Autolampen oder LED-Halbleiter investiert werden. Anleger sind davon scheinbar überzeugt, als die Spekulationen am Mittwoch bekannt wurden, war die Nachfrage hoch, die Papiere legten um bis zu 6,6 Prozent zu.

Im laufenden Jahr legten die Papiere um rund 35 Prozent deutlich zu. Allerdings mussten Anleger zuvor Nerven beweisen, der Konzern steckt mitten in einem Umbau, die neue Strategie ist Teil davon. Auch Stellenstreichungen wurden bereits angekündigt. Anleger können von einem Neuanfang profitieren, je nach dem wie die neue Strategie ausfällt birgt das Investment allerdings mehr Risiken als das Airbus-Papier.

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