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Börsencrash Ist die Lebensversicherung in Gefahr?

Die europäischen Börsen geraten wegen der Schuldenkrise ins Straucheln. Doch die Aktienabstürze sind für die Lebensversicherung weniger gefährlich als viele befürchten. Der Feind wartet schon woanders

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Das Logo der Quelle: dpa

Nicht Aktien, sondern Anleihen sind das große Problem der Assekuranzen und das nicht erst seit Griechenland, sondern seit Jahren. Denn während die durchschnittliche Aktienquote bei den deutschen Anbietern von Lebensversicherungen im Frühjahr bei acht Prozent lag, investieren diese Global Player rund 60 Prozent des Kundenvermögens in festverzinsliche Papiere, den größten Batzen davon direkt oder indirekt über Fonds in Staats- und Unternehmensanleihen. Ein Monopoly mit großen Zahlen: Allein die deutschen Anbieter mussten 2010 rund 752 Milliarden Euro für ihre Lebensversicherten so sicher wie vorgeschrieben und so rentierlich wie machbar anlegen.

Die andauernde Niedrigzinsphase ist das größte Problem der Versicherer. Alle Lebensversicherungsverträge beinhalten einen so genannten Garantiezins, mit dem die Einzahlungen abzüglich Kosten und Provisionen verzinst werden. Glücklich der, der einen Altvertrag aus dem letzten Jahrhundert sein Eigen nennt: Viele Jahre lag deren garantierte Gutschrift bei 4 Prozent. Damals gab es auch noch solide Staatsanleihen, die mit acht und mehr Prozent verzinst wurden. Inzwischen sind diese Renditen auch der besten Güteklassen auf drei Prozent und drunter gefallen. Entsprechend sank über die Jahre auch der Garantiezins, denn die Größen korrelieren - so will es die Versicherungsaufsicht.  Die nächste Senkung hat das Bundesfinanzministeriums zum 1. Januar 2012 schon verkündet: von noch 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent. Betroffen sind davon nur Neuverträge.

Das Problem sind die Altverträge

Das ist erfreulich aus Sicht der Bestandskunden, nicht aber aus dem Blickwinkel der Assekuranzen. Gerade die Altverträge sind für viele ein Problem. Der durchschnittliche Granatiezins über alle Verträge unterschiedlichster Laufzeiten liegt branchenweit im Schnitt über drei Prozent. Drei Prozent. Woher nehmen? Bei der derzeitigen weltweiten Lage an den Kapitalmärkten können einige das in den in der Branche erlaubten Anlageklassen kaum erwirtschaften.

Denn mit der Finanzkrise kamen auch strengere Vorgaben der Versicherungsaufsicht und eine erforderliche höhere Eigenkapitalunterlegung. 2013 werden die Zügel noch Mal angezogen. Alles um das Vermögen der Kunden besser zu schützen.

Ein willkommenes Investment

Das geschieht zwar um den Preis einer höheren Rendite, für viele kapitalmarktgebeutelte Deutsche ist das aber offensichtlich akzeptabel. Erst im Juli vermeldeten die deutschen Lebensversicherer steigende Beitragszahlungen: 90,4 Milliarden Euro überwiesen die Kunden im Jahr 2010 den Anbietern – sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Vielen dient diese Police als sicherer Hafen: rund 27 Milliarden Euro machten die Einmalbeiträge aus.

Im Umkehrschluss gilt für die Versicherungen: Vielen Aktionären sind gerade sie zwecks Investment höchst willkommen. So galten schon vor den aktuellen Kurseinbrüchen Allianz, Axa oder die Münchener Rück und Hannoversche Rück als Kaufkandidaten. Für manchen jetzt erst recht.

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