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Börsenhandel Börse im Bann der Maschinen

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Gefährliche Dynamik

Hinter den Hochfrequenzgeschäften stecken sowohl Investmentbanken wie Goldman Sachs als auch hochspezialisierte US-Trader wie Tradebot, Wolverine Trading oder Getco. Ihr jährlicher Gewinn mit HFT wird auf zusammen mehr als 20 Milliarden Dollar geschätzt.

Experten sehen mit Sorge, dass Computer immer mehr Aktien in Sekundenbruchteilen automatisch kaufen und verkaufen. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim befragte dazu Ende April, noch vor dem US-Flash-Crash, 193 Finanzmarktexperten. Mehr als zwei Drittel von ihnen befürchten, dass die Computer die Finanzmarktstabilität negativ beeinflussen. Ihre Sorge: Wenn viele Computer mit ähnlichen mathematischen Modellen arbeiten, mit sogenannten Algorithmen, steigt die Gefahr, dass sich Handelsbewegungen immer schneller verstärken und so mehr und mehr Aktienkurse einstürzen – ein klassischer Dominoeffekt.

Computer steuern 73 Prozent der US-Aktienumsätze

„Die Risiken solcher Kaskadeneffekte sollten ernst genommen werden“, sagt Nikolaus Hautsch, Professor für Ökonometrie an der Humboldt-Universität Berlin. Wenn etwas schiefläuft, bleibt dem Menschen keine Zeit zum Eingreifen. Schnell häufen sich dann Milliardenverluste an, wie Anfang Mai in den USA. Privatanleger schauen hilflos zu. Nach dem Flash Crash wurden ihre Transaktionen nur dann storniert, wenn der Ausführungspreis mehr als 60 Prozent unter dem nicht manipulierten Marktpreis lag. Wer 30 Prozent unter Marktpreis verkauft hatte, etwa weil er eine Stop-Loss-Order gegeben hatte, blieb auf seinem Schaden sitzen. Bei einer Stop-Loss-Order verkauft die Bank des Anlegers Aktien automatisch, wenn der Kurs unter eine bestimmte Schwelle gefallen ist. Laut SEC verloren Privatanleger so am 6. Mai über 200 Millionen Dollar.

Computer können nicht nur plötzliche Kursstürze auslösen und Marktpreise verfälschen. Nach Ansicht einiger Experten lassen sie Aktienkurse auch stärker schwanken. Fakt ist: Seit Jahren gewinnt der Computerhandel Marktanteile und parallel dazu nimmt die Schwankungsintensität der Kurse (Volatilität) zu (siehe Grafik). Mehr Volatilität bedeutet mehr Unsicherheit, und die kann Anleger Geld kosten. So sinken die Kurse vieler Zertifikate mit steigender Volatilität, Garantien zur Absicherung werden teurer, und das Risiko, dass Stop-Loss-Order ausgelöst werden, nimmt zu.

Mehr Liquidität – bis es kracht

Immerhin: Computer generieren mehr Börsengeschäfte, und mehr Umsatz bedeutet leichteren Handel. Kein Hochfrequenzhändler wird müde, dieses Mantra zu wiederholen. „Der Hochfrequenzhandel sorgt für deutlich mehr Liquidität an den Finanzmärkten“, sagt Christian Himmler, leitender Mitarbeiter im Aktienhandel der Deutschen Bank. Mehr Liquidität, also mehr zahlungswillige Nachfrage von Käufern und mehr Angebote von Verkäufern, führt zu niedrigeren Preisunterschieden zwischen Kauf- und Verkaufsorder. Davon profitieren auch Privatanleger.

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