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Börsenhandel Börse im Bann der Maschinen

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Die Frankfurter Börse ist Quelle: dpa

Die Volatilität stieg am 6. Mai stark an. Von der liquiditätsspendenden Funktion der Computer war auf Käuferseite nichts zu sehen. So zogen sich etwa die Hochfrequenzhändler der Chicagoer Wolverine Trading aus dem Handel zurück, nachdem das Chaos angerichtet war. „Sie fahren die Systeme runter. Sie schalten ab“, berichtet ein Börsenhändler.

Auch in Frankfurt haben Computer die Macht an den Börsen weitgehend übernommen. Der Handelssaal der Frankfurter Börse ist nicht viel mehr als eine Kulisse fürs Fernsehen. Die großen Deals laufen hier nicht mehr.

Eher schon in einem Gewerbegebiet am Rand der Frankfurter City. In einem Gebäude, das aussieht wie der Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses, steht das elektronische Börsensystem Xetra. Mehr als 80 Prozent des deutschen Aktienhandels laufen über Xetra. Zutritt zu dem mit hohen Mauern, Stacheldraht und Außenkameras gesicherten Rechenzentrum haben nur Techniker.

Gefahr auch für Deutschland?

Die Deutsche Börse hat das Geschäft mit den Computern 2005 entdeckt. „Colocation“ (gemeinsame Unterbringung) heißt das Zauberwort, mit dem Börsenbetreiber viel Geld verdienen. 1,8 Milliarden Dollar im Jahr soll die Finanzindustrie weltweit für diesen neuen Service zahlen. Börsen bieten Kunden dabei an, ihre Computer direkt neben den eigenen Servern unterzubringen. Die Kunden leben davon, dass sie die leistungsstärksten Computer und direkten Zugang zu den Börsenrechnern haben – im Zweifel zulasten anderer Anleger.

„Um ein Wertpapiergeschäft abzuschließen, benötigen die Computer hier höchstens eine Millisekunde“, sagt Gerhard Leßmann, Vorstand der Deutschen Börse Systems AG, die sich um die Börsen-IT kümmert. Nur wer seine Computer räumlich nah am Xetra-Rechner stehen hat, kann sofort auf neue Kurse reagieren. Zwar reisen Aktienorder fast mit Lichtgeschwindigkeit. Von London bis Frankfurt brauchen sie aktuell aber immer noch 4,9 Millisekunden. Konkurrenten vor Ort haben somit 3,9 Millisekunden Vorsprung. Der privilegierte Börsenzugang wird zum entscheidenden Marktvorteil.

Computer bestimmen 40 Prozent des Handels

Rund 120 Kunden der Deutschen Börse nutzen das Angebot; etwa die Hälfte aus London und den USA. Zu den Hochfrequenzhändlern, die sich unmittelbar neben den Xetra-Maschinen eingemietet haben, gehören Investmentbanken, Liquidität spendende Market Maker und Service-Provider, die für Großbanken arbeiten. Besonders intensiv nutzen die Computerhändler das Angebot.

Gemessen am Handelsvolumen, entfallen in Frankfurt schon 40 Prozent des Aktienhandels auf Hochfrequenzhandel. Vor fünf Jahren war es noch ein Zehntel. Bei den Transaktionen beträgt der Anteil bereits 75 Prozent. „Wir rechnen in den kommenden Jahren mit weiterem Wachstum“, sagt Leßmann. 2011 will die Börse ihre Xetra-Computer deshalb in ein größeres Datenzentrum verlegen. Das betreibt die US-Firma Equinix unter dem Namen FR2 IBX. Noch wird es umgebaut. Neben kugelsicheren Außenwänden verfügt FR2 IBX auch über Reservegeneratoren – falls der Strom ausfällt. Der Diesel reicht zwei bis drei Tage.

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