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Börsenhandel Börse im Bann der Maschinen

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Das Programm Xetra, das viele Quelle: dapd

Schnelligkeit ist vor allem für Hochfrequenzhändler wichtig, die Arbitrage betreiben. Programme nutzen minimale Kursdifferenzen zwischen verschiedenen Handelsplätzen, die oft nur Millisekunden bestehen. 1000 Daimler in Frankfurt für 44,09 Euro kaufen und einen Wimpernschlag später für 44,10 Euro auf einer anderen Plattform verkaufen: Wer zuerst handelt, streicht den Gewinn ein.

„Arbitrage ist vor allem angesichts der gewachsenen Zahl alternativer Handelsplattformen von Bedeutung“, sagt Himmler von der Deutschen Bank. Seit 2007 machen die alternativen Börsenplattformen BATS, Chi-X und Turquoise den etablierten Börsen Europas Konkurrenz. Chi-X hat bei Dax-Aktien bereits 20 Prozent Marktanteil. Je mehr Handelsplätze es gibt, desto größer sind die Chancen der Hochfrequenzhändler auf Arbitragegewinne. Genau solche Gewinne also, auf die Computer am 6. Mai spekulierten, als sie Kursunterschiede zwischen der Wall Street und anderen Börsen registrierten.

"Hochfrequenzhändler sind Parasiten der Börse"

Xetra allerdings setzt bereits seit Jahren automatisch für wenigstens zwei Minuten aus, sobald ein Aktienkurs einen zuvor individuell festgelegten Preiskorridor verlässt. Nach dem Flash Crash zogen die USA nach. Seit dem 10. Juni gelten an allen US-Börsen Notbremsen für einzelne Aktien. Stürzt der Kurs mehr als zehn Prozent in fünf Minuten, pausiert der Handel an allen Börsen fünf Minuten. Zunächst greifen die Regeln bis 10. Dezember und für 1000 Aktien sowie 344 ETFs.

In mehreren Fällen, im Juni etwa im Handel mit Citigroup-Aktien, griffen die Notbremsen. Aber auch hier sind die Computer-Trader den Regulierern einen Schritt voraus. Bei Deals mit der Cisco-Aktie am 29. Juli wurde die Notbremse mit geschickt platzierten Kauf- und VerkaufsOrder missbräuchlich ausgelöst. Computerhändler könnten während des Handelsstopps dann gezielt auf den Kurs der Aktie oder auch eines Aktienindex nach erneuter Handelsaufnahme wetten.

Volkswirtschaftlich scheint der Hochfrequenzhandel nahezu sinnlos. Es mag sein, dass er bisweilen günstigeren Handel ermöglicht. Kapital produktiven Verwendungen zuzuführen, die eigentliche Aufgabe von Börsen, vermag er meist nicht. Auf der anderen Seite birgt sein Wachstum das Risiko einer Kettenreaktion – etwa bei Computerfehlern. Sie könnten im schlimmsten Fall nicht nur die Computerhändler, sondern auch die dahinterstehenden börsennotierten Unternehmen ruinieren, warnte die New Yorker Lime Brokerage in einem Brief an die SEC.

Lime Brokerage, die für einige Hundert Hochfrequenzhändler Order abwickelt, handelt nach eigenen Angaben drei bis fünf Prozent aller US-Aktien. Mit der Selbstkritik wollte Lime Brokerage die Aufsicht auf die Gefahren von Handelsplattformen hinweisen, bei denen Broker ihren Kunden direkten Zugang zu Börsencomputern geben („naked access“).

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