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Börsenkommentar Versicherer fürchten Bankenrettungs-Pläne

Die Pläne für eine künftige Bankenrettung drücken die Versicherungen an die Wand. Von Christof Schürmann

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Die Idee, Gläubiger einer Unternehmung an den Kosten einer Schieflage oder Insolvenz zu beteiligen, ist nicht gerade neu oder besonders kreativ. Dennoch löst ein genau solcher Vorschlag der Europäischen Union scharfe Reaktionen aus. Es geht mal wieder und immer noch – Sie ahnen es schon – um unsere beiden Sorgenkinder, die Banken und deren Retter, die Staaten.

Rutscht eine Bank Richtung Insolvenz, sollen Kreditgläubiger sie auffangen, indem ihre Ansprüche in Aktien umgewandelt werden. Reicht das nicht, soll die Bank abgewickelt werden. Das Ziel ist, zukünftig nicht mehr den Steuerzahler als letzten Helfer zu schröpfen. Während die Vorschläge bei Bankpleiten schon konkret sind, wird um die Verfahren bei Staatsinsolvenzen noch gerungen. Auch hier steht im Raum, private Gläubiger mit ins Boot zu nehmen.

Gegen beide Vorschläge ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Es ist schon lange an der Zeit, dass diejenigen, die Risiko nehmen, es auch am Ende tragen.

Blöd nur, dass einige der wichtigsten Risikonehmer keine breiten Schultern haben: die Versicherer, Lebensversicherer und Pensionskassen in Deutschland. Die deutschen Versicherer halten den überwiegenden Anteil – rund ein Drittel – ihrer 1000 Milliarden Euro an Kapitalanlagen in Bankpapieren, gut neun Prozent sind Staatskredite. Dazu kommt ein Viertel in Pfandbriefen, die über Hypotheken oder – Achtung! – kommunale Schulden besichert sind.

Eine künftige Umwandlung von Schulden in Eigenkapital zöge höchstwahrscheinlich enorme Verluste nach sich. Ebenso ist klar, dass die deutschen Versicherer ohne den Steuerzahler an den Abgrund geraten wären. Allein schon eine Pleite der Skandalbank Hypo Real Estate hätte dazu gereicht. Großbankpleiten können sie nicht verkraften.

Es rächt sich, dass die Versicherer enorme Beträge auf nur ein Pferd gesetzt haben. Dieses Klumpenrisiko können sie auch schlechterdings nicht loswerden. Sie würden bei Verkäufen die Kurse von Bank- und auch von Staatspapieren kleinerer Länder stark drücken – und sich so Verluste ins Portfolio holen.

Altgläubiger schonen

Selbst wenn die Versicherer ihre Bestände schonend loswürden, wohin mit dem Geld? Der Markt für gut beleumundete Unternehmensanleihen ist zu klein, lukrative Immobilien gibt es nicht genügend. Übrig bliebe, den Aktienanteil von rund drei Prozent mal aufzustocken. Dieser Weg ist aber wegen kruder Bilanzregeln verbaut. Ob der geforderten marktnahen Bewertung würden Versicherer mit großen Aktienbeständen binnen Kürze mal Milliarden-Gewinne oder -Verluste ausweisen müssen. Das traut sich kein Finanzvorstand.

Eine erträgliche Lösung für die Versicherer bestünde nur darin, Banken-Altgläubiger besser zu stellen als neue. Ansonsten würde der Bürger ja doch wieder für Bankinsolvenzen geradestehen – als Versichererretter oder als Lebensversicherter, der seine Ansprüche nicht erfüllt bekommt.

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