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Boni-Banker Managergehälter vor gesetzlicher Regulierung

Bonus-Zahlungen für Banker bleiben ein Reizthema, gesetzliche Beschränkungen sind in Vorbereitung. Daran dürfte auch die Forderung von Josef Ackermann nach einem freiwilligen Bonus-Verzicht nichts ändern.

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Josef Ackermann, Quelle: REUTERS

Noch vergangene Woche sagte Josef Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank, in einem Interview mit der „Financial Times“, er halte die Diskussion um Managergehälter und Boni für übertrieben. „Das Draufhauen ist ein wenig zu einfach geworden“, sagte er der Zeitung, schließlich hätten 90 bis 95 Prozent der Banker nichts mit der Krise zu tun. Also viel Aufregung um nichts? Ackermann kündigte zugleich eine Ergänzung des Bonus-Systems der Deutschen Bank um ein „Malus-System“ an, dass auch Gehaltsabzüge erlaubt.

Kritik an der eigenen Branche

Inzwischen ist das Gebaren der „Boni-Banker“ offenbar auch Ackermann zuviel geworden und er äußert öffentlichkeitswirksam Kritik an der eigenen Zunft. In der „Bild“-Zeitung hat er hohe Bonus-Zahlungen für Führungskräfte kritisiert und Verständnis für Ärger über ein solches Vorgehen geäußert. Generell solle es in Krisenzeiten keine hohen Bonuszahlungen geben. Ackermann forderte den freiwilligen Verzicht auf hohe Bonuszahlungen: „Nicht alles, was einem rechtlich zusteht, nicht alles, was legal ist, ist auch legitim. Wenn viele Bürger unter der Finanzkrise leiden - und das tun sie - müssen gerade auch Bankmanager Opfer bringen.“

Allerdings ist fraglich, ob ein freiwilliger Bonus-Verzicht nicht durch gesetzliche Regelungen überholt wird. Vieles deutet darauf hin, dass sich die Regierungen stärker in das Vergütungssystem von Managern einmischen. In der vergangenen Woche waren sich die Regierungschefs auf dem G20-Gipfel in London da einig: Die Bonus-Zahlungen für Manager sollen nur noch langfristigen Erfolg belohnen.

Gesetze zur Bonus-Beschränkung auf dem Vormarsch

Auch konkrete Regelungen sind in Vorbereitung: Das US-Repräsentantenhaus hat eine Gesetzesvorlage verabschiedet, nach der unverhältnismäßige Sonderzahlungen an Manager untersagt sind, wenn die Unternehmen Steuermittel erhalten. Bereits am 19. März hatten die Parlamentarier eine 90-prozentige Steuer auf Sonderzahlungen verabschiedet. US-Präsident Barack Obama hatte sich jedoch kritisch zu dieser „Strafsteuer“ geäußert, weil sie nur auf eine „Handvoll von Einzelpersonen“ abziele.  In den USA haben vor allem die Bonuszahlungen in Höhe von 165 Millionen Dollar an Manager des Versicherungskonzerns AIG haben für Aufruhr gesorgt. AIG hat bisher 180 Milliarden Dollar Staatshilfe erhalten, um der Pleite zu entgehen. Inzwischen haben einige AIG-Manager angekündigt, Boni in Höhe von insgesamt 50 Millionen Dollar zurückzuzahlen.

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    Aber damit ist die Empörung über die Boni-Banker noch nicht geschwunden – im Gegenteil: Die inzwischen verstaatlichten US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac wollen einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge rund 210 Millionen Dollar ausschütten. 7600 Beschäftigte sollen einen Bonus erhalten, ein Viertel der Summe sei bereits geflossen. Zwischen 60 und 80 Prozent der Mitarbeiter sollen die Boni als Halteprämien erhalten, damit sie das Unternehmen nicht verlassen. Nachdem die beiden Finanzierer, die hinter etwa jedem zweiten Immobilienkredit in den USA stehen,  2008 Verluste in Höhe von 108 Milliarden Dollar eingefahren hatten, hat der Staat dort die Kontrolle übernommen und beide Konzerne mit Milliarden aus der Staatskasse vor dem Untergang bewahrt.

    Auch in Europa reagieren die Regierungen: Frankreich hat angekündigt, Bonuszahlungen in Unternehmen, die staatliche Hilfen erhalten, bis Ende 2010 einzuschränken oder bei gleichzeitig massiven Jobabbau sogar zu verbieten. Auf Druck der Öffentlichkeit und der Regierung haben inzwischen unter anderem Manager der Großbank Société Générale und des Energiekonzern GDF Suez auf zugesagte Aktienoptionen in Millionenhöhe verzichtet.

    Sozialer Frieden gestört

    In Großbritannien hatten die geplanten Milliarden-Boni für Manager der Royal Bank of Scotland (RBS). Die Bank hatte 2008 einen Rekordverlust von 27 Milliarden Euro erlitten und musste vom Staat gerettet werden. RBS-Verwaltungsratschef Philip Hampton versprach, das Bezahlungssystem für Manager zu überprüfen.

    Auch in Deutschland, bei der Deutschen Bank, verzichten Vorstände auf die Bonuszahlungen für das Jahr 2008. Angesichts der anhaltenden Diskussionen um die Verursacher der Finanzkrise kann es nicht verwundern, dass Bank-Chef Ackermann den sozialen Frieden bedroht sieht. „Meine Sorge ist, dass wir in vielen Ländern soziale Spannungen bekommen könnten. Deshalb ist es wichtig, dass wir jetzt gemeinsam Lösungen finden, die uns aus der Krise führen. Wir sitzen in einem Boot.“

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