Boni-Debatte "Wir wollen die Spielregeln auf den Finanzmärkten ändern"

Auf ihrem heute startenden Gipfel in Lissabon nehmen internationale Gewerkschafter die Finanzwelt unter Beschuss. Die bisherige Bankenregulierung reicht den Arbeitnehmervertretern nicht. Wiwo.de sprach mit Philip Jennings, Chef des weltweiten Gewerkschafts-Dachverbands UNI Global Union.

Chef des weltweiten Gewerkschafts-Dachverbands UNI Global Union

wiwo.de: Herr Jennings, am Montag haben Sie Ihren Twitter-Followern die Frage gezwitschert, wie sich Banken und Hedgefonds angesichts der Katastrophe in Japan wohl verhalten werden. Was meinten Sie damit?

Jennings: Ich wollte meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass jetzt keine Finanzspekulationen auf dem Rücken der japanischen Bevölkerung ausgetragen werden. Hohe 2012er-Boni, die aus der Notlage der Japaner Profit schlagen, wären ein moralisches Desaster.

Sind Mitarbeiter ihrer Organisation von den Beben und Tsunamis betroffen?

Jennings: Unsere Mitarbeiter in Tokio sind sicher, stehen aber wie das gesamte Land unter Schock. Auch die Gewerkschaften wollen nun zum Wiederaufbau beitragen.

Aggressiver Vertriebsdruck

In Lissabon, weit weg vom Epizentrum der Katastrophe in Japan, treffen sich ab heute 400 internationale Gewerkschaften aus dem Finanzsektor. Warum findet dieser Mammutgipfel statt?

Jennings: Wir wollen die Spielregeln auf den Finanzmärkten ändern. Führende Banker haben auf allen Ebenen versagt, sind sich aber über den gewaltigen Vertrauensverlust nicht im Klaren. Von Politikern und Aufsichtsbehörden verlangen wir mehr Mut, gegen Banken vorzugehen, die zur Entgleisung der Weltwirtschaft beigetragen haben.

Aber die Eigenkapitalvorschriften für Finanzunternehmen wurden bereits verschärft und Banker-Boni gedeckelt.

Jennings: Es reicht nicht, die Kapitaldecke der Institute zu stärken und variable Vergütungen der Vorstände zu reduzieren. Wir brauchen darüber hinaus eine Kontrolle von Geschäftsmodellen und der Beratungsqualität. Immer noch zwingt aggressiver Vertriebsdruck zahlreiche Bankangestellte dazu, ihren Kunden schädliche Finanzprodukte anzudrehen.

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