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BP-Katastrophe Die Nutznießer der schwarzen Pest

Infloge der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat die BP-Aktie fast die Hälfte an Wert verloren; seitdem tobt unter den Anlegern und Analysten ein heftiger Streit, ob die BP-Aktie nun ein Schnäppchen sei oder auf dem Weg zum Pennystock. Dabei gibt es Aktien, die ziemlich sicher zu den Profiteuren der Katastrophe gehören werden.

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Öllacke an einem Strand in Quelle: dpa

Seit beinahe zehn Wochen strömt nun schon tonnenweise Öl in den Golf von Mexiko. Die Aktie des Ölmultis hat infolge der Katastrophe mehr als 100 Milliarden Dollar an Wert veloren. An der Börse wetten die Akteure teils auf eine übertriebene Reaktion des Marktes -- also Aufholptenzial -- und kaufen sich kräftig ein; teils wetten sie gegen BP.

Die US-Behörden jedenfalls rechnen offenbar inzwischen mit dem Schlimmsten. Die Federal Reserve Bank of New York hat eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die klären soll, welche Auswirkungen eine Pleite BPs auf die Finanzmärkte hätte.  BP gilt als einer der "Big Five" der Branche als ähnlich "systemrelevant" wie Lehman Bros. für die Finanzwelt. Nun geben Ölkonzerne in der Regel Mittelständlern und Konzernen keine Kredite und können daher kaum eine gesamtwirtschaftlich unersetzliche Rolle für sich in Anspruch nehmen. Doch die Folgen einer BP-Pleite für Banken und Pensionskassen, die Milliarden von Dollars in Anleihen und die traditionell dividendenstarken Aktien des britischen Konzerns investiert haben, sollen durch de Untersuchung ebenso quantifiziert werden, wie die für die noch immer politisch tonangebende US-Ölindustrie und die Wirtschaft insgesamt.

Riskante Wette mit BP

Möglicherweise wären diese Folgen äußerst unangenehm für die noch immer angeschlagene --- und gerade wieder Schwung verlierende -- US-Wirtschaft. So erklären sich jedenfalls manche Experten den plötzlich milderen Tonfall, den die US-Regierung gegenüber BP an den Tag legt. Schon hat die Aktie an der Börse wieder kräftig Aufwind.

Doch die Spekulation auf Milde für ist extrem dünn fundamental untermauert; schließlich haben die breits feststehenden Kosten am Wochenende die drei-Milliarden-Dollar-Marke überschritten, und es ist seriös noch nicht ansatzweise erkennbar, wie hoch sie letztlich ausfallen werden. Zwar kommen die Entlastungsbohrungen BP-Angaben zufolge schneller voran als geplant; doch auch das kann niemand objektiv prüfen; BP hat in den vergangenen zehn Wochen zu oft gelogen, vertuscht, verharmlost und desinformiert, um noch das Vertrauen der Öffentlichkeit und erst recht konservativer Anleger genießen zu können.

Chemikalien gegen Öl: Aus den Augen, aus dem Sinn?

Auch mit der Suche nach Profiteuren war die Börse wie immer schnell bei der Hand. Mal wurde Nalco, der Hersteller der Chemikalien ("Corexit") empfohlen, die BP anfangs tonnenweise von Flugzeugen aus auf den Ölteppich sprühen ließ. Doch ob die Rechnung aufgeht, ist alles andere als Sicher. Biologen und Umweltexperten streiten noch, ob der Einsatz solcher Dispersionschemie nicht auf lange Sicht mehr schadet, als er nutzt. Denn die Chemie zersetzt das Öl, wodurch es sich noch mehr verteilt, mit dem Meerwasser emuliert und in tiefere Meeresregionen absinkt. So ist zwar der klebrige Teppich an der Meeresoberfläche weg, nicht aber das Öl selbst. Ein unbestreitbarer Nachteil der Methode ist, dass man kompakte Ölteppiche wenigstens kontrolliert abfischen kann, die Wasser-Chemie-Öl-Emulsion nicht.  Inzwischen ist der Höhenflug der Nalco-Aktie an der Börse auch deutlich gebremst worden.

Wer auf jeden Fall am Öl verdient

Doch es gibt Unternehmen, die mit Sicherheit an der Ölpest verdienen werden. Laut jüngsten Schätzungen sind bisher rund 550 000 Tonnen Öl ins Meer geflossen -- eine schier unvorstellbare Menge. Bei Ölkatastrophen entstehen aber nicht nur flüssige, sondern auch feste Abälle, etwa Teerklumpen, die an den Strand gespült werden. Sie alle können entweder recycelt werden -- oder müssen auf die Deponie.

Newpark Resources etwa ist auf die Entsorgung der flüssigen Ölabfälle spezialisiert. BP versucht zwar, so viel ausgelaufenes Öl wie möglich zu recyceln; meist ist es durch Chemieeinsatz und Salz aus dem Meerwasser aber zu stark verunreinigt. In diesem Fall landet es in tiefen Gesteinsschichten, in die es Unternehmen wie Newpark einspritzen.

Republic Services und Waste Management sind Entsorger, die mit festen Stoffen wie Teerklumpen und /oder verunreinigten Ölabscheidern sowie -barrieren in den nächsten Monaten oder Jahren viel zu tun haben werden. Sie betreiben die Mehrzahl der Deponien in Louisiana, die von den US-Behörden zur Beseitigung des BP-Drecks vorgesehen sind.

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