Despoten-Milliarden Fluchtgeldoase Singapur

Gestürzte Diktatoren haben meist ein beachtliches Vermögen, dass sie schnell in Sicherheit bringen wollen, bevor sie aus dem Land gejagt werden. Singapur ist für Fluchtgeld eine der ersten Adressen.

Singapurs Bankenviertel gilt Quelle: REUTERS

„Singapur ist eine Destination für Despoten und Diktatoren, um ihr Geld zu deponieren“, sagt ein Banker, der lange in der Finanzemetropole gearbeitet hat. Der südostasiatische Stadtstaat ist beispielsweise der zurzeit populärste Ort für Chinesen, ihr durch Korruption erworbenes Vermögen zu investieren. Schon in den Neunzigerjahren haben auch die Sprösslinge des damaligen indonesischen Diktators Suharto oder Drogenbarone aus Myanmar, dem früheren Burma, ihr Geld unter anderem in Singapur gebunkert. Auch heute noch, berichtet ein Insider, liegen große Teile der Vermögen der burmesisichen Militärmachthaber in Singapur. Auch wurde neulich einer der Söhne des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-Il in Singapur gesichtet. Unter anderem hat er das örtliche Spielcasino besucht. Die Regierung des Inselstaates freilich, will von all dem nichts wissen.

Singapur fürchtet eine schlechten Ruf

Weil es nicht zum Saubermann-Image des Stadtstaates passt, will Singapur auf keinen Fall in den Ruf kommen, Anlaufstelle für Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu sein. Gleichwohl hofft das Land, von den strengeren Vorschriften in Europa zu profitieren. Kaum ein Land der Welt hat so lockere Bestimmungen bei der Vermögensverwaltung. Trotzdem: Ganz so unbedenklich wie vor zwei Jahrzehnten dürften die Diktatoren der Welt ihr Geld heute nicht mehr in Singapur parken können. „Im Zweifel würden die Behörden auch nicht davor zurückschrecken Vermögen einzufrieren“, sagt ein Vermögensverwalter einer großen europäischen Bank.

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