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Deutsche Börse-Nyse Euronext Die Sieger und Verlierer der neuen Megabörse

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Deutsche Börse in Eschborn Quelle: dpa

Das ist noch sehr diplomatisch ausgedrückt. Die Fusion ist vor allem der Versuch eines Befreiungsschlags: In ihrem klassischen Geschäft, dem Aktienhandel, stehen alle etablierten westlichen Börsen massiv unter Druck. Weil alternative -Handelsplattformen zunehmend Marktanteile gewinnen, sei der Zusammenschluss „eine Fusion aus der Defensive heraus“, sagt Analyst Pfänder. Seit der Deregulierung der europäischen Finanzmärkte und der Umsetzung der EU-Richtlinie Mifid Ende 2007 verschärfen Handelsplattformen wie Chi-X und Bats massiv den Wettbewerb. Im Handel mit deutschen Aktien verliert die Deutsche Börse deshalb Marktanteile.

Nyse Euronext und die Londoner Börse LSE kämpfen mit ähnlichen Problemen. Kritiker monieren, die New Yorker Börse habe kein funktionierendes Geschäftsmodell mehr, weil sie permanent Marktanteile an neue Plattformen verliert. 2005 hatte sie – erster Befreiungsschlag – für 2,26 Milliarden Dollar die Plattform Archipelago übernommen, 2006 dann – zweiter Schlag – für 10,2 Milliarden Dollar die Euronext. Auf Dauer kann Wachstum nur über Akquisitionen aber kaum die Lösung sein. Ähnlich das Bild bei der LSE, die sich vor rund einem Jahr bereits die Plattform Turquoise einverleibte. Zudem will sie die kanadische TMX übernehmen, was sie zur wichtigsten Börse im Geschäft mit Rohstoffaktien machen würde.

Die jungen Angreifer jedenfalls bleiben selbstbewusst: „Wir sind, was die Anzahl der Aktientransaktionen angeht, schon jetzt die Nummer eins in Europa und im Hinblick auf den Wert der gehandelten Aktien die Nummer zwei“, sagt Chi-X-Europe-Chef Alasdair Haynes. Die Entstehung der geplanten Megabörsen erschüttere ihn nicht: „Für uns ändert sich die Landschaft dadurch nicht“, sagt er, „die nationalen Börsen werden eine ganze Reihe von Zusammenschlüssen tätigen müssen, weil wir neuen Spieler ihnen so viele Marktanteile weggenommen haben.“

Unterschriften bis MIttwoch

Francioni will seinen Deal am kommenden Dienstag vom Aufsichtsrat genehmigen lassen, danach sollen die Verträge unterschrieben werden. Wichtige Elemente der Fusion sind ausverhandelt: 

Über einen Aktientausch sollen beide Gesellschaften auf eine niederländische Firma verschmolzen werden. Am Ende hielten Aktionäre der Deutschen Börse rund 60 und die von Euronext Nyse 40 Prozent der Aktien. Den Aktionären schmeckte das kaum: Während der Nyse-Kurs binnen zwei Tagen um gut 13 Prozent zulegte, gewannen Deutsche-Börse-Aktionäre nur knapp sieben Prozent. Der Grund: Vor der Bekanntgabe der Fusion lag der rechnerische Anteil der Deutsche Börse am neuen Gesamtunternehmen bei 63 Prozent, der der Nyse bei nur 37 Prozent.

Im Verhältnis 60 zu 40 sollen auch die Sitze im Aufsichtsrat verteilt werden, den Francioni als Chairman mit Sitz in Eschborn bei Frankfurt führen wird. Vorstandschef wird aber Nyse-Boss Niederauer, der Vorstand wird zu gleichen Teilen mit Deutsche-Börse- und Nyse-Managern besetzt. „Die Amerikaner werden die Hosen anhaben“, sagt deshalb ein Londoner Hedgefonds-Manager. DWS-Mann Kaldemorgen will genau beobachten, ob die Fusion „zu einem Einfallstor für die Regulierungsbehörde der USA in Deutschland oder Europa werden könnte“.

In Frankfurt wird der These, dass jetzt die Amerikaner die Macht übernehmen, heftig widersprochen. Francioni sei als Aufsichtsratschef nach angelsächsischem Modell keineswegs nur Frühstücksdirektor, sondern für Strategie verantwortlich, damit für globale Expansion, neue Geschäfte und Besetzung des Top-Managements.

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