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Deutsche Börse-Nyse Euronext Die Sieger und Verlierer der neuen Megabörse

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Fest steht bereits: New York soll Aktienhandel und Listings von neuen Unternehmen steuern. Die Börsenplätze, einschließlich des Frankfurter Parketts, sollen aber erhalten bleiben.

Auch das Computer-Handelssystem Xetra soll weiter laufen, „bis es nicht mehr leistungsfähig ist“, heißt es in Börsenkreisen. Für Privatanleger, schätzt Christoph Lammersdorf, Geschäftsführer der Börse Stuttgart, dürfte die Fusion „keine nennenswerten Auswirkungen haben, da die Deutsche Börse damit vor allem auf den Wettbewerb um das institutionelle und internationale Geschäft sowie Neuemissionen reagiert“.

Von Frankfurt soll das wohl zukunftsträchtigste Geschäftsfeld der neuen Börse geführt werden: die Terminbörsen Eurex und ISE und die von der Nyse Euronext in die Ehe eingebrachte Londoner Liffe. Die drei zusammen wären die dann größte Terminbörse der Welt. „Hier entstünde ein paneuropäisches Monopol im Derivategeschäft, undenkbar, dass dem die EU-Kartellaufseher zustimmen werden“, unkt der Londoner Börsenberater Brian Taylor. Auch hier hält Frankfurt dagegen: An Eurex und Liffe würden völlig unterschiedliche Produkte gehandelt.

Folgen für die USA

Für US-Beobachter ist die Dominanz der Amerikaner in der neuen Börse noch längst nicht ausgemachte Sache. Viele übersehen offenbar, dass schon heute gut 40 Prozent der Deutschen Börse in der Hand von US-Institutionen sind. „Die New York Stock Exchange ist die amerikanische Institution! Und die soll jetzt von den Deutschen kontrolliert werden?“, meint etwa Analyst Joe Saluzzi von der Broker-Firma Themis Trading in New Jersey. Die Übernahme habe eine größere Bedeutung für Amerika als irgendeine andere Fusion eines US-Konzerns mit einem ausländischen Unternehmen. Selbst Sicherheitsbedenken führt Saluzzi an. Die Server für den Nyse-Handel stünden auf Privatgelände in New Jersey, unter Aufsicht des Heimatschutz-Ministeriums. „Wer soll da demnächst für die Sicherheit sorgen, die Deutschen etwa?“

In Paris, dem alten Sitz der Euronext, regiert vor allem die Angst, nach der Fusion noch weiter an Bedeutung zu verlieren. „Es ist zu spät, um zu weinen“, sagte ein anonym bleibender Akteur der Zeitung „Le Figaro“: „Alles ist 2006 entschieden worden, als Euronext lieber mit der Nyse als mit Frankfurt zusammenging.“ Vor allem der damalige Euronext-Chef Jean-François Théodore verhinderte mit Macht ein Bündnis mit Frankfurt – er ließ sich lieber von New York übernehmen. Paris’ letzte Hoffnung: „Der europäische Aktien-Kassamarkt und die IT werden in Paris bleiben“, heißt es im Euronext-Umfeld.

Ausgemacht ist das offensichtlich noch nicht. Aus der Deutschen Börse nämlich ist zu hören, dass eine Entscheidung über den Sitz der IT-Sparte – anders als über die Verteilung des Aktien- und Derivatehandels – noch nicht gefallen sei. Mit Paris hat Francioni wohl noch eine Rechnung offen.  

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