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Deutsche Unternehmen am Golf Fühler ausstrecken zu Dubais Nachbarn

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Türenhersteller Dorma: Stabile Plattform

Burj Dubai: Küchen und Quelle: AP

„Das Geschäft verlagert sich seit Monaten spürbar in Richtung Abu Dhabi, Katar und anderer Golfstaaten“, sagt Michael Schädlich, Chef des Türenherstellers Dorma aus Ennepetal bei Wuppertal. Dorma hat 13 000 Türen für den Bau des Wolkenkratzers Burj Dubai geliefert, der nach einigen Verzögerungen endlich Anfang Januar eröffnet werden soll. Zurzeit bauen Dorma-Mitarbeiter acht riesige Drehtüren im Eingangsbereich des 800 Meter hohen Kolosses. Der Gesamtumfang des Prestige-Auftrags beträgt mehr als zehn Millionen Euro, Dorma selbst kam im vergangenen Geschäftsjahr auf 880 Millionen Euro Umsatz. Dorma betreibt in Dubai eine eigene Fertigung mit mehr als 100 Mitarbeitern und beliefert von hier aus die gesamte Golfregion.

Garagentorbauer Hörmann: Geteilt und abgeknapst

Auch Christoph Hörmann, persönlich haftender Gesellschafter von Hörmann im westfälischen Steinhagen, musste erleben, dass ein Großauftrag in mehreren Etappen zusammenschrumpfte wie eine Pfütze in der Wüstensonne. Ursprünglich sollte er 8700 Garagentore für die Luxusvillen auf der künstlichen Palmeninsel Jumeirah liefern. „Dann wurde der Auftrag geteilt, dann noch mal was abgeknapst“, sagt Hörmann. Schließlich blieben nur noch 1000 Tore für ihn übrig. Hörmann macht das nicht nervös. Er strebe langsames, kontinuierliches Wachstum an, sagt er. Zum weltweiten Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro steuert Dubai ohnehin nur zarte drei Millionen Euro bei.

Armaturenhersteller Grohe: Hohe Zahlungsmoral

„Schon seit Jahresfrist ist das Geschäft in Dubai ziemlich mau“, klagt ein Manager des Armaturenherstellers Grohe. Die Düsseldorfer erlösen rund eine Milliarde Euro und sind Europas größter Hersteller von Bad- und Küchenarmaturen. Dabei sei der Rückgang in Dubai stärker als in der gesamten Golfregion. Auffallend ist jedoch, so die Beobachtung von Grohe-Vertrieblern vor Ort, die hohe Zahlungsmoral der Dubaier – auch jetzt, seitdem sich die Krise verschärft habe.

Hochtief, Bilfinger Berger: Dick im Geschäft

Dass nach dem Platzen der Immobilienblase im Wüstenstaat Dubai nun Geschäfte in der ganzen Region als riskant eingeschätzt werden, bringt Herbert Lütkestratkötter auf die Palme. „Sie können Abu Dhabi, Katar und Bahrain doch nicht mit Dubai vergleichen“, schimpft der Chef des größten deutschen Baukonzerns Hochtief. Jedes Land und Emirat habe andere Voraussetzungen. Tatsächlich sitzt Abu Dhabi auf sprudelnden Ölquellen, und Katar wird bald eine der größten Gasblasen der Erde anstechen. Bau-Primus Hochtief baut derzeit in Katar das Projekt Barwa Commercial Avenue, eine acht Kilometer lange Einkaufsmeile in der Hauptstadt Doha. Um den 1,3-Milliarden-Euro-Auftrag und um die Finanzkraft des halbstaatlichen Auftraggebers Barwa Real Estate machen sich die Essener demnach keine Sorgen.

Auch Bilfinger Berger baut in Doha – den Stadtteil Barwa City für 20.000 Einwohner – und kann „aufgrund der Vertragsgestaltung davon ausgehen, dass jede von uns erbrachte Leistung dort bezahlt wird“. Der Hinweis ist wichtig, weil die Mannheimer mit der Baubehörde von Katar über die Kosten für den Bau einer sechs Kilometer langen Straße streiten und deswegen Rückstellungen in Höhe von 80 Millionen Euro bilden mussten. Zwar erwägt Bilfinger, das Baugeschäft in der ganzen Golfregion aufzugeben – aber nicht wegen der Dubai-Krise, sondern weil der Konzern das risikoreiche Baugeschäft zugunsten von Dienstleistungen stark reduzieren will.

Hochtief hingegen bleibt im Geschäft. In Abu Dhabi arbeitet eine lokale Tochter des Konzerns an Projekten von „mehreren Milliarden Euro“ wie den Bau eines Container- und Industriehafens und des Campus für die neue Universität von Abu Dhabi, einem Ableger der Pariser Hochschule Sorbonne. In Bahrain steht ein Dienstleistungsauftrag am Flughafen in Aussicht. Die Essener haben auch Chancen, den Auftrag zum Bau des 40 Kilometer langen „Bahrain Qatar Causeway“ zu bekommen, einer Autobahn, die zur Hälfte aus Brücken besteht und beide Staaten verbinden soll. Dass die Dubai-Krise den Aktienkurs seines Unternehmens kräftig nach unten zog, hält der Hochtief-Chef für eine Übertreibung: „Man muss nicht aus jeder Meldung gleich ein Horrorszenario für die deutsche Wirtschaft machen.“ Dubai habe nur etwa so hohe Schulden wie die Stadt Berlin, meint Lütkestratkötter – „und Berlin hat gar kein Öl“.

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