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Direktbanken im Vergleich Das günstigste Online-Banking

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Grafik: Preise für Aktienorders

„Direktbanken haben aber eine gute Chance, mit ihrer Honorarberatung bei Internet- und Wertpapier-affinen Anlegern zu punkten, die beruflich zu beschäftigt sind, um alles auf eigene Faust zu erledigen“, glaubt Olaf Jäger-Roschko, der bei Comdirect die neue Honorarberatung verantwortet.

Die Honorarberatung ist natürlich nicht per se brillant, sondern nur so gut wie der Berater. Bei Comdirect, CortalConsors und DAB müssen diese eine Bankausbildung mit Spezialisierung auf Wertpapiergeschäft haben. Probe aufs Exempel, Anruf bei der Beraterhotline von CortalConsors: Zunächst macht der freundliche Herr eine Bestandsaufnahme des Depots. 50.000 Euro, zu etwa gleichen Teilen auf Aktien und Unternehmensbonds verteilt. Der Berater schreibt mit, notiert Kaufzeitpunkte, Anlagesumme und Gewinne in Prozent.

Dann erstellt er ein Risikoprofil, zu dem er den Kunden gut eine halbe Stunde lang ausfragt. Denn wie viel Geld er später in riskantere Anlagen steckt, darf er bei Consors nicht aus dem Bauch entscheiden. „Das hängt bei uns von zwei Variablen ab“, erklärt er, „den Aussagen des Kunden zur eigenen Risikotoleranz, die wir genau dokumentieren und vom Kunden gegenzeichnen lassen, und von dessen Anlagehorizont.“

Standardisierte Beratung auf gutem Niveau

Im zweiten Gespräch folgen dann konkrete Empfehlungen. Bei Consors kann der Berater anhand der beiden Stellgrößen Risiko und Zeit aus einer Matrix mit zwölf genau vorgegebenen Portefeuilles wählen. Je länger der geplante Anlagezeitraum und je höher die Risikotoleranz, desto größer der Anteil aggressiver Produkte wie Aktienfonds. „Wenn Sie mir heute sagen, Sie seien risikofreudig, brauchen aber ihr Geld in spätestens drei Jahren, wird der Aktienanteil nicht sehr hoch ausfallen“, sagt der Berater.

Die Musterportfolios bestehen ausschließlich aus Fonds, börsennotierten Indexfonds (ETFs) und breit streuenden, relativ risikolosen Zertifikaten. „Einzelwerte wie Aktien und Anleihen können wir wegen des erhöhten Research-Aufwands leider noch nicht einbeziehen“, bedauert der Berater. Konkret empfiehlt er, die seit Ende 2008 aufgelaufenen Gewinne mit Aktien wie BASF, Salzgitter oder Gildemeister „teilweise abzuschöpfen und in einen konservativen Mischfonds einzuzahlen, etwa den Carmignac Patrimoine“. Durch die Gewinne bei Aktien ist ihm deren Anteil am Depot zu groß geworden. „Ich will Ihre Erfolge nicht schmälern“, sagt er, „aber Sie dürfen nicht übermütig werden. Was man hat, das hat man.“

Fazit: Die Ratschläge sind fachlich in Ordnung, teure oder hauseigene Produkte empfiehlt der Berater nicht. Aber der Beratungsprozess ist stark standardisiert. Bei der Comdirect überwacht sogar eine Software das Depot. „Wenn dessen Zusammensetzung nicht mehr zur im Erstgespräch festgelegten Risikotoleranz passt, wird der Kunde per Mail oder Anruf benachrichtigt“, sagt Jäger-Roschko.

„Bei diesen Modellen geht es nur um reine Anlageberatung, nicht um umfassende Finanz-Lebensplanung“, sagt Bankenexperte Innig. Klar ist auch: Der Service kostet. Bei Consors werden 1,0 Prozent des Depotwerts pro Jahr fällig, Comdirect begnügt sich mit 0,6 Prozent. Dafür bekommt der Kunde alle Provisionen zurück, die Banken sonst behalten – Bestandsprovisionen auf Fonds oder Rückvergütungen, sogenannte Kick-backs, die sie von anderen Banken und Fondsgesellschaften bekommen, wenn sie deren Produkte verkaufen. Enthält das Depot viele teure Produkte wie Fonds, können die erstatteten Bestandsprovisionen die jährliche Gebühr für die Honorarberatung um bis zu 40 Prozent senken.

Internetaffine Erben

Consors zielt vor allem auf die Erben von Vermögen, die heute noch in den Händen älterer Anleger bei Deutscher Bank, Sparkassen oder Volksbanken liegen. „Die heutigen Vermögenden werden wir nicht mehr in die Honorarberatung einer Direktbank kriegen, sie sind ein Gegenüber aus Fleisch und Blut gewohnt, das für Beratung in der Bank kein Geld nimmt“, sagt ein Consors-Berater. Aber auch bei den internetaffinen Erben dürfte es „noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte“ dauern, bis sich Honorarberatung flächendeckend durchgesetzt hat, schätzt Innig, „das wird ein zäher Prozess“.

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