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Eckart Sünner, Chief Compliance Officer bei BASF, im Interview "Sanfte Nachhilfe"

Eckart Sünner, Chief Compliance Officer bei BASF, über Verhaltensrichtlinien, deren Kontrolle und Mitarbeiterverantwortung.

Eckart Sünner Quelle: LAIF

WirtschaftsWoche: Herr Sünner, Korruptionsskandale wie bei Siemens gibt es nicht erst seit gestern, warum beschäftigen sich deutsche Unternehmen, anders als die US-Konzerne, erst seit einigen Jahren mit dem Thema Verhaltensrichtlinien, der sogenannten Compliance?

Sünner: Die amerikanischen Unternehmen haben ihre Compliance-Programme in den Neunzigerjahren aufgelegt, allerdings weniger aus ethischen Gründen, sondern weil ihnen das US-Justizministerium bei Verstößen Strafmilderung versprach.

Das erklärt aber nicht das Zögern in Deutschland.

Wir haben geglaubt, es reicht, die Mitarbeiter über geltende Gesetze aufzuklären. Das war vielleicht naiv. Menschen brauchen ab und zu sanfte Nachhilfe, damit sie sich an die Spielregeln halten.

Wie sieht diese Nachhilfe aus?

Wir belassen es nicht bei einmaligen Schulungen, sondern frischen sie regelmäßig auf. Zudem verpflichten sich die Führungskräfte der BASF mit ihrem Arbeitsvertrag auf den Verhaltenskodex. Sie müssen in ihren Zuständigkeitsbereichen dafür sorgen, dass sich alle daran halten. Zudem sind wir dabei, ein Prämiensystem für alle Mitarbeiter zu entwickeln, das sich an der Einhaltung der Compliance-Richtlinien orientiert. Wer sich korrekt verhält, wird also belohnt.

Wie wollen Sie das Verhalten Tausender Mitarbeiter kontrollieren?

Unser etwa 80 Personen umfassendes Compliance-Netzwerk ist weltweit präsent. Zudem sammeln wir im gesamten Konzern von den leitenden Mitarbeitern einmal jährlich Informationen darüber, wie die Verhaltensrichtlinien eingehalten werden.

Das ist gut für die Statistik, aber niemand wird sich selbst ein schlechtes Zeugnis ausstellen.

Wir können die Angaben mit den Rückmeldungen unserer Compliance-Hotlines abgleichen, die nicht von BASF, sondern von unabhängigen Anwaltskanzleien betrieben werden. Bei Verstößen wird gegebenenfalls die Innenrevision aktiv.

Compliance macht sich gut fürs Image, was hat BASF rein ökonomisch davon?

Unsere Arbeit wirkt sich nicht direkt auf den Gewinn aus, aber sie erspart dem Unternehmen unnötige Kosten. Nehmen wir beispielsweise den Fall der Auftragsvergabe. Wenn sich beispielsweise ein Entscheider von Geschenken eines Anbieters und nicht von dessen Preis und Leistung beeinflussen ließe, dann wäre das zum Schaden von BASF. Ähnliches gilt für Kartellverstöße, die Bußgelder bis in den dreistelligen Millionenbereich nach sich ziehen können.

Was geschieht, wenn ein Mitarbeiter trotz des Verhaltenskodex Geschenke annimmt?

Bei Leistungen wie etwa Einladungen zu Geschäftsessen oder kleineren Geschenken im Wert von bis zu 40 Euro wäre dies kein Problem. Wenn eine Zuwendung teurer ist, wird der Mitarbeiter gegenüber dem Vorgesetzten meldepflichtig, und der Mitarbeiter muss das Geschenk in der Regel abgeben. Je nach Einzelfall wird es gespendet oder zurückgeschickt.

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