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Engelmanns Eigenhandel Goldener Herbst bleibt aus

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Parallelen zu 2008

Besucher umlagern auf der Quelle: dpa

Während man in der "Realwirtschaft" noch die vollen Auftragsbücher von heute bejubelt, hat ein trübseliger Pessimismus in Bezug auf die künftige wirtschaftliche Entwicklung längst von den Börsen Besitz ergriffen. Zahlreiche Wirtschaftsindikatoren deuten darauf hin, dass wir schon bald mit einer deutlichen Abkühlung der Konjunktur zu rechnen haben - vielleicht sogar mit einer handfesten Rezession. Der Deutsche Aktienindex (DAX), der seit August schon kräftig Federn hat lassen müssen, spiegelt diese Befürchtungen wider. Schon vergleicht so mancher in der Kulisse die derzeitige Entwicklung mit der im Herbst des Jahres 2008. Und in der Tat: Es gibt Parallelen, die darauf hindeuten, dass uns das Schlimmste noch bevorsteht. Gewiss: Die Ursache der Krise vor nunmehr drei Jahren war eine andere als heute. Damals hatte der Zusammenbruch des U.S.-amerikanischen Immobilienmarktes eine zerstörerische Kettenreaktion ausgelöst, auf deren Höhepunkt die Investmentbank Lehman Brothers Pleite ging und viele andere in- und ausländische Banken durch staatliche Rettungsmaßnahmen gestützt werden mussten, um einen Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems zu verhindern. Heute sind es die Staaten selbst - und hier vor allem die europäischen - die durch die Schieflage ihrer Haushalte zum Auslöser schwerwiegender Probleme werden könnten. Doch egal, was im Einzelnen die Krise im Jahre 2008 und die in diesem Jahr ausgelöst hat, in ihrem Verlauf scheinen sie sich zu ähneln.

Bund-Rendite unter dem Leitzins

Erinnern Sie sich noch an den Sommer des Jahres 2008? Im Juli erhöhte die Europäische Zentralbank damals den Leitzins. Ein kräftiger Anstieg der Rohstoffpreise hatte den Zentralbankrat zu diesem Schritt bewogen. Auch in diesem Jahr erhöhte die EZB den Leitzins: im April und im Juli. Ein Anstieg der Inflation in der Euro-Zone hatte die Notenbanker zum Handeln bewogen. Wichtiger noch aber als die Parallelität der Zinserhöhungen ist, was danach geschah. Einen Monat, nachdem die EZB den Leitzins im Jahre 2008 erhöht hatte, sank die Rendite von Bundesanleihen mit zweijähriger Restlaufzeit unter den Leitzins, die Differenz der beiden Zinssätze wurde negativ. Gemeinhin reagieren die Renditen zweijähriger Bundesanleihen deutlich auf Veränderungen der Notenbankpolitik. Allerdings nicht in entgegen gesetzter Richtung! Dass die Renditen der Bundesanleihen damals sanken, obwohl die EZB den Leitzins kurz zuvor erhöht hatte, spiegelte den schlagartig eingetrübten wirtschaftlichen Ausblick und die Turbulenzen an den Kapitalmärkten wider. Nach dem genau gleichen Muster verlief die Entwicklung in diesem Jahr. Nach der zweiten Leitzinserhöhung durch die EZB im Juli sank die Rendite zweijähriger Bundesanleihen binnen 24 Stunden unter den Leitzins. Und dort ist sie noch heute!

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