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Engelmanns Eigenhandel

Inflation am Käsestand

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Der Präsident der Deutschen Quelle: dapd

Normalerweise zählt eine kryptische Ausdrucksweise zu den Kernqualifikationen, über die man verfügen muss, will man bei einer Notenbank Karriere machen.  Zwar ist der Großmeister verwirrenden "Zentralbanker-Sprechs", der vormalige Präsident der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, Alan Greenspan, mittlerweile im (Un-) Ruhestand und findet auf Vorträgen plötzlich ungewöhnlich klare Worte, die ihm kaum ein Beobachter der Szene je zugetraut hätte. Doch seine noch aktiven Kollegen rund um den Globus bewahren normalerweise das Erbe des großen Vorsitzenden.  

Zu Beginn von Trichets Ausführungen sah auch alles danach aus, als sei die neue Einschätzung der Notenbank hinsichtlich der Inflationsentwicklung nur von im Sprachgebrauch der Szene geübten Volkswirten zu entschlüsseln. Bezeichnete der EZB Chef das aktuelle Leitzinsniveau von einem Prozent in den vergangenen Monaten stets als "angemessen", so wurde daraus nun ein "noch angemessen". Als Trichet dann aber auch noch auf die letzte Zinserhöhung der EZB im Sommer 2008 verwies, mit der die Notenbank damals auf einen überraschend starken, weltweiten Inflationsschub reagiert und angesichts der schon damals tobenden Finanzkrise heftige Kritik auf sich gezogen hatte, wurde auch dem letzten Zuhörer klar, dass wohl noch in diesem Jahr mit einer Zinserhöhung seitens der EZB zu rechnen sein dürfte.  

Nachfolger laufen sich warm

"Wäre ein solcher Zinsschritt dann das "offizielle" Signal zur derzeit so viel besprochenen Zinswende?", so fragt sich die Kulisse. Spannender aber noch als die Frage, ob die Zinsen nach zwei Jahrzehnten nahezu ununterbrochenen Abschwungs nun deutlich und dauerhaft ansteigen werden, erscheint mir die, ob ein solches Umschwenken in der Politik der EZB auch Auswirkungen auf die Nachfolge Trichets haben wird. Der Franzose scheidet im Oktober dieses Jahres aus dem Amt und schon seit geraumer Zeit laufen sich die Kandidaten um den Führungsposten in der Notenbank warm.   Weber, der Falke

Sollte die Preissteigerungsrate in der Euro-Zone weiter deutlich über der Zielmarke der EZB von 2 Prozent liegen, so hätte ein Falke sicherlich größere Chancen auf den Chefsessel als eine Taube. Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, schwebt als solcher schon lange über dem Geschehen - die anziehenden Preise könnten ihn deshalb vielleicht im Herbst auf Trichets Posten landen lassen. Denn nichts fürchten die Deutschen, die in dieser Personalie sicher ein bedeutendes Wörtchen mitzureden haben, mehr als die Inflation. Ein Falke, also ein Freund eines restriktiven Notenbankkurses, dürfte der deutschen Politik deshalb sympathischer erscheinen als eine Taube.   Draghi, die Taube?

Als eine solche gilt der der italienische Notenbankgouverneur Mario Draghi, ebenfalls aussichtsreicher Anwärter auf das hohe Amt. Ob  das,   was für den Spatz in der Hand gilt, nämlich dass man ihn lieber hat als die Taube auf dem Dach, auch in Bezug auf den Falken in der Luft zutreffend ist? Axel Weber steht jedenfalls für die stets streng an der Wahrung des Geldwertes orientierte frühere Politik der Deutschen Bundesbank.  Allerdings dürfte er sich mit einer Äußerung aus dem Frühjahr 2010 in den finanziell angeschlagenen Staaten der Euro-Zone keine Freunde gemacht haben.  

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