WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Engelmanns Eigenhandel

Kölscher Klüngel zwischen Peking und Athen

Seite 2/2

Wer den Euro angesichts der Turbulenzen am europäischen Rentenmarkt bereits zur Jahresmitte für tot erklärt hatte, handelte verfrüht. Totgesagte leben länger - zumal dann, wenn ein mächtiger Investor wie die chinesische Regierung ihr Interesse bekundet, im europäischen Währungsraum zu investieren. Und wer zwischen den Zeilen lesen kann, dem dürfte nicht entgangen sein, dass China sogar über Käufe von Staatsanleihen anderer Länder der Euro-Zone nachdenkt. "China wird große Anstrengungen unternehmen, um die Länder der Euro-Zone zu unterstützen und Griechenland ein Überwinden der Krise zu ermöglichen." Das erklärte der chinesische Ministerpräsident bei seiner Stippvisite in Athen.

Diese Äußerung könnte man auf zweierlei Weise interpretieren. Zum einen dahingehend, dass sich die Chinesen der großen Bedeutung der Zahlungsfähigkeit Griechenlands für viele Länder Europas bewusst sind. Erinnert sei an dieser Stelle nur an die Milliarden und Abermilliarden griechischer Anleihen, die sich auf den Büchern vornehmlich deutscher und französischer Banken befinden. Ebenso gut könnte man Wen Jiabaos Worte aber auch als eine zwar noch schüchtern vorgebrachte, nichtsdestotrotz aber gültige Zusage verstehen, zukünftig auch die Anleihen anderer Staaten der Euro-Zone zu kaufen. Wer den Europäern eher zutraut, ihre Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen als den Amerikanern, der könnte beispielsweise außer in griechische Anleihen auch in die Irlands investieren. Auch hier sind derzeit am langen Ende Renditen oberhalb der  sechs  Prozent erzielbar. Vielleicht sind die Chinesen bald für halb Europa "echte Fründe". Oder halb Europa für die Chinesen echte Pfründe.

Geht Gold jetzt unter?

Was auch immer die Motive der Chinesen sind: Die Lage an den Märkten stabilisiert sich dieser Tage weiter. Anleihen aus Ländern der Euro-Land Peripherie verlieren nicht weiter an Wert und Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit - Krisen- und Wirtschaftsbarometer Nummer eins - handeln bereits seit vier Wochen impulslos seitwärts. Und lassen so jegliches Gefühl einer sich verstärkenden Krise vermissen. Der Euro tendiert weiter freundlich und auch ein Akitenmarktcrash aus Sorge um ein dramatisches Abflauen der Konjunktur ist bislang ausgeblieben. Wenn jetzt auch noch das Gold in eine Seitwärts- ,  vielleicht sogar eine "Seitwärts-Abwärts-Bewegung" übergeht, wäre das Glück für hoffnungslose Optimisten wie mich perfekt.

Hinweis: Herr Engelmann ist Mitarbeiter der Citigroup in Deutschland. Der von ihm verfasste Artikel gibt allein seine persönliche Meinnug wieder und ist keine Analyse, Beratung oder Empfehlung der Citigroup.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%