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Engelmanns Eigenhandel

Orakel von Oberhausen: Krake Paul und die ungewisse Zukunft

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Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte bei der Citi

Erinnert sei in diesem Zusammenhang nur an Myron Scholes und Robert Merton, ihres Zeichens immerhin Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften, die mit ihrem Hedge Fond "Long Term Capital Management" baden gingen, weil sie bei ihrer im Grundsatz sicherlich fundierten Analyse der Märkte die menschliche Komponente außer Acht gelassen hatten. An der Börse gilt immer noch, was Händler volkstümlich in dem Satz zusammenfassen, wonach die Ente am Ende…na, Sie wissen schon!

In der vergangenen Woche beschäftigte ich mich an dieser Stelle mit der zukünftigen Entwicklung griechischer Staatsanleihen. Die Frage, ob diese Anleihen ganz, in Teilen oder überhaupt nicht zurückgezahlt werden, erhitzt seit Jahresbeginn die Gemüter und ist ein schönes Beispiel dafür, wie unterschiedlich die Menschen in die Zukunft schauen. Jeder hat da so seine eigene Meinung. Viele sind pessimistisch, glauben nicht daran, dass die griechische Regierung die beschlossenen Sparmassnahmen umsetzen wird, rechnen vor, dass die Krise in nichts anderem als einem Staatsbankrott münden kann - selbst wenn die drakonischen Einschnitte tatsächlich Realität werden.

Ich respektiere diese Einschätzung, lasse sie selbstverständlich auch in meine Überlegungen mit einfließen. Trotzdem bin ich anderer Meinung, sehe optimistisch in die Zukunft, glaube an die Griechen und deren Kraft zur Erneuerung und auch an den europäischen Gedanken! Wer hat recht? Wer unrecht? Zum heutigen Zeitpunkt jeder und keiner!

Waghalsige Prognosen

Auch die Frage, ob die Renditen im Euro-Land weiter fallen oder endlich einmal ansteigen, ist eine, zu der man unterschiedlicher Meinung sein kann. Die einen sehen den Markt in einer neuen Ära, halten Renditen zehnjähriger Bundesanleihen von zwei Prozent und weniger für das wahrscheinlichste Szenario, verweisen auf die anhaltende Flucht in Sicherheit und darauf, dass von aufkeimender Inflation weit und breit nichts zu erkennen ist.

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    Die anderen halten die hohen Kurse erstklassiger Staatsanleihen für die nächste Jahrhundertblase, fürchten angesichts ausufernder Verschuldung und unkonventioneller Maßnahmen der Notenbank die Geldentwertung und erachten auch die Sorgen um einen möglichen Default in Ländern der Euro-Land Peripherie und somit auch den durch Fluchtbewegungen in Bunds ausgelösten Höhenflug deutscher Staatsanleihen für überzogen. Ich persönlich neige auch zu dieser Meinung. Wer hat recht? Wer unrecht? Zum heutigen Zeitpunkt jeder und keiner.

    Verdienter Blick in die Kristallkugel

    Auch zur Entwicklung des Dax, des Euro und vieler anderer Märkte sind die Meinungen vielfältig und zahlreich. Im ewigen Kampf der Bullen und Bären, im Kampf um Erfolg oder Misserfolg entscheidet am Ende der unbestechlichste und unparteiischste Schiedsrichter der Welt: der Markt! Und erst wenn er sein Urteil gefällt hat, wird man wissen, wer heute recht und wer unrecht hatte.

    Nur einer - so er sich denn mit Fragen des Finanzmarktes befassen würde - könnte wohl schon heute die Zukunft der Kurse treffsicher vorhersagen: der Tintenfisch Paul. Doch der wird nicht mehr lange genug leben, um noch von Sport- auf Börsenexperte umzuschulen, weshalb ich Christian Wulff auch raten würde, zunächst ihn und erst dann "Jogi" Löw mit dem Bundesverdienstkreuz zu ehren. Der Bundestrainer und seine Spieler haben uns zwar viel Freude gemacht, aber Paul hat die Menschen mit seinem Blick in die Kristallkugel fasziniert und wäre ein würdiger Träger jenes Ordens.

    Hinweis: Herr Engelmann ist Mitarbeiter der Citigroup in Deutschland. Der von ihm verfasste Artikel gibt allein seine persönliche Meinung wieder und ist keine Analyse, Beratung oder Empfehlung der Citigroup.

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