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Engelmanns Eigenhandel

Wiederholt sich die Geschichte?

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Renditedifferenzen wie damals   

Die Differenz (Spread) zwischen der Rendite zweijähriger Bundesanleihen und dem Leitzins der EZB erreichte kurz vor der Zinserhöhung im Juli 2008 mit knapp 70 Basispunkten einen Hochpunkt und sank anschließend kontinuierlich. Ein vergleichbares Bild ergibt sich in diesem Jahr: Zwei Tage vor der Erhöhung des Leitzinses am 7. April 2011 erreichte die Differenz zwischen den Renditen zweijähriger Bundesanleihen und dem Hauptrefinanzierungssatz ein Hoch bei 82 Basispunkten. Seitdem sank der Spread auf 31 Basispunkte.Auch die Differenz zwischen der Rendite zweijähriger Bundesanleihen und der ihrer amerikanischen Pendants mit gleicher Restlaufzeit erinnert stark an die Entwicklung  von vor 3 Jahren. Im April 2008 erreichte dieser Spread ein Hoch bei einem Wert von knapp über 220 Basispunkten, bevor er danach steil abfiel. In diesem Jahr erreichte die Differenz zwischen zweijährigen Bundesanleihen und U.S.-Treasuries am 4. Mai ein Hoch bei circa 130 Basispunkten. Dem folgte wiederum ein deutlicher Abfall bis auf 108 Basispunkte. Tendenz: fallend. Da weitere Renditerückgänge amerikanischer Staatsanleihen eher unwahrscheinlich sind, dürfte ein Zusammenlaufen dieses Spreads in Zukunft hauptsächlich sinkenden Bund-Renditen geschuldet sein.  

Technische Analyse

Auch der Blick auf das Verhältnis des Euro zum Dollar deutet auf Parallelen zwischen den Jahren 2008 und 2011. Schon im Vorfeld der Zinserhöhung durch die EZB kam es ab Februar 2008 zu einem deutlichen Anstieg des Euro gegenüber dem Dollar. 12 Tage nach der Zinserhöhung durch die EZB erreichte die Gemeinschaftswährung ihr "Allzeit-Hoch" bei 1,6038, bevor sie sich anschließend deutlich abschwächte. Ähnliches ist auch in diesem Jahr zu beobachten: Einem Hochpunkt 27 Tage nach der Zinserhöhung folgte eine Abschwächung, die einen Test des gleitenden Durchschnitts der vergangenen 200 Tage, der bei circa 1,37 liegt, möglich erscheinen lässt.Die Rohstoffpreise steigen nicht länger. Ein Blick auf den Verlauf des "CRB Commodity Index" und den des Preises für Öl (Crude) zeigt dabei ähnliche Entwicklungen in den Jahren 2008 und 2011. Erst ein lang andauernder Anstieg, dann ein Abfall der Notierungen. Die Rendite zweijähriger Bundesanleihen sank von einem Hoch bei 1,94 Prozent am 5. Mai 2011 auf nunmehr 1,59 Prozent. Freunde der technischen Analyse wissen, dass sie damit unterhalb des gleitenden Durchschnitts der vergangenen 55 Tage handelt - Tendenz fallend. Der ebenfalls viel beachtete gleitende Durchschnitt der vergangenen 200 Tage könnte ein Renditeziel vorgeben: 1,06 Prozent. Sinkende Renditen zweijähriger Bundesanleihen, die ganz allgemein als Gradmesser der Markterwartungen in Bezug auf die Geldpolitik der EZB gelten, könnten ebenfalls ein Indiz dafür darstellen, dass weitere Zinserhöhungen durch die Notenbank ausbleiben. Auch im Jahre 2008 sanken nämlich die Renditen zweijähriger Bundesanleihen deutlich ab, und zwar schon,  bevor die EZB offiziell erneut eine Wende vollführte.

Absturz der Weltkonjunktur

Wiederholt sich also die Geschichte? Eine Reihe von Indizien deutet darauf hin, dass dies in Bezug auf die Geldpolitik der Notenbank der Fall sein könnte. Wünschen sollte man es sich indes nicht. Denn 2008 reagierte die EZB mit ihrem geldpolitischen Schwenk auf die Krise im Finanzsektor, deren traurigen Höhepunkt der Konkurs der Investment Bank Lehman Brothers markierte und die im Endeffekt zu einem brutalen Absturz der Weltkonjunktur führte. Erste Hinweise, wohin die Reise in Sachen Geldpolitik geht, werden am Donnerstag der nächsten Woche erwartet, wenn Jean Claude Trichet die interessierte Weltöffentlichkeit während einer Pressekonferenz über die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage und der Inflationsentwicklung durch die EZB informieren wird. Fällt hier das Wort von der "starken Wachsamkeit" (strong vigilance), dann wissen wir, dass sich Geschichte eben doch nicht wiederholt  -  und meine heutige Kolumne nicht mehr als der 3.520.001-ste Beitrag ist, den man auf Google zu diesem Thema finden.       

Hinweis: Herr Engelmann ist Mitarbeiter der Citigroup in Deutschland. Der von ihm verfasste Text gibt allein seine persönliche Meinung wieder und ist keine Analyse, Beratung oder Empfehlung der Citigroup.

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