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Expertenkolumne Gesellschafterdarlehen steueroptimal nutzen

Vorsicht bei Darlehensverträgen zwischen Gesellschaften und ihren Gesellschaftern: Wer „seiner“ Firma Geld leiht, kann den Kredit steuerlich nicht abschreiben, wenn das Unternehmen in Schieflage gerät.

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Marcus Hornig Quelle: Arndt Sauerbrunn / S7udio

Der Bundesfinanzhof hat in einer aktuellen Entscheidung  (Urteil vom 02.04.2008, IX R 76/06) bestätigt: Wer an einer Kapitalgesellschaft mit mindestens einem Prozent beteiligt ist, sollte bei der Vergabe von Darlehen vorsichtig sein. Denn: Gewährt er ihr in guten Zeiten ein Darlehen ohne klare und eindeutige Regelung, was damit im Krisenfalle passieren soll, wirken sich seine Verluste aus der Beteiligung steuerlich nicht mehr aus. Zumindest dann, wenn aus der Krise später eine Insolvenz der Gesellschaft wird.

Dabei sind Gesellschafterdarlehen im Mittelstand ein probates Mittel, um die gerade gegründete GmbH mit ausreichend Liquidität zu versorgen, ohne sich frühzeitig von Banken abhängig zu machen. Auch kurzzeitige Liquiditätsengpässe bei einer Betriebserweiterung können damit schnell und unbürokratisch gestopft werden.

Solange es der Gesellschaft gut geht, gibt es für beide Seiten keine steuerlichen Probleme. Und beim Verkauf der Unternehmensanteile muss der Gewinn versteuert werden. Aus privaten Gewinnen werden steuerpflichtige gewerbliche Einkünfte. Im umgekehrten Fall, einem Verlust aus der Beteiligung bei Insolvenz der GmbH, gilt das mit einer wesentlichen Einschränkung.

Lässt ein Gesellschafter zu einem Zeitpunkt, in dem ein Dritter der Firma kein Geld mehr leihen würde, sein vorher gewährtes Darlehen stehen, kommt ihn das nun teuer zu stehen. Seine Darlehen werden ihm in aller Regel wegen Zahlungsunfähigkeit nicht mehr zurückgezahlt. Hat der Gesellschafter auch noch gegenüber den Banken Bürgschaften abgegeben, nehmen die ihn im Zweifel auch noch aus den Bürgschaften in Anspruch. Und als wenn dies alles nicht schon schlimm genug wäre: Der Fiskus kann noch eine „Schippe“ oben drauf legen - nun auch mit Rückendeckung des höchsten deutsche Finanzgerichts, dem BFH.

Der verwehrt dem Gesellschafter nämlich die Flucht an das rettende Ufer. Die Zauberworte heißen Darlehen mit „Eigenkapital-ersetzendem Charakter“. Damit werden Kredite bezeichnet, die als Fremdmittel zwar in der Bilanz der Gesellschaft auszuweisen sind, aber im Krisenfall wie Eigenkapital zu behandeln sind. Mit der Folge, dass diese Kredite sich für den Gesellschafter steuermindernd auswirken.

Abziehbarkeit bei AGs

Diese Erfahrung musste im konkreten Fall auch ein mit knapp 40 Prozent an einer GmbH beteiligter Gesellschafter machen. Er hatte seiner Firma ein Darlehen gegeben und darüber hinaus sich auch noch privat verbürgt.

Leider vergaß er, mit der Gesellschaft zu vereinbaren, was bei einer Schieflage passieren soll. Zwischenzeitlich war die GmbH auch noch in eine Aktiengesellschaft (AG) umgewandelt worden. Mit der Folge, dass sich sein Anteilsbesitz auf 13 Prozent verringerte. Er handelte auch trotz einer sich abzeichnenden Zahlungsunfähigkeit der AG nicht.

Hätte er der GmbH vor der Umwandlung ein krisenbestimmtes Darlehen oder ein Finanzplandarlehen gewährt, hätte er nach eingetretener Insolvenz der AG das Darlehen steuerlich abschreiben können. Weil er dies nicht tat, bestimmte sich die Abziehbarkeit des Darlehens bei ihm nach Aktienrecht und nicht mehr nach GmbH-Gesetz.

Das Aktienrecht macht die Abziehbarkeit allerdings von einem Aktienbesitz von mehr als 25 Prozent abhängig. Pech für den Gesellschafter, denn der ging noch von der für GmbH-Beteiligungen geltenden Ein-Prozent-Grenze aus.

Mitarbeiterin des Quelle: dpa

Bei richtiger steuerlicher Gestaltung wären neben den Startkosten für die GmbH auch noch das Darlehen und die Kosten der Inanspruchnahme seiner Bürgschaft steuerlich absetzbar gewesen.

Einen Rettungsanker gibt es: Dafür muss der Gesellschafter bei einer Beteiligung unter 25 Prozent allerdings wesentlichen Einfluss auf die Unternehmensführung nehmen können, beispielweise im Rahmen eines Konsortialvertrages, bei dem sich mehrere Aktionäre mit einem Aktienpaket von insgesamt mehr als 25 Prozent auf ein abgestimmtes Handeln einigen. Ein Aufsichtsratsmandat oder ein Sitz im Vorstand reichen nicht.

Derartige böse Überraschungen lassen sich in der Praxis mit einfachen Mitteln vermeiden. Daher sollten bei Darlehensvereinbarungen zwischen GmbH und ihren Gesellschaftern immer folgende Punkte beachtet werden.

Auf jeden Fall sollte der Gesellschafter auf eine ausreichende, rechtzeitige Krisenwidmung achten, die seinen Gesellschafterwillen eindeutig und gut dokumentiert. Dies sollte am besten vor Eintritt einer Schieflage geschehen, indem er das Darlehen mit einem sogenannten „qualifizierten“ Rangrücktritt verbindet.

Beim qualifizierten Rangrücktritt tritt die Darlehensforderung nicht nur hinter die Forderungen aller anderen Gläubiger zurück, sie darf nur aus dem frei verfügbaren Jahres- oder Liquidationsüberschuss oder aus dem die sonstigen Verbindlichkeiten der Gesellschaft übersteigenden frei verfügbaren Vermögen geglichen werden - und nur nach der Befriedigung sämtlicher Gläubiger und vor den Einlagerückgewähransprüchen der anderen Gesellschafter. Der qualifizierte Rangrücktritt führt somit dazu, dass die Verbindlichkeit in der Überschuldungsbilanz nicht auszuweisen ist. Kommen keine weiteren Bankschulden dazu, kann dies die Gesellschaft möglicherweise vor der Insolvenz bewahren. Gelingt die Rettung dann nicht mehr, kann der Gesellschafter das Darlehen steuermindernd geltend machen.

Finanzplandarlehen als Lösung

Noch besser sind sogenannte Finanzplandarlehen. Diese können ab Gründung der Gesellschaft oder bei Betriebserweiterungen gewährt werden, die von vornherein in die Finanzplanung der Gesellschaft miteinbezogen werden und somit krisenunabhängig versprochen werden. Kombiniert werden sollten diese mit einem grundsätzlichen Rückforderungsausschluss und einer Erfüllungspflicht - auch in der Krise.

Steht über der Vereinbarung nicht klar und deutlich „Finanzplandarlehen“, kommt es darauf an, genug Indizien zu sammeln, die für ein solches Darlehen sprechen. Dies sind beispielsweise besonders günstige Kreditkonditionen, lange Laufzeiten für das Darlehen, fehlende einseitige Kündigungsmöglichkeiten oder die Unentbehrlichkeit der hingegebenen Geldbeträge.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entscheidung sollten alle Darlehensverträge zwischen Gesellschaft und ihren Gesellschaftern steuerlich geprüft werden. Denn anderenfalls könnte es teuer werden.

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