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Finanzkrise Falschberatung: Banken vor Gericht

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Aktienkurse von Hypo Real Estate, UBS und IKB seit drei Jahren

Das Problem bei Falschberatungsklagen ist allerdings, dass Kunden in der Beweispflicht sind. Das heißt, sie müssen belegen, dass ihr Kundenbetreuer ihnen entscheidende Informationen vorenthalten hat – also zum Beispiel die Herabstufung des Lehman-Ratings oder die von der Bank eingestrichene Vertriebsprovision. Oft steht vor Gericht Aussage gegen Aussage.

Gute Karten haben Kunden, die beim Beratungsgespräch einen Zeugen dabei- hatten. Wenn nicht, können Geschädigte in die juristische Trickkiste greifen: „Wer die Ansprüche gegen die Bank an ein Familienmitglied abtritt, kann selbst als Zeuge aussagen“, sagt Müller-Helle. „Dieses Vorgehen wird von den Gerichten akzeptiert.“

Klar ist aber auch: Die Gerichte haben bei Falschberatungsklagen großen Ermessensspielraum, immer wieder müssen Anleger selbst in klaren Fällen bis zum BGH ziehen. Geschädigte sollten deshalb zunächst bei ihrer Bank vorfühlen und nicht direkt Klage einreichen. Einige Institute haben angedeutet, sich kulant zeigen zu wollen. Deshalb gilt: konstruktiv verhandeln, statt der Wut freien Lauf zu lassen.

Unabhängig von Schadensersatzforderungen sollten Anleger nicht vergessen, ihre Ansprüche im Lehman-Insolvenzverfahren anzumelden. Fungierte wie in vielen Fällen der niederländische Ableger Lehman Brothers Treasury als Emittent, sollten Betroffene dem vorläufigen Insolvenzverwalter, der holländischen Kanzlei Houthoff, eine E-Mail mit Angaben zur Person und den gekauften Zertifikaten schicken. Houthoff hat eine E-Mail-Adresse eingerichtet: info.lbtreasurybv@houthoff.com. Zusätzlich sollten sich Betroffene an den amerikanischen Insolvenzverwalter und die US-Entschädigungsbehörde SIPC wenden. Detaillierte Informationen gibt es im Internet (www.lehman.com/newsroom).

Fonds Der Insolvenzverwalter aus dem Norden der Republik schäumt vor Wut. Als er das Restvermögen eines insolventen Mittelständlers, knapp eine Million Euro, sicher parken wollte, hatte er Ende 2007 bei der Bank nach Anlagemöglichkeiten gefragt. Eine Bankerin empfahl einen Geldmarktfonds – „obwohl ich mehrfach betont habe, dass ich was ohne Verlustrisiko will“. Die Kundenbetreuerin habe ihm gebetsmühlenartig versichert, dass der Fonds so sicher wie Tagesgeld sei, aber etwas höhere Zinsen abwerfe.

Auch einige der vermeintlich krisenfesten Geldmarktfonds haben an Wert verloren

Von wegen: Der Fonds aus dem Hause Pioneer rutschte wegen der Finanzkrise um mehr als sieben Prozent ins Minus. Das ist im Vergleich zu vielen Bankaktien und Zertifikaten zwar überschaubar, für ein als risikofrei verkauftes Papier aber eine Katastrophe. Den Verlust von einigen Tausend Euro muss der Insolvenzexperte jetzt womöglich aus eigener Tasche erstatten. Allerdings hofft er noch, dass die Bank ihm entgegen- kommt – und will deshalb vorerst nicht vor Gericht ziehen.

Andere Anleger haben nicht lange gefackelt und ihre Bank verklagt. Zum Beispiel ein betuchter Sparer, dem sein Banker im Juli 2007 den UniMoneyMarket Euro Corporates ans Herz gelegt hatte. Dieser verlor danach rund zehn Prozent seines Wertes, andere Geldmarktfonds sind noch tiefer gefallen (siehe Tabelle). Das Problem: Viele Fondsmanager wollten die Rendite durch Investitionen in Asset Backed Securities (ABS) aufpeppen – und sind auf die Nase gefallen, weil sich hinter dem schönen Namen oft riskante US-Hypotheken verbargen. Besonders ärgerlich für Anleger: Obwohl die Fonds als Tagesgeldersatz verkauft wurden, fallen sie nicht unter die Staatsgarantie für Spareinlagen.

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