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Finanzkrise Falschberatung: Banken vor Gericht

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Georg Funke, ehemaliger Quelle: AP

Aktien Vergangene Woche hat Georg Funke endlich seinen Chefsessel geräumt. Nach langem Widerstand verließ er die Hypo Real Estate (HRE) – jene Bank, die Ende September mit einem milliardenschweren Paket vor der Pleite gerettet werden musste. Dabei hatten Funke & Co. 2007 noch vor Selbstbewusstsein gestrotzt: Aus der Finanzkrise seien „keine negativen Belastungen“ für die Bank zu erwarten, teilte die HRE am 3. August nach der Beinahe-Insolvenz des Mittelstandsinstituts IKB mit. „Selbst wenn es zu einem vollständigen Zusammenbruch des Subprime-Marktes käme, wäre dies im Rahmen unserer kalkulierten Risikovorsorge mehrfach abgedeckt.“ Am 14. Januar musste das Management zähneknirschend einen Abschreibungsbedarf von 390 Millionen Euro einräumen, blieb aber selbstsicher: „Unser Team hat einen Super-Job gemacht“, sagte Funke. Die Börsianer sahen das anders, die Aktie fiel nach dem Geständnis von 33 auf 22 Euro. Derzeit pendelt sie zwischen vier und fünf Euro. Auch die jetzige Beinahe-Pleite traf Investoren völlig überraschend. Zahlreiche Aktionäre haben Anwälte beauftragt, Schadensersatz geltend zu machen. Sie reklamieren, dass sie nie HRE-Aktien gekauft hätten, wenn Funke mit offenen Karten gespielt hätte. Anlegerkanzleien sammeln deshalb derzeit akribisch Belege für einen Verstoß des Managements gegen Ad-hoc-Pflichten vor dem 14. Januar – und jetzt auch vor dem abgewendeten Crash im September. Mit Klagen warten die meisten Anwälte, womöglich liefern die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und der Bankenaufsicht BaFin ja wichtige Erkenntnisse.

Doch auch Prozesse wegen Ad-hoc-Verstößen sind heikel. Anleger müssen die Richter überzeugen, dass das Management früher vom Ausmaß der Probleme wusste. Und Beweise für interne Vorgänge zu finden, ist schwierig. Zudem ist oft schwer bestimmbar, wann der Zeitpunkt für eine Ad-hoc-Mitteilung erreicht gewesen wäre. Auch hier haben Richter großen Ermessensspielraum.

Wie knifflig Aktionärsklagen sein können, zeigt der Fall IKB: Das Landgericht Düsseldorf hat im Sommer die ersten beiden Klagen abgewiesen. Nach Ansicht der Richter konnten die Kläger nicht beweisen, dass sie wegen der falschen Nachricht der IKB am 20. Juli 2007 investiert hatten – die Bank hatte mitgeteilt, dass die Finanzkrise „praktisch keine Auswirkungen auf die Ertragslage“ habe. Alle drei Anleger waren wenige Tage danach eingestiegen. Hunderte Klagen sind noch anhängig.

Bessere Chancen haben Aktionäre der UBS. Gegen das Schweizer Institut ist eine US-Sammelklage angelaufen. Nach Ansicht der New Yorker Anwältin Deborah Sturman hat die UBS „die Öffentlichkeit viel zu spät über das Ausmaß ihrer Probleme informiert“. Entscheiden die amerikanischen Richter im Sinne der Kläger, können auch deutsche Anleger profitieren.

Die Münchner Rentnerin, die um ihre Royal-Bank-of-Scotland-Anleihe bangt, will vorerst nicht vor Gericht ziehen – sondern abwarten, ob die Bank überlebt. „Wenn ja, steigt meine Anleihe bestimmt wieder.“ Die Hoffnung kann ihr niemand nehmen. Zuletzt klebte das Papier tief im Minus.

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