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Finanzkrise Rückzugsgefechte der Superstars

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Das Logo von Finanzinvestor Quelle: AP

Statt ein Geschäft nach dem anderen einzufädeln, kurz abzuwarten und dann das Geld wieder herauszuziehen, müssen die Finanzinvestoren ihre Unternehmen jetzt ernsthaft auf Ertrag trimmen. ,Buy, Strip and Flip‘ – das war einmal. Die Zeit der schnellen Deals ist vorbei.

So hat Blackstone damit begonnen, bei den für 26 Milliarden Dollar übernommenen Hilton-Hotels alles auf den Kopf zu stellen. Manager werden gefeuert, Sparpotenziale erkundet, Synergien gesucht. Das ist auch nötig: Unterstellt man bei Hilton einen ähnlichen Wertverlust wie ihn Aktien von Hotelketten zuletzt an der Börse erfahren haben, ist das von Blackstone investierte Eigenkapital bereits verballert. Neue Deals fallen viel bescheidener aus, der Kreditanteil an der Finanzierung ist von 80 auf nur noch gut 50 Prozent gefallen. So gab Blackstone vor wenigen Tagen eine Mini-Beteiligung von gerade mal 60 Millionen Dollar an dem indischen Logistik-Unternehmen Allcargo bekannt.

Vor einem Jahr standen noch ein paar Nullen mehr hinter den Zahlen. Henry Kravis, den die „New York Times“ ehrfurchtsvoll als einen von „Wall Streets ältesten Meistern“ bezeichnete, startete mit seiner Private-Equity-Gesellschaft KKR im Februar 2007 den Angriff auf den Energie-handelsriesen TXU, der zum größten Leveraged-Buy-out aller Zeiten wurde. Beim Abschluss im Oktober standen 45 Milliarden Dollar auf der Uhr. „Gratuliert uns nicht, wenn wir eine Gesellschaft kaufen, gratuliert uns, wenn wir sie verkaufen“, so Kravis, „denn jeder Narr kann zu viel bezahlen, wenn er nur genug Geld dafür hat.“ Jetzt hat er wieder weniger Geld und die mit KKR verbundene börsennotierte KKR Financial Holdings Umschuldungsprobleme. Den Börsengang mit der eigenen Management-Holding musste Kravis sogar absagen.

Auf dem Höhepunkt des Private-Equity-Booms im vergangenen Jahr könnten einige der Hauptdarsteller ihrer eigenen Wir-können-alles-Mentalität zum Opfer gefallen sein. Insgeheim bereuen mag seinen Wagemut vor allem Stephen Feinberg. Der Gründer von Cerberus kaufte 2006 für 14 Milliarden Dollar 51 Prozent an der General-Motors-Finanzierungsgesellschaft GMAC. Dann befreite er Daimler von Chrysler, bekam das Unternehmen praktisch geschenkt. Feinberg hatte die Vision von einem Konglomerat, das die Autoindustrie revolutionieren und der Branche beweisen sollte, dass man in den USA mit Autos Geld verdienen könne. Heute macht GMAC gigantische Verluste, allein im vergangenen Jahr 2,3 Milliarden Dollar – und Chrysler steht nach wie vor auf der Kippe. Feinberg muss nun versuchen, seine nervösen Investoren zu beruhigen. „Die gute Nachricht ist“, schreibt er ihnen in einem neunseitigen Brief, „wir haben GMAC billig genug gekauft, sodass wir mit unserem Gesamtinvestment selbst bei allen schlechten Nachrichten im Hypotheken- und Kreditmarkt immer noch in einer vernünftigen Verfassung sind.“ Jetzt werden bei GMAC erst einmal 1000 Leute entlassen.

Den Hedgefonds-Manager Edward Lampert betrachteten noch vor Kurzem viele als den neuen Warren Buffett, der als erfolgreichster Investor aller Zeiten gilt. Lampert, hieß es an der Wall Street, werde aus der Kaufhauskette Sears eine Holding formen, die ähnlich erfolgreich agieren werde wie Buffetts Berkshire Hathaway. Doch Sears steckt heute in großen Schwierigkeiten. Erst brach der Gewinn dramatisch ein, dann der Kurs, Lampert feuerte den Vorstandschef. „In einem großen Unternehmen ist die Struktur sehr, sehr wichtig. Das ist die Sache, die wir nicht richtig hinbekommen haben“, sagt Lampert in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“. Sein Hedgefonds ESL soll 2007 mehr als 25 Prozent verloren haben.

Für Private-Equity-Gesellschaften und Hedgefonds spricht allerdings, dass sie einen großen Teil des Risikos ihrer gewagten Investitionen nicht in den eigenen Büchern haben. Die Kredite sind eher das Problem der Banken. Die wollen, dass die Buyout-Künstler ihre Kredite zurückfahren, mehr Eigenkapital einsetzen, höhere Zinsen zahlen. Sie drängen zum Teil auch auf die Liquidation von verwertbaren Posten. Die Finanzinvestoren pochen dagegen darauf, dass sich Banken an Finanzierungszusagen halten, die zwischen 150 Milliarden und 200 Milliarden Dollar liegen sollen. Dazu zählen Deals wie der bereits im Mai 2007 vereinbarte Kauf von Alliance Data Systems (ADS), einer Service-Gesellschaft für Kreditkartenanbieter. Blackstone bot sechs Milliarden Dollar, der aktuelle Börsenwert von ADS liegt deutlich darunter. ADS versuchte bereits, Blackstone per Gericht zur Vertragserfüllung zu zwingen. Hedgefonds wetten darauf, dass der Deal floppt.

Asiatische oder arabische Staatsfonds haben wegen der Krise nun die Wahl: Investieren sie weiter in krisengeschüttelte Finanzwerte wie Citigroup oder Merrill Lynch? Oder geben sie das Geld besser Schwarzman, Kravis oder Edens? Deren Nimbus wirkt immer noch nach, die Analysten blasen zum Einstieg. Mike Mayo von der Deutschen Bank etwa bekräftigte gerade seine Empfehlung für Blackstone. Ziel: 28 Dollar, 65 Prozent mehr als der aktuelle Kurs. Schwarzman sei Profiteur der Marktverwerfungen, denn er investiere billig in notleidende Anlagen, so Mayo.

Bei der Credit Suisse steht Fortress auf „Kaufen“, Zielmarke 27 Dollar, fast 100 Prozent über dem aktuellen Kurs. Dabei hat sich nach den Berechnungen der Bank allein im vierten Quartal der Wert der „unrealisierten Gewinne von 3,1 Milliarden Dollar auf 1,2 Milliarden Dollar reduziert“. Ein Blick in das Fortress-Portfolio offenbart in der Tat ein Desaster. Die sechs von Credit Suisse aufgeführten Werte – darunter die Beteiligung an der deutschen Immobiliengesellschaft Gagfah – verbuchten innerhalb eines Jahres Verluste bis 68 Prozent.

Die Kaufempfehlungen der Banken sind – wie immer – mit Vorsicht zu genießen. Am Blackstone-Börsengang vor neun Monaten waren alle beteiligt. Viele halten selbst noch Aktien an den Gesellschaften. Heuschrecken waren zudem gern gesehene Kunden. Blackstone allein zahlte 2006 und 2007 rund 1,35 Milliarden Dollar Gebühren für Beratung und Abwicklungsleistungen an Wall-Street-Banken. Solche Partner möchte man nicht vergrätzen. Es könnten ja wieder fettere Jahre kommen.

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