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Finanzkrise Sparkassen im Sog der Landesbanken

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Zwar sind nur einige der Landesbanken so massiv wie BayernLB, LBBW oder HSH Nordbank von der Finanzkrise betroffen, einfach ist die Situation jedoch für keine. Die Landesbank Berlin, zu mehr als 98 Prozent in Besitz der Sparkassen, verzichtet angesichts eines schmalen Gewinns von 29 Millionen Euro auf die Auszahlung einer Dividende an die Aktionäre – also die Sparkassen. Da ist der Verzicht des Vorstandes auf Bonuszahlungen auch nur ein schwacher Trost.

Die Helaba Landesbank Hessen-Thüringen ist zwar bisher glimpflich durch die Finanzkrise gekommen, musste aber dennoch einen Konzernverlust von 44 Millionen Euro für 2008 ausweisen – nach 353 Millionen Euro Gewinn im Vorjahr. Die Belastungen durch die Bilanzkrise hatten sich auf 680 Millionen Euro summiert, die Kernkapitalquote liegt dennoch bei 8,9 Prozent und somit im Zielbereich. Wertpapiere im Volumen von 57 Milliarden Euro bergen noch Risiken, ihr Bestand soll daher in den kommenden Jahren nennenswert reduziert werden, im laufenden Jahr um drei bis vier Milliarden. Dennoch fühlt sich die Helaba stark genug, um ihren Zugang zum Privatkundengeschäft über die Sparkassen weiter auszubauen. Das „Handelsblatt“ meldete, Vorstandschef Hans-Dieter Brenner habe ein Auge auf die Nassauische Sparkasse (Naspa) geworfen. Laut Brenner wäre die Naspa „werttreibend“ für die Helaba, obwohl die Sparkasse als kapitalschwach gilt und ein milliardenschweres Wertpapierportfolio einer Dubliner Tochterbank nach erheblichen Verlusten nicht alleine schultern konnte und es an den regionalen Sparkassenverband weiterreichen musste. Die Risiken und Verluste verbleiben somit in dem Verbund aus Landesbanken und Sparkassen, verteilen sich so aber auf viele Schultern.

Mehrstufige Einlagensicherung

Das mehrstufige System der Einlagensicherung bei den Sparkassen ist es auch, dass den Sparern zusätzlich Sicherheit bietet. Zwar sind die Sparkassen je nach Geschäftsmodell auch mehr oder weniger stark von der Finanzkrise betroffen, aber die Größe des Verbundsystems aus 438 Sparkassen, zehn Landesbanken und der Investmentgesellschaft DekaBank bietet Netz und doppelten Boden. Dass die Sparkassen als Traditionsbanken vor Ort agieren, beschert ihnen in der Finanzkrise einen handfesten Vorteil: Die Sparer tragen ihr Geld aus Sicherheitsstreben zu den Sparkassen, Unternehmer bemühen sich dort um Kredite, die Großbanken oftmals ablehnen. So stiegen die Einlagen laut Sparkassen- und Giroverband um 24,8 Milliarden Euro auf 742,3 Milliarden Euro. Das steigende Geschäftsvolumen erweist sich als wertvolle Stütze des Sparkassensystems, denn obwohl die gewerbliche Kreditvergabe anschwoll, verfügen die Sparkassen über 111 Milliarden Euro mehr Kundeneinlagen als Kredite in den Büchern. So schnell ist da Staatshilfe nicht notwendig, solange sich die Sparkassen gegenseitig und über die Verbandsorganisation helfen. Allerdings darf damit gerechnet werden, dass weitere Sparkassen fusionieren. Seit 1990 hat sich die Zahl der Sparkassen fast halbiert. Die Finanzkrise wird dafür sorgen, dass dieser Trend weiter anhält.  

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