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Finanzkrise Weshalb Banken trotz aller Risikomodelle Milliarden verloren

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Ähnlich sieht das Peter Goldschmidt, Experte für das Risikomanagement von Finanzdienstleistern bei PricewaterhouseCoopers. „Die Realität ist immer komplexer als das beste Modell“, sagt er. Value-at-Risk sei weiter ein geeignetes Risikomaß, um Verluste unter normalen Umständen abzubilden. „Die Banken arbeiten daran, künftig auch Extremsituationen besser erfassen zu können, etwa durch zusätzliche portfolioindividuelle Stresstests“, sagt Goldschmidt.

Vermeiden lassen werden sich Abstürze nicht. Denn auch die Psychologie des Herdentriebs ist wichtig. Er „tanze noch immer auf der Party“, verkündete der damalige Chef der Citigroup, Chuck Prince, kurz vor der Krise. Nur mit riskanten Geschäften konnte er die Renditen liefern, die seine Investoren forderten. Warnsignale wurden in der gesamten Branche ignoriert, solange alles gut lief. Das wird sich auch künftig nur schwer ändern.

Vor allem deshalb steht das Konzept seit Ausbruch der Krise unter Beschuss. Prominentester Kritiker ist der ehemalige Börsenhändler Nassim Nicholas Taleb, der es mit seinem Buch „Der Schwarze Schwan“ zum Finanzkrisenbestseller gebracht hat. Der Glaube an Modelle und Statistiken wiege die Banken in trügerischer Sicherheit, meint Taleb. Historische Erfahrungen würden einfach fortgeschrieben. Dabei kommen ungewöhnliche Ereignisse auf den Finanzmärkten regelmäßig vor, wie die Börsencrashs der vergangenen Jahrzehnte zeigen. Statistische Ansätze wie die Gaus’sche Normalverteilung seien deshalb für Voraussagen völlig ungeeignet. In der Tat erfassten manche Modelle einen Zeitraum, in dem die Immobilienpreise in den USA nur gestiegen waren.

Psychologie des Herdentriebs

„Die Modelle funktionieren an sich gut, sind aber teilweise falsch eingesetzt worden“, meint dagegen Christopher Finger von der Risikoberatung Riskmetrics. Bei vielen Instituten seien Vermögenswerte problematisch klassifiziert, Verbriefungen etwa wie Unternehmensanleihen behandelt worden. Die Banken hätten dabei außer Acht gelassen, dass bei den komplizierten Produkten volkswirtschaftliche Faktoren wie die Immobilienpreise, die Arbeitslosigkeit oder die Leitzinsen eine wichtige Rolle spielen. Risiken wie das Austrocknen der Liquidität ganzer Märkte seien aber tatsächlich nicht vorgesehen gewesen. „Das müssen wir künftig verbessern“, sagt Finger.

Ähnlich sieht das Peter Goldschmidt, Experte für das Risikomanagement von Finanzdienstleistern bei PricewaterhouseCoopers. „Die Realität ist immer komplexer als das beste Modell“, sagt er. Value-at-Risk sei weiter ein geeignetes Risikomaß, um Verluste unter normalen Umständen abzubilden. „Die Banken arbeiten daran, künftig auch Extremsituationen besser erfassen zu können, etwa durch zusätzliche portfolioindividuelle Stresstests“, sagt Goldschmidt.

Vermeiden lassen werden sich Abstürze nicht. Denn auch die Psychologie des Herdentriebs ist wichtig. Er „tanze noch immer auf der Party“, verkündete der damalige Chef der Citigroup, Chuck Prince, kurz vor der Krise. Nur mit riskanten Geschäften konnte er die Renditen liefern, die seine Investoren forderten. Warnsignale wurden in der gesamten Branche ignoriert, solange alles gut lief. Das wird sich auch künftig nur schwer ändern.

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