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Finanzmärkte Kaum mehr Sicherheit durch transparenten Handel

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Lehman-Schock fast überwunden (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Das ist nur ein Bruchteil des bei der DTCC gemeldeten Marktvolumens von 32 Billionen Dollar. Zwar täuscht diese Größe über das Nettovolumen der CDS hinweg, da ein Kreditderivat oft über fünf oder mehr Banken gehandelt wird.

Doch auch unter Berücksichtigung eines grob geschätzt netto nur sechs Billionen Dollar schweren CDS-Marktes ist der Anteil von ICE Clear verschwindend gering. Noch kleiner ist das Geschäft, das bislang von Eurex Credit -Clear gemacht wurde: Bisher sind CDS über 100 Millionen Euro abgewickelt worden. In den USA wickelte Platzhirsch ICE Kreditderivate mit einem Volumen von immerhin 1600 Milliarden Dollar ab, allerdings über einen langen Zeitraum von März bis Juli.

Ein Anfang ist damit gemacht. Die Europäische Union hat einen ersten Sicherheitsblock eingeschoben, der bei der Pleite eines Derivate-Anbieters das Umfallen weiterer Banken wie bei einer Kette von Dominosteinen unterbrechen könnte.

Unerwünschtes Clearing

Ob der Handel nun bald wieder besser läuft, hängt im Wesentlichen „von den Kosten ab. Die Eigenkapitalvorschriften für das Clearing sind für kleinere Marktteilnehmer teilweise happig“, beklagt Michael Stein, Kreditmarktanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zudem möchten die Banken ihre Handelsgeschäfte nicht an einer Börse offenlegen. Ihre Sorge: Die Konkurrenz könnte ihre Strategie nachvollziehen – und die Kunden könnten die neue Transparenz dazu nutzen, um mit den Banken härter um die Konditionen zu verhandeln.

Auf diese Weise könnten die neuen Regeln die Einnahmen aus dem Derivate-Handel deutlich reduzieren. „Die Gewinnmarge der Investmentbanken wird definitiv sinken, wenn Kreditderivate zentral abgewickelt werden“, sagt Jochen Felsenheimer, der für den bankunabhängigen Finanzdienstleister Assenagon in München einen Investmentfonds verwaltet, der in Kreditderivate investiert. „Daher haben die Banken keine große Lust auf das Clearing“, erklärt der ehemalige Leiter der Kreditanalyse bei der HypoVereinsbank.

Die Motivation ist gedämpft

Höhere Kosten, weniger Gewinn: Das dämpft die Motivation der Banker gewaltig. Deshalb hat sich die Branche in einem Brief des Derivate-Verbands ISDA bei McCreevy nur verpflichtet, „für die zentrale Abwicklung geeignete“ CDS-Papiere über Clearingstellen entschärfen zu lassen. So bleibt viel Spielraum für den direkten Handel zwischen Banken.

Während Brüssel den Start des neuen Sicherungssystems mit Erfolgsmeldungen feiert, sind rund zwei Drittel des CDS-Markts noch gar nicht für die neuen Zentralabwickler erreichbar. Denn bis auf wenige Ausnahmen können von den Abwicklungsstellen in den USA und Europa derzeit nur Kreditderivate, die sich auf Indizes beziehen, bewältigt werden.

Bei Index-Papieren gibt es schon lange Marktstandards, etwa bei den Gebühren (Kupons). Die fehlen bei Einzelwert-Papieren bislang. Nach DTCC-Daten bezieht sich aber nur jedes dritte Kreditderivat auf einen Index. Zwei Drittel des Marktvolumens stecken in Derivaten, die ihre Käufer gegen den Ausfall von Schulden eines bestimmten einzelnen Unternehmens oder Staates versichern — und die Spekulation darauf ermöglichen.

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