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Finanzmärkte Kaum mehr Sicherheit durch transparenten Handel

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Accenture-Partnerin Klöß erwartet wegen der Probleme mit den fehlenden Standards, dass auf absehbare Zeit „weniger als 60 Prozent des Kreditderivate-Volumens“ von den Clearinghäusern abgewickelt werden. Knapp die Hälfte des Billionenmarkts bleibt also im Handel zwischen Banken — und damit ohne Absicherung.

Doch selbst wenn McCreevy und die Finanzaufsicht das Clearing und die Standards durchsetzen sollten: Die Hoffnung vieler Kreditderivate-Gegner auf ein Ende der Spekulation würde die Reform den- » noch enttäuschen. Denn die zentrale Abwicklung soll nur verhindern, dass der Markt im Chaos versinkt, wenn erneut ein großer Verkäufer von Kreditversicherungen wie AIG oder Lehman Brothers zahlungsunfähig wird. „Mit Ideen, die Spekulation einzudämmen, haben die neuen Regeln nichts zu tun“, sagt Felsenheimer.

Kritik an Wetten auf Firmenpleiten

Wer auf die Pleite eines Unternehmens wetten will, kann weiterhin einfach die Kreditversicherung für die Anleihen des Pleitekandidaten kaufen. Er verdient wie bisher, wenn der Wert der Kreditversicherung wegen einer wachsenden Insolvenzwahrscheinlichkeit steigt. Solche Wetten auf Firmenuntergänge waren in der Finanzkrise in die Kritik geraten. Steigende CDS-Kosten und daraufhin Verkäufe von Bank-Aktien, die die Verkäufer gar nicht besaßen (Leerverkäufe), wertete der Markt im Herbst 2008 als Signal, dass bald weitere Finanzhäuser zusammenbrechen würden.

Spekulationsverbot ist vom Tisch

Die Aufsicht untersagte inzwischen zwar Aktien-Leerverkäufe, nicht jedoch den Verkauf von Kreditversicherungen, mit denen munter weiter spekuliert wurde. In den USA wollten die Demokraten im Kongress deshalb per Gesetz die Spekulationen auf Firmenpleiten mittels CDS verbieten.

Doch obwohl ein Kreditderivate-Gesetz noch im laufenden Jahr verabschiedet werden soll, ist das Spekulationsverbot mittlerweile wohl vom Tisch. Wenn der größte Teil des Markts künftig von Börsen abgewickelt und auch dort gehandelt werde, sei man zufrieden, sagt Barney Frank, der den Ausschuss für Finanzdienstleistungen im Repräsentantenhaus leitet.

So sieht es derzeit nicht danach aus, als würde der Derivate-Markt in eine echte Zwangsjacke gepresst. Sollten sich die Finanzmärkte weiter beruhigen und sollten die Aktienkurse weiter steigen, könnte das niedrige CDS-Volumen, das zentral abgewickelt wird, sogar versiegen. „Der Druck hat wieder abgenommen“, sagt Felsenheimer. „Wenn sich der Markt vollständig erholt hat, wird die Diskussion verstummen.“

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