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Finanzplatz Deutschland Sinn und Unsinn der Finanz-Beipackzettel

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Ein Bankangestellter berät Quelle: dpa

Die Genossenschaftsbanken und Sparkassen wollen künftig mit einheitlichen Produktinformationen auf den Markt kommen. Zur feierlichen Premiere des Gemeinschaftswerks haben sich die Kooperationspartner vorsichtshalber ein einfaches Produkt ausgesucht: eine Inhaberschuldverschreibung, für die es jährlich drei Prozent Zinsen gibt. Der Beipackzettel ist in Ordnung. Doch die anspruchsvollere Herausforderung sind Erklärungen zu Zertifikaten und Investmentfonds. Die sind noch in der Mache.

Die Konkurrenz aus dem Lager der Privatbanken, der Bundesverband deutscher Banken, in dem unter anderem Deutsche Bank und Commerzbank organisiert sind, hat hier schon mächtig gepatzt. Ein Juristen-Arbeitskreis baute bei der Darstellung eines Discountzertifikats einen Fehler in das Papier ein. In dem Produktblatt hieß es zunächst, dass ein Anleger dann „einen Verlust realisiert, wenn der Basiswert am Bewertungstag unter dem Höchstbetrag notiert“. Die Klausel klingt nicht nur kompliziert, sondern ist auch falsch: Sie ignoriert den für Discountzertifikate typischen Puffer, der Anleger vor Verlusten schützen kann. Mittlerweile wurde das Papier korrigiert.

Im Zweifel Finger weg

Besser gelungen ist dem Bankenverband eine Erklärung darüber, wie sich der Wert von Zertifikaten in verschiedenen Marktphasen entwickelt. „Anleger, die diese Zusammenhänge nicht verstehen, müssen sie sich ausführlich vom Berater erklären lassen – oder die Finger von Zertifikaten lassen“, sagt der Finanzberater und Buchautor Antonio Sommese.

Wenig hilfreich sind vorfabrizierte Textbausteine, wie sie die ING-DiBa verwendet. So werden zur Beschreibung des Risikos eines europäischen Aktienfonds nahezu die gleichen Formulierungen verwendet wie für einen Aktienfonds, der nur in Aktien rund ums Thema Wasser investiert. Ein breit streuender europäischer Aktienfonds ist aber weniger riskant als ein nur auf Aktien einer Branche beschränkter Fonds. Hier wären individuelle Informationen angesagt.

Konkrete Zahlen zum Risiko von Geldanlagen

Das Thema Risiko wird bei den meisten Produktinformationen mit lapidaren Texten abgehandelt. MLP immerhin bietet eine Kennziffer, allerdings ist die „Risikotragfähigkeit“ bei Investmentfonds nicht geläufig und für andere Anlageprodukte kaum zu ermitteln. Besser wäre es, wenn MLP und alle anderen Fondsverkäufer vorrechnen würden, wie viel Anleger in der Vergangenheit im schlechtesten Fall mit einer Geldanlage verloren hätten. Konkrete Zahlen – sowohl zum Risiko als auch zu Renditechancen – bleiben die Banken Anlegern schuldig und liefern lieber vage Erklärungen.

In Sachen Kosten ist MLP vorbildlich. Der Vertrieb hat in Beiblättern für Fonds detailliert die Kostenbestandteile aufgelistet und dabei auch die Provisionen aufgeführt, die MLP durch die Vermittlung der Fonds verdient. Bislang müssen sich Anleger die Informationen häufig aus vielen einzelnen Unterlagen zusammensuchen. Immer verständlich ist das trotzdem nicht: An Definitionen wie die von erfolgsabhängigen Gebühren, die „fünf Prozent des Mehrertrages über dem 3-Monats-Euribor“ ausmachen, dürften mancher Anleger länger zu kauen haben.

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