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Finanzplatz Deutschland Sinn und Unsinn der Finanz-Beipackzettel

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Sanfter Druck aus Brüssel

Ilse Aigner (CSU):

Nicht nur Ministerin Aigner, sondern auch die EU-Kommission will Erklärungen zu Geldanlagen einheitlich gestalten. Im Visier hat Brüssel neben Sparbriefen, Investmentfonds und Zertifikaten auch geschlossene Fonds und Lebensversicherungen.

Schon jetzt übergeben Lebensversicherer ihren Kunden Produktinformationen, allerdings unterscheiden sich die Papiere der Branche wiederum von denen der Banken. Da Versicherungspolicen, Fonds und Bankprodukte meist von den gleichen Beratern verkauft werden, müssten die Informationen auch ähnlich sein, heißt es aus Brüssel.

Für Anleger irreführend

Mitte Februar hat sich auch die Bankenaufsicht BaFin mit einem Rundschreiben zur Werbung in die Diskussion um Produktbeschreibungen eingeschaltet. Die Aufseher bemängeln, dass die Kundeninformationen vieler Finanzdienstleister nicht der seit Ende 2007 geltenden EU-Finanzmarktrichtlinie entsprechen. So werde beispielsweise mit unsinnigen Garantien geworben. Die Behörde forderte die Banken auf, dass bei Produktbeschreibungen „im Interesse der Redlichkeit der Garant zu erkennen sein müsse“.

Wenn bei einem Garantiezertifikat von 100-prozentigem Kapitalschutz die Rede sei, die Garantie aber von der ausgebenden Bank selbst stamme, sei dies für Anleger irreführend. Denn ein Zertifikat ist nichts weiter als eine Anleihe – und die muss üblicherweise voll zurückgezahlt werden. Es sei denn, die Bank geht pleite. Wenn das aber passiert, ist auch ihre Rückzahlungsgarantie nichts mehr wert.

Aigner macht Druck

Der Spruch mit der Garantie ist in der Branche weit verbreitet. Mit ihm arbeitet etwa die Deutsche Bank in ihrer Beschreibung einer Schatzanleihe, die sie herausgibt und deren Schuldnerin sie ist: „Die Schatzanleihe der Deutschen Bank (...) ist zur Fälligkeit zu 100 Prozent kapitalgeschützt.“

Berlin dürfte sich die Praktiken der Banken eine Zeit lang anschauen und, wenn keine Besserung erkennbar wird, notfalls doch noch mit einem Gesetz vorpreschen. „Die Ministerin übt massiven Druck auf die Branche auf. Das hatten ihr viele nicht zugetraut“, sagt Institutsleiter Bockholt. Noch kann Aigner die Keule nicht wieder einpacken.

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