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Fischfarm-Investment Caviar Creator wegen Betrugs angeklagt

Für den Bau von Fischfarmen sammelte Caviar Creator bei Privatinvestoren Millionen Euro ein. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Kapitalanlagebetrugs erhoben.

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Caviar Creator-Chef, Frank Quelle: dpa

Manchmal genügt schon ein Blick in die Bilanz eines Unternehmens, um einen genauen Eindruck über die Erfolgsaussichten zu bekommen. So bei Caviar Creator, einer selbst ernannten Fischzuchtfirma, die mit der Aussicht auf Gewinne aus der Stör-Aufzucht auf Anlegerfang geht. Umsatz null Euro, aber 8,6 Millionen Euro Verlust: So liest sich die letzte veröffentlichte Bilanz per Ende Oktober 2004.

Da wundert es kaum, dass Anleger, die in die in Düsseldorf, Las Vegas und im Schweizer Zug ansässige Caviar Creator investiert haben, vor einem Scherbenhaufen stehen. Denn statt wie versprochen mit überdachten Fischfarmen die „weltweite Marktführerschaft für die Produktion von Stör, Kaviar und Stördelikatessen“ zu erlangen, muss sich das Unternehmen nun mit der Staatsanwaltschaft auseinandersetzen. Investoren, die Fonds, Anleihen oder vorbörsliche Aktien des Unternehmens gekauft haben, drohen hohe Verluste.

Jahrelange Ermittlungen der Staatanwaltschaft

Nach jahrelangen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Düsseldorf nun Anklage wegen Kapitalanlagebetrugs gegen Firmenchef Frank Schaefer erhoben. Seine Fischtruppe soll 838 deutsche und Schweizer Anleger um fast 18 Millionen Euro geprellt haben. Insgesamt dürften sogar mehr als 5.000 Anleger betroffen sein, die seit 2002 rund 52 Millionen Euro in das Firmengeflecht gepumpt haben. Indizien, dass Caviar Creator alles andere als die versprochene Goldgrube ist, gibt es bereits seit Langem. Die Anklage der Staatsanwaltschaft beschränkt sich auf Anleger-Investments seit Januar 2006. Spätestens zu diesem Zeitpunkt, so der Vorwurf, soll Caviar Creator insolvenzreif gewesen sein und sich seither nur noch mit dem Kapital neuer Privataktionäre über Wasser gehalten haben.

Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei Caviar Creator um ein Schneeballsystem handelt – ähnlich wie beim spektakulären 50-Milliarden-Dollar-Skandal des Bernie Madoff, der mit frischem Geld die Zinsen für alte Investments zahlte. Caviar Creator geht auf Details nicht ein. Den Vorwurf, ein Schneeballsystem etabliert zu haben, bezeichnete ein Firmensprecher auf Anfrage als „haltlos“. Im Übrigen müsse erst noch ein Richter entscheiden, ob er die Anklage für stichhaltig halte und ein Verfahren eröffne.

Das dürfte allerdings Formsache sein: In ihrer Anklageschrift zeichnen die Ermittler auf 772 Seiten akribisch nach, wie Caviar Creator Anleger geködert haben soll. Mit unerwünschten Telefonanrufen und kühnen Renditeversprechungen ging das Unternehmen demnach auf Kundenfang. Statt vom Aussterben bedrohte Wildstöre zu fangen, wollte Caviar Creator die Fische in überdachten Wasserbecken züchten. 20 Kaviarfarmen rund um die Welt seien geplant. Vom Jahr 2010 an sei ein Zuchterfolg von jährlich mindestens 400 Tonnen Kaviar zu erwarten, tönte das Unternehmen.

Starkoch Witzigmann ins Boot geholt

Viele Anleger fielen auf die großspurigen Ankündigungen herein. Spätestens als Firmen-Chef Schaefer gemeinsam mit Koch-Ikone und „Caviar-Creator-Botschafter“ Eckart Witzigmann im März 2005 die angeblich weltgrößte Kaviarfarm im vorpommerschen Demmin eröffnete, gab es für zahlreiche Investoren kein Halten mehr: Sie orderten vorbörslich Caviar-Creator-Aktien. Schließlich sollten die Papiere schon bald an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq gehandelt werden, versicherte das Unternehmen damals.

Was die Investoren nicht ahnten: Die Millionensummen, die sie eingezahlt hatten, sollen bereits am 1. Mai 2005 auf rund 342.000 Euro eingeschmolzen sein, heißt es in Ermittlerkreisen. Wohin das Geld exakt geflossen ist, bleibt nebulös. Der Zwischenabschluss 2004 zeigt, dass die Firma allein 4,6 Millionen Euro an Gehältern gezahlt hatte, dazu noch knapp 850.000 Euro für Rechts- und Beratungskosten.

Insolvenzverfahren wird geprüft

Wegen der für eine Mini-Firma horrenden Verluste war an einen Börsengang oder gar an den Bau weiterer Großanlagen kaum zu denken. Stattdessen schmiss Schaefer Anfang 2006 wieder die Verkaufsmaschine an, um neues Kapital einzuwerben. Bis heute versucht das Unternehmen, seine Aktionäre davon zu überzeugen, dass demnächst der Börsengang bevorsteht.

Ein Plan, der wohl nie aufgehen wird: Bei einem Tochterunternehmen prüft derzeit ein gerichtlich bestellter Gutachter die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Gläubiger berichten zudem von massiven Problemen, Geld einzutreiben. Auch dazu wollte sich Caviar Creator nicht äußern.

Erst langsam proben einige Fonds-Investoren den Aufstand. Im Juli 2008 setzten sie das damalige Management der vorpommerischen Kaviarfarm im Handstreich vor die Tür und besetzten die Anlage. Doch der Erfolg währte nur kurz: Schon nach wenigen Stunden musste „die Bande“, wie Caviar Creator seine meuternden Investoren bezeichnet, wieder weichen.

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