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Freenet-Chef Vilanek "Mobile Datendienste helfen uns"

Der Chef des Mobilfunkanbieters Freenet, Christoph Vilanek, will jetzt Schulden abbauen und trotzdem die Dividende für Aktionäre vervielfachen. Und das ohne die kürzlich verkaufte Festnetz-Internet-Sparte.

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Christoph Vilanek, Vorstandschef des Mobilfunkanbieters Freenet Quelle: Gerrit Meier für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Vilanek, für das vergangene Jahr zahlen Sie erstmals seit 2006 wieder eine Dividende, allerdings nur 20 Cent pro Aktie. Wird es für 2010 mehr geben?

Vilanek: Ja, und zwar ein Vielfaches der aktuellen Ausschüttung. Für das Geschäftsjahr 2010 können wir uns aus heutiger Sicht eine Dividende zwischen 80 Cent und einem Euro vorstellen.

Klingt ehrgeizig: Das wäre doppelt so viel, wie von Analysten erwartet.

Beim Aktienkurs von aktuell rund neun Euro wäre die Dividendenrendite zehn Prozent.

Was sind die größten Risiken, die eine solche Ausschüttung verhindern könnten?

Die größten Risiken liegen außerhalb der Branche: Niemand weiß, wie sich die Wirtschaft insgesamt entwickelt. In unserer Branche sind große Veränderungen vorhersehbar, zum Beispiel die Auktion der Netz-Rechte für das mobile Internet der vierten Generation. Außerdem drohen Kapazitätsengpässe in den bestehenden Netzen, weil die Kunden das mobile Internet immer stärker nutzen. Für uns überwiegen hier aber die Chancen das Risiko. Denn wir haben kein eigenes Netz und können uns auf den Vertrieb konzentrieren.

Freenet hat im November das Festnetz-Internet verkauft. Jetzt sind Sie vom Mobilfunk abhängig, bei dem der Marktanteil der Vermittler ohne eigenes Netz seit Jahren schrumpft.

Das ist richtig. Aber neue Trends wie die stärkere Nutzung von mobilen Datendiensten helfen uns. Durch unsere zahlreichen eigenen Shops und unsere Partner können wir komplexe Angebote sehr gut verkaufen.

Analysten befürchten ein Umsatzminus von zehn Prozent für 2010. Ist das realistisch?

Der Branchenverband VATM erwartet für den Telekommunikationsmarkt nur einen Umsatzrückrückgang von zwei bis drei Prozent. Wir schauen nicht so sehr auf den Konzernumsatz, sondern auf den durchschnittlichen Umsatz pro Kunde, und der läuft eher geradeaus. Wir wollen nur Kunden aufnehmen, mit denen wir Geld verdienen, und auch den ein oder anderen Vertrag nicht verlängern. In ein paar Jahren wird fast die gesamte Nutzung von Sozialnetzwerken wieFacebook oder MySpace über mobiles Internet gehen. Das bietet uns große Chancen.

Werden nicht vor allem die großen Netzbetreiber vom mobilen Internet profitieren, weil sie kombinierte Angebote auch für zu Hause machen können?

Bei Bündelprodukten muss man immer das Hauptprodukt mit Rabatt anbieten. Außerdem sehen wir abgesehen vom Preis keinen wirklichen Nutzen für den Kunden. Wir verkaufen Einzelprodukte und sind damit auch bei DSL-Anschlüssen, die wir im Auftrag von United Internet verkaufen, erfolgreich.

Haben Sie die Vertriebsziele Ihres Großaktionärs United Internet bei DSL erreicht?

Im vergangenen Jahr haben wir die Ziele übertroffen.

Und wie wird 2010?

Im Januar lagen wir über Plan. Ich gehe aus heutiger Sicht davon aus, dass wir die mit United Internet vereinbarten Ziele im laufenden Jahr erreichen.

Dann bekommt Freenet die vereinbarte Prämie von 6,5 Millionen United-Internet-Aktien?

Die Prämie würde erst 2011 wirksam...

...und würde also bei der Dividende für 2011 helfen?

In der Tat würde sich diese Zahlung im Ergebnis niederschlagen, zum aktuellen Aktienkurs von United Internet bei 11 Euro wären das rund 17 Millionen Euro. Aber einen direkten Zusammenhang zur Höhe einer Dividende sehe ich nicht.

Wie stark senken Sie Kosten?

Bis Ende 2010 wollen wir das gesamte Mobilfunkgeschäft auf ein einheitliches IT-System umstellen. Durch diesen letzten Schritt der Integration werden wir rund 50 Millionen Euro gegenüber dem ursprünglichen Zustand mit drei IT-Systemen sparen.

Dann könnten Sie für 2011 noch mehr ausschütten als 80 Cent bis einen Euro?

Mit der geplanten Dividende für 2010 schlagen wir eine Richtung ein, die wir halten wollen. Wir wollen eine verlässliche und kontinuierliche Dividendenpolitik verfolgen, die nicht von Einmal-Ereignissen abhängig ist.

Durch den Debitel-Kauf war Freenet 2008 mit 1,3 Milliarden Euro verschuldet, dem Sechsfachen des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Wie viel ist es jetzt, was ist Ihr Ziel für 2010?

Wir haben die Netto-Verschuldung um circa 40 Prozent gesenkt. Das Ziel ist, den Verschuldungsgrad mittelfristig auf das 1,5-fache Ebitda zu senken, einen genauen Zeitplan hierzu kann ich Ihnen aber noch nicht nennen.

Derzeit liegen die Schulden noch bei mehr als dem Doppelten des um Sondereffekte bereinigten Ebitda. Was ist 2010 wichtiger, Schuldenabbau oder die angekündigte Dividende?

Da müssen wir eine Balance erreichen. Je näher wir den angestrebten Verschuldungsgrad vom 1,5-Fachen des Ebitda kommen, desto leichter fällt uns die Ausschüttung einer höheren Dividende.

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