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Gburek Geld-Geklimper

Liquidität über alles

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Nach der zweiten um die Fähigkeit, Zahlungsverpflichtungen jederzeit erfüllen zu können (zum Beispiel Miete, Rechnungen, Kreditzinsen und -tilgungen). Nach der dritten, über Reserven zu verfügen, die in absehbarer Zeit zu Bargeld zu machen sind, wobei es sich hier um ein besonders breites Spektrum handelt (Festgeld, Sparkonten und -briefe, gängige Goldbarren und -münzen, zum Teil wiederum Depots, Gehalts- und sonstige Forderungen, mit großen Einschränkungen Immobilien und Lebensversicherungen).

Was hier wie volkswirtschaftliche Theorie anmutet, hat in Wahrheit eine enorme praktische Bedeutung. Dazu einige Beispiele: Schon das in der Regel als besonders liquide geltende Bargeld in Form von Geldscheinen ist nur im jeweiligen Währungsraum wirklich liquide.

Konten können vorübergehend eingefroren sein, etwa wenn der Einlagensicherungsfonds für eine Pleitebank erst mit Verzögerung einspringt. Depots sind so viel wert wie die Kurse der in ihnen verbuchten Papiere, was bei Arcandor-Aktien oder Lehman-Zertifikaten bekanntlich wenig oder gar nichts war. Zahlungsverpflchtungen werden, vor allem im unternehmerischen Bereich, auch mit Krediten erfüllt; kappt eine Bank die Kreditlinie, ist der betreffende Kunde über Nacht zahlungsunfähig. Richtig spannend wird es bei einem Teil der liquidierbaren Reserven.

Liquidität ist ein komplexes, von der Zeit und vom Markt abhängiges Gebilde

Enden Gehaltsforderungen mit Arbeitslosigkeit, nützt auch ein noch so guter Arbeitsvertrag gar nichts. Besteht ein Depot aus Aktien oder Aktienfonds mit schwindsüchtigen Kursen, ist die Liquidierbarkeit zwar kein Problem, aber sie wird in diesem Fall mit hohen Verlusten erkauft.

Eine Wohnimmobilie in Münchner oder Hamburger Toplage, um die sich Interessenten reißen, gilt zu Recht als liquide; doch wehe, es handelt sich bei Immobilien um nicht alternativ nutzbare Gewerbeflächen, um geschlossene Immobilienfonds, um ihre eingefrorenen offenen Verwandten oder um spanische "Se vende"-Objekte. Dann müssen, falls ein Verkauf überhaupt in Betracht kommt, ebenso hohe Abschläge in Kauf genommen werden wie im Fall von Kapital- oder fondsgebundenen Lebensversicherungen.

Schon diese wenigen Beispiele zeigen: Liquidität ist ein komplexes, von der Zeit und vom Markt abhängiges Gebilde. Was Banker und Vertriebsgurus in ihren Märchenstunden zur Fortbildung ihres Geldnachwuchses sträflich vernachlässigen und was private Anleger nach fünf Jahrzehnten Nachkriegs-Wohlstand oft einfach ausblenden:

Im so genannten magischen Dreieck - bestehend aus Rentabilität, Sicherheit und Liquidität - kann man die Rentabilität in Krisenzeiten wie jetzt getrost unter den Tisch fallen lassen; sie wird erst dann zu einem beachtenswerten Faktor, wenn die Krise irgendwann in den nächsten Jahren vorbei sein und im niedrigen Einkauf der Gewinn liegen wird, wie es im Volksmund so schön heißt. Dagegen wachsen Sicherheit und Liquidität zusammen: Ohne Liquidität - im Sinn von Geld, von Zahlungsfähigkeit und von Liquidierbarkeit - ist finanziell nichts sicher. Dazu hat die Börse von Shanghai ein Warnsignal gegeben. Man sollte es ernst nehmen.

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