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Gbureks Geld-Geklimper

Als Günter Netzer von der DIT-Bildfläche verschwand

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Für die Fondsbranche zählt der Verkauf. Das wäre halb so schlimm, wenn auch Anleger ihren Nutzen daraus ziehen könnten. Allzu oft ist das Gegenteil der Fall.

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Manfred Gburek

118 – eine schier unglaubliche Zahl, wenn sich dahinter 118 Fonds verbergen, die Deutschlands größte Investmentgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) zuletzt aus dem Verkehr gezogen hat. Diesen Fonds sollen auf dem Weg in die Versenkung noch fast 100 weitere folgen. AGI begründet die Aktion mit der Integration der ehemaligen Konkurrentin cominvest alias ADIG, erste deutsche Investmentgesellschaft der Nachkriegszeit. Von ADIG wurde Ende der 1990er Jahre die Investmentgesellschaft Activest getrennt. Die behielt ihren Namen allerdings nicht lange, sondern wurde in Pioneer umgetauft. Auch DIT, der Name der früheren Investmenttochter der Dresdner Bank, verschwand von der Bildfläche, obwohl der ehemalige Fußballprofi Günter Netzer doch so rührend für sie geworben hatte, und landete bei AGI.

Imageschaden bis heute

Ob die Anleger das alles gut fanden, danach wurden sie erst gar nicht gefragt. Sie mussten sich den strategischen Spielen der Banker und Fondsmanager – oder was diese dafür hielten – entweder beugen, oder sie konnten ihre Fondsanteile verkaufen. In beiden Fällen bekamen sie die Rechnung nicht offen serviert, sondern im ersten Fall mit mehr oder weniger versteckten mehrmaligen Abschlägen (Gebühren, Provisionen) auf den Wert ihrer Fondsanteile, im zweiten Fall mit einem einmaligen Abschlag, den der überwiegend enttäuschende Rücknahmepreis widerspiegelte.

Anlass genug, sich über Sinn und Unsinn von Fonds vor allem mit Blick auf die Zukunft Gedanken zu machen. Ursprünglich als Vermögensverwaltung des kleinen Mannes mit den beiden Zielen konzipiert, vom Wachstum der Wirtschaft zu profitieren und das Risiko zu streuen, gerieten Fonds im Lauf der Jahrzehnte immer mehr zu prozyklischen Risikoverstärkern, was sich besonders dramatisch um die Jahrtausendwende am Neuen Markt zeigte: Gierige Anleger beteten ihre vermeintlich erfolgreichen Fondsmanager an und gaben ihnen immer mehr frisches Geld, das die Angebeteten in Aktiengesellschaften investierten, deren Geschäftsmodell überwiegend aus heißer Luft bestand. Wer nicht rechtzeitig ausstieg, verlor im schlimmsten Fall den ganzen Einsatz.

Vom Imageschaden, den die Fondsbranche damals erlitt, hat sie sich bis heute nicht erholt. Wenn sie wenigstens in Zukunft ohne weiteren Schaden davonkommen will, muss sie entweder alte Tugenden (vor allem Risikostreuung) wieder aufleben lassen, oder sie muss sich neu erfinden.

Beides wird viele Jahre in Anspruch nehmen, denn bei den meisten Fonds handelt es sich um Spezialitäten, und die sind zwangsläufig prozyklisch: Aktienfonds sind von den Akienkursen abhängig, Rentenfonds von der Zinsentwicklung, Mischfonds von beiden, Geldmarktfonds vom Zinsniveau und davon, ob Kanzlerin Angela Merkel (oder sonst wer) eine Garantie für die konkurrierenden Bankeinlagen abgibt, Rohstofffonds vom Ölpreis und vom Rohstoffhunger der Chinesen, offene Immobilienfonds von Gewerbeimmobilien und von der Gefahr, über Nacht geschlossen zu werden.

Als Ausweg aus dem Dilemma bietet sich die Konstruktion von Fonds an, deren Manager absolut integer und kundenorientiert sind, jahrzehntelange Erfahrungen mit Geldanlagen haben und im gesetzlichen Rahmen alles dürfen, damit Anleger sich über eine stetige Mehrung ihres Vermögens bei minimalem Risiko freuen können. Also sozusagen das Wealth Management im Fondsformat. Selbst wenn es so etwas gäbe, wäre der Erfolg längst noch nicht gewährleistet. Denn einem bekannten Branchenschnack zufolge werden Fonds nicht gekauft, sondern verkauft. Was so viel bedeutet wie: Der Impuls zum Kauf kommt in der Regel nicht vom Käufer, sondern vom Verkäufer eines Fonds, sprich, vom Bank- oder Sparkassenangestellten, vom Mitarbeiter eines Versicherers oder Vertriebs.

Eine Bredouille nach der anderen

Da dieser Impuls provisionsgetrieben ist, ergibt sich für Fondskäufer eine in doppelter Hinsicht fatale Entwicklung: Erstens, weil sie einen in solchen Fällen üblicherweise hohen Ausgabeaufschlag zahlen, und zweitens, weil sie dem Kauf eines Fonds normalerweise umso eher zuneigen, je deutlicher dessen Erfolg aus der Vergangenheit sichtbar wird, auch Performance genannt. Was dann folgt, ist absehbar: Durchhalten über Stock und Stein, gegebenenfalls nachkaufen, schließlich verkaufen, sobald der Einstandspreis erreicht ist. Börsenpsychologie eben. Schlimm daran ist, dass der Herdentrieb Anleger allzu oft veranlasst, in Massen aus einem Fonds zu fliehen, falls der gerade eine schlechte Performance abliefert, und damit den Fondsmanager zu zwingen, beispielsweise seine Aktien zur Unzeit zu verkaufen, nur um den Liquiditätsbedarf der Anleger zu befriedigen.

Dieses Verhalten von Fondsanlegern und -managern kommt in umso extremerer Form vor, je spezialisierter ein Fonds ist und je stärker sein Preis schwankt. Anleger können vermeiden, in diese Bredouille zu geraten, indem sie ganz auf Fonds verzichten. Dann befinden sie allerdings schon auf dem Weg in die nächste Bredouille: Haben sie wenig Vermögen, gelingt ihnen nicht die erforderliche Risikostreuung. Haben sie dagegen viel Vermögen, müssen sie sich der ständigen Anrufe von Seiten der Fondsverkäufer erwehren. Geben sie ihnen nach, erleiden sie das oben beschriebene Schicksal der meisten Fondskäufer. Spätestens wenn sie sich jeden weiteren Anruf verbitten und dann ohne Einfluss von außen die Einsicht gewinnen, die Geldanlage eigenständig und individuell in die Hand nehmen zu müssen, dürften sie den entscheidenden Schritt zur Anlegerreife getan haben.

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